Entführt, missbraucht, ermordet – der ungelöste Fall Adelina

Collage zeigt Dirk Blumenthal und Jochen Grabler, daneben der Schriftzug Mord Nordwest.

Entführt, missbraucht, ermordet – der ungelöste Fall Adelina

Bild: Radio Bremen | Josefine Gotzes, Grafik: Christina Loock und Sabina Weinrich

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Am helllichten Tag verschwindet in Bremen ein Mädchen – keiner bekommt etwas mit. Später wird Adelinas Leiche im Wald gefunden. Der Fall ist bis heute nicht geklärt.

Adelinas Opa drückt seiner Enkelin noch einen Regenschirm in die Hand, weil es regnet an diesem Sommertag. Dann steigt die Zehnjährige in den Aufzug, um von der Wohnung des Großvaters elf Stockwerke nach unten zu fahren und rund zweihundert Meter zu dem Wohnblock in Bremen-Kattenturm zu gehen, in dem sie mit ihrer Mutter lebt. Adelina kommt nicht zu Hause an. Es ist der 28. Juni 2001 gegen halb sechs Uhr abends. Der Großvater scheint der letzte gewesen zu sein, der Adelina lebend gesehen hat – außer ihrem Mörder.

Groß angelegte Suchaktion

Fahndungsfoto vom Mädchen Adelina
Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach der 10-jährigen Adelina. Bild: BKA

Familie und Freunde suchen zuerst selbst nach dem Kind – vergeblich. Dann wendet sich die Mutter an die Polizei. Und die startet eine der aufwendigsten Suchaktionen, die es in Bremen je gegeben hat. Mehrere hundert Polizisten sind im Einsatz. Ein Hubschrauber fliegt die Gegend großflächig ab. Später hilft sogar die Bundeswehr und lässt mit Wärmebildkameras ausgestattete Kampfjets den Bereich südlich von Bremen absuchen. Hundestaffeln durchstöbern Wälder und Gehölze. Taucher suchen in den umliegenden Gewässern. Eine Sonderkommission wird gegründet. Mit Flugblatt- und Plakataktionen wird nach Zeugen gesucht. Polizisten klingeln an jeder Kattenturmer Tür, befragen die Leute und gucken auch in die Wohnungen, ob sich da irgendwas Verdächtiges findet. Es findet sich nichts Verdächtiges, und es findet sich keine Spur von Adelina.

Die Polizei überprüft, ob vielleicht Adelinas in Russland lebender Vater seine Tochter entführt hat. Das hat er nachweislich nicht. Dann gerät ihr von der Mutter getrennt lebender Stiefvater in Verdacht. Der sitzt sogar eine Zeit lang in Untersuchungshaft. Aber auch an dem Verdacht ist offenbar nichts dran.

Wer war der Täter?

Ein Kreuz aus Holz auf dem Boden mit einer Kerze davor und dem Namen "Adelina" darauf.
Am Fundort der Leiche im Pastorenwäldchen bei Leeste, unweit der A1 steht ein Holzkreuz mit ihrem Namen. Bild: Radio Bremen

100 Tage sind seit dem Verschwinden des Kindes vergangen, da findet eine Pilzsammlerin im sogenannten Pastorenwäldchen im Bremer Umland – rund acht Kilometer entfernt von Kattenturm – einen Müllsack. Darin liegt die Leiche eines Kindes. Am 9. Oktober 2001, an dem Tag wäre Adelina elf Jahre alt geworden, gibt die Polizei dann bekannt: Es ist Adelinas Leiche. Und: Das Mädchen ist sexuell missbraucht und ermordet worden.

Die Polizei hat danach natürlich weiter ermittelt, hat auch die kleinsten Hinweisen und selbst reichlich abstruse Theorien geprüft. Bis heute ist sie über 2000 Spuren nachgegangen. Die Ergebnisse der Ermittlungen sind in rund 300 Aktenordnern festgehalten. Der Fall Adelina ist bis heute nicht geklärt.

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  • Dirk Blumenthal
    Dirk Blumenthal Autor
  • Jochen Grabler
    Jochen Grabler Redakteur und Autor