Traumberuf Influencer oder doch eher Knochenjob? Eine Bremerin erzählt

Rabattcodes und Kooperationen: Das ist die Arbeitswelt von Influencern

Bild: Radio Bremen

Make-up-Influencerin Jolina Mennen hat bei Instagram mehr als 200.000 Follower. Obwohl ihre Videos nach Alltag aussehen, steckt viel harte Arbeit dahinter.

Jolina Mennen lebt den Traum vieler Jugendlicher. Denn die Bremerin ist Influencerin und geht damit einem Job nach, den immer mehr junge Menschen als späteren Berufswunsch verfolgen. Doch auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Hinter dem Mix aus Make Up, Fashion und schnödem Alltag steckt viel Arbeit.

Kinder, die Social Media hauptberuflich machen möchten, denken: Man verdient viel Geld, muss nicht viel arbeiten und das Leben ist eine große Party. Bei manchen Leuten ist das vielleicht so, aber meine Arbeitsrealität sieht definitiv anders aus.

Influencerin Jolina Mennen

Mennen teilt ihr Leben digital mit vielen Menschen

Wenn Mennen sich morgens einen Kaffee macht, dann nicht nur zum Wachwerden. Sondern auch, um ihn zu teilen – zwar nur digital, dann aber mit sehr vielen Menschen: Zwischen 60.000 und 70.000 ihrer Follower schauen sich regelmäßig ihre Alltagsvideos bei Instagram an, auch wenn in den Clips schon mal der Kaffee überschwappt. Nicht immer handelt es sich dabei um ein Missgeschick, erklärt die 29-Jährige.

Manchmal mache ich es auch mit Absicht, damit mehr Leute mit meiner Story interagieren. Das hilft mir für den Algorithmus.

Influencerin Jolina Mennen aus Bremen
BWL-Professor Christoph Burmann.
Wirtschaftswissenschaftler Christoph Burmann forscht an der Universität Bremen zu Influencer-Marketing. Bild: Radio Bremen

Der Algorithmus bestimmt, wie viele Menschen ihre Videos angezeigt bekommen. Und deren Anzahl bestimmt im Endeffekt den Marktwert von Mennen, der bei Instagram mehr als 200.000 Menschen folgen. Bei Youtube sind es sogar fast 300.000.

Ihre hohe Reichweite macht Mennen interessant für Firmen, die nach Influencern suchen, um auf deren Kanälen ihr Produkt bewerben zu lassen. "Hier gilt: Je mehr Sie zeigen, desto stärker haben die Follower den Eindruck, dass sie wirklich Freunde sind ", sagt Christoph Burmann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen. Diese emotionale Bindung ist das Wertvolle, was professionelle Influencer den Unternehmen bieten können.

Sie können dann beiläufig sagen: Guckt mal, ich habe hier eine schöne Hose, ein schönes Hemd oder was auch immer. Und dann kommt das ganz automatisch so rüber, als sei es ein gut gemeinter Tipp des besten Freundes oder der besten Freundin.

Christoph Burmann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen

Kooperationen mit Bekleidungsherstellern

Mennen hat viele Kooperationen, etwa mit Firmen, die Bekleidung herstellen. Diese bezahlen sie dafür, dass sie deren Produkte ansprechend präsentiert. Gerade bei jungen Menschen ist das extrem wirkungsvoll. "Ich teste tagtäglich neue Sachen und gucke, ob das für mich passt oder nicht", so die 29-Jährige.

Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass wir alle am meisten Spaß daran haben, wenn ich mir selbst treu bleibe. Dass ich also nur mit Marken zusammenarbeite, die im Zweifelsfall vielleicht schlechter bezahlen, aber eben geile Produkte machen.

Influencerin Jolina Mennen aus Bremen

Doch sein eigenes Leben zeigen und dabei für Produkte ins Smartphone lächeln – wie authentisch kann das sein? "Es ist irgendwo echt, aber auf der anderen Seite entscheide ich schon über den Blickwinkel", betont Mennen.

Ich finde, das Recht steht mir auch zu, dass ich selber entscheide, was ich teilen möchte – und was eben nicht.

Influencerin Jolina Mennen aus Bremen

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Autorin

  • Johanne Bischoff

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. August 2022, 19:30 Uhr