Erschreckender Bundesvergleich: Bremen hat höchste Alkoholiker-Quote

Ein Mann hält sich an einer Flasche Bier fest.

Erschreckender Bundesvergleich: Bremen hat höchste Alkoholiker-Quote

Bild: DPA | photothek/ Thomas Trutschel
  • Barmer Krankenkasse führt Hochrechnung zu alkoholabhängigen Menschen durch
  • In Bremen leben im statistischen Bundesvergleich die meisten Alkoholiker
  • Statistik beinhaltet nur Personen, die sich in therapeutischer Behandlung befinden

Laut einer Hochrechnung der Barmer Krankenkasse leben die meisten alkoholabhängigen Menschen in ärztlicher Behandlung in Bremen. Bundesweit führe die Hansestadt mit 2,22 Patienten je 100 Einwohnern die Statistik der Alkoholabhängigen an, teilte die Kasse am Donnerstag in Bremen mit. Niedersachsen belege mit Platz zehn (1,44 Prozent) einen Mittelfeldplatz.

Schleichender Prozess bis zur Abhängigkeit

Die Statistik dokumentiere allerdings ausschließlich die Menschen, die sich bereits therapeutisch behandeln ließen. Die Dunkelziffer sei ungleich höher. Der Krankenkasse zufolge wurden in Bremen im Jahr 2020 rund 13.000 Menschen aufgrund ihrer Alkoholprobleme ärztlich behandelt. 2016 seien es noch 12.500 gewesen, sagte Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen, Heike Sander, anlässlich der Aktionswoche Alkohol, die am 14. Mai startet. Dabei seien die meisten Patienten männlich (9.100).

Bei den Frauen sei ein Anstieg um sieben Prozent von rund 3.500 im Jahr 2016 auf mehr als 3.800 zu verzeichnen. Weil sich die Alkoholabhängigkeit schleichend entwickele und eine Alkoholsucht lange versteckt werden könne, vergingen bei Betroffenen nicht selten zehn Jahre von den ersten Krankheitszeichen bis zu einer Therapie und einem Alkoholentzug, hieß es.

Alkohol fordert mehr Tote als Gewalt, Verkehrsunfälle und HIV zusammen

Suchtforschern zufolge suchten jedoch nur 10 bis 15 Prozent der alkoholabhängigen Menschen professionelle Hilfe. Dabei sei gerade ein früher Behandlungsbeginn entscheidend: Je früher eine Therapie starte, desto leichter falle Betroffenen der Alkoholentzug. Alkohol ist der Barmer zufolge ein gefährliches Zellgift, das dem Körper immer schadet, egal wie viel getrunken wird.

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben mehr Menschen durch Alkoholkonsum als durch Gewalt, Verkehrsunfälle und das HI-Virus zusammen – rund drei Millionen Menschen weltweit. Zudem könne ein riskanter Alkoholkonsum mehr als 200 Krankheiten verursachen, darunter Krebs, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gehirnschädigungen bis hin zur Schädigung des ungeborenen Kindes.

Wege aus der Sucht: Großes Treffen der Anonymen Alkoholiker

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Mai 2022, 23:30 Uhr