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Was sagt die neueste Bildungsstudie über Bremens Schulen wirklich aus?

Schulranzen stehen auf einem Schulhof.

Was sagt die neueste Bildungsstudie über Bremens Schulen wirklich aus?

Bild: DPA | Jens Büttner

Zwar ist Bremen in einer Bildungsstudie wie eh und je Schlusslicht, aber immerhin bei der Digitalisierung Spitzenreiter. An der Studie gibt es jedoch auch Kritik.

Bildungsstudien sorgen in Bremen selten für Jubelstürme. Denn für gewöhnlich findet sich das kleinste Bundesland in solchen Rankings auf dem letzten Platz wieder. Und auch im neuen Bildungsmonitor der "Initiative Neue Marktwirtschaft", bei dem insgesamt 13 Bildungsfelder beleuchtet wurden, stellt Bremen wie gewohnt das Schlusslicht dar.

Bei der Bremer CDU sorgt das Ergebnis der Studie für Kritik. "Die Fachleute bescheinigen uns deutschlandweit die schlechteste Schulqualität und die höchste Bildungsarmut", beklagt Yvonne Averwerser, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Doch immerhin: Im Bereich "Digitalisierung" belegt Bremen unter allen Ländern den Spitzenplatz. Wir zeigen auf, was an Bremer Schulen ebenfalls gut klappt, wo es Nachholbedarf gibt und warum die Studie nicht unumstritten ist.

Was läuft gut in Bremens Schulen?
Bremen und Bremerhaven haben in den Schulen fast überall digitale Endgeräte wie iPads oder Laptops. Die Digitalisierung funktioniert in keinem anderen Bundesland besser, sagt die Studie. Hinzu kommt, dass die Geräte nicht nur in den Schulen herumliegen, sondern auch täglich im Unterricht genutzt werden.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist laut der Studie das WLAN an den hiesigen Schulen. Anders als in anderen Ländern ist Bremen hier anscheinend gut aufgestellt. Nur Hamburg ist etwas besser als Bremen. Auch bei der Schüler-Lehrer-Relation an den Grundschulen schneidet Bremen gut ab und belegt insgesamt den dritten Platz. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in Bremen zudem nur sehr wenige Dienstausfälle bei den Lehrkräften.
Und wo schneidet Bremen schlecht ab?
Es gibt mehrere Bereiche, bei denen Bremen die altbekannten hinteren Plätze belegt. So sind etwa bei den Vergleichtests zum Bildungsmonitoring die Neuntklässler im Land Bremen in Mathe und Naturwissenschaften nur Schlusslicht. Ebenfalls sehr schlecht schneidet Bremen beim Thema Schulabbrecherquote ab – in keinem Land verlassen so viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss wie in Bremen.

Zudem bekommen in Bremen die Schüler mit ausländischen Wurzeln im Vergleich sehr oft keinen Schulabschluss. Auch bei der Ganztagsbetreuung hat Bremen großen Nachholbedarf. "Die INSM-Studie stützt zahlreiche Ergebnisse auch anderer Institute aus den letzten Jahren, wonach der Schluss offenkundig ist, dass die sozialdemokratische Bildungspolitik in Bremen systematisch versagt", sagt CDU-Politikerin Averwerser.
Wie glaubwürdig ist die Studie?
Die Studie stammt von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Dahinter steckt der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektro-Industrie. Es handelt sich also um eine Lobbyorganisation des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Die Macher stehen folglich der Union und den Arbeitgeberverbänden nah und befürworten daher eine andere Bildungspolitik, als sie die rot-grün-rote Bremer Landesregierung betreibt.

Zwar bezeichnen die Autoren ihre Studie als repräsentativ, allerdings handelt es sich um eine Zufallsstichprobe. Teils stammen die Daten, die Grundlage der Studie sind, aus dem Jahr 2018. Der Bildungsmonitor bringe daher auch keine neue Erkenntnis, sagt Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) zu buten un binnen: "Unter dem Streich bleibt die Studie zweifelhaft."

Die Verfasser weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass sie vor allem wissen wollten, wie sich die Qualität der Bildungslandschaft auf die Wirtschaft auswirkt. Weiterhin wurden nur 1.500 Lehrerinnen und Lehrer gefragt – in Bremen waren es von rund 6.000 Lehrkräften nur 53 –, aber keine Schülerinnen oder Schüler. Ob diese also so zufrieden oder unzufrieden sind, wie in der Studie behauptet, ist überhaupt nicht belegt.

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Autorinnen und Autoren

  • René Möller
  • Carola Schwirblat

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 17. August 2022, 14 Uhr