Die 5 tollsten Werder-Siege gegen die Bayern

Die Statistik mit 22 Niederlagen am Stück ist aktuell niederschmetternd. Doch es gab auch Zeiten, in denen die Bremer den Bayern schmerzhafte Pleiten zugefügt haben.

Diego feiert sein Tor zum 1:0 gegen die Bayern 2006.
Beim 3:1-Sieg gegen die Bayern im Oktober 2006 brachte Diego die Bremer mit einem tollen Treffer zum 1:0 in Führung. Kurz zuvor hatte Bayern-Keeper Oliver Kahn ihn angerempelt. Bild: Imago | MIS

Zugegeben, die derzeitige Bilanz sieht fürchterlich aus. Die letzten 22 Spiele in Bundesliga und DFB-Pokal hat Werder gegen die Bayern allesamt verloren. Und auch das Torverhältnis von 17: 76 zeigt deutlich die derzeitigen Kräfteverhältnisse auf. Doch es gab auch Zeiten, in denen Werder die Bayern teilweise am Nasenring durch die Manege zog. Wir blicken daher zurück auf die fünf tollsten Bremer Siege.

1 2003/04: Werder holt in München die Meisterschaft

Uli Hoeneß fuhr vor dem direkten Duell am 32. Spieltag mal wieder die "Abteilung Attacke". "Wir müssen die jetzt mit drei, vier Toren wegfegen und richtig niedermachen", forderte der Bayern-Manager von seinem Team. Ein Sieg war für die Bayern Pflicht, denn Werder hatte bereits sechs Punkte mehr in der Tabelle auf dem Konto und wies zudem das bessere Torverhältnis auf.

Ivan Klasnic hält 2004 eine Meisterschale aus Papier in der Hand.
Durch einen 3:1-Sieg gewann Werder im Mai 2004 in München die Deutsche Meisterschaft. Ivan Klasnic erzielte damals das 1:0 für die Bremer. Bild: Imago | MIS

Doch statt eines Kantersieges setzte es für die Bayern eine große Schmach. Die Bremer holten ausgerechnet im Münchner Olympiastadion die Meisterschale. Nach einem Patzer von Oliver-Kahn brachte Ivan Klasnic die Bremer in der 19. Minute in Führung. Werders Regisseur Johan Micoud baute diese mit einem Lupfer über Bayern-Keeper Oliver Kahn aus (26.), ehe Ailton mit einem Schlenzer in den Winkel (35.) bereits vor der Halbzeit für die Entscheidung sorgte. Roy Makaay gelang in der 56. Minute durch seinen Treffer nur noch ein wenig Ergebniskosmetik für die Bayern, ehe die große grün-weiße Party steigen konnte.

2 2008/2009: Werder demütigt Klinsmanns Bayern

Werder-Spielern jubeln beim 5:2-Sieg in München im September 2008. Bayern-Torwart Michael Rensing schreit seinen Frust heraus.
Jubel bei Werder, Frust bei Bayern-Keeper Michael Rensing. In München landeten die Bremer im Setptember 2008 einen 5:2-Kantersieg. Bild: Imago | photoarena/Eisenhuth

Jürgen Klinsmann machte am Seitenrand ganz große Augen. Mit dem, was er da sah, hatte er nicht gerechnet. Nach dem "Sommermärchen" mit der Nationalmannschaft bei der WM 2006 sollte der einstige Bundestrainer jetzt die Bayern wieder zu einem europäischen Topteam fördern. Doch in der Bundesliga zeigte Werder dem Rekordmeister um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger bereits am 5. Spieltag die Grenzen auf. Mit 5:2 gewannen die Bremer damals gegen die Münchner, vor allem dank einer Gala von Mesut Özil. Das 1:0 von Markus Rosenberg (30.) und das 2:0 von Naldo (45.) bereitete er vor, für das 3:0 in der 54. Minute sorgte er dann gleich selbst. Claudio Pizarro (59.) und erneut Rosenberg (67.) bauten das Ergebnis auf 5:0 aus, ehe der damalige Bayern-Spieler und heutige Werder-Co-Trainer Tim Borowski zumindest noch auf 5:1 und 5:2 verkürzen konnte.

3 2006/2007: Kahns Rempler – und Diegos rasche Antwort

Oliver Kahn war am 8. Spieltag wieder voll in seinem Element. Schon nach zehn Minuten wollte der Bayern-Keeper im Nord-Süd-Gipfel zwischen Werder und den Bayern ein Zeichen setzen. Eine Flanke von Torsten Frings fing Kahn sicher ab, ehe er sich beim folgenden Abschlag einen völlig unnötigen Rempler gegen Werders Spielmacher Diego leistete. Beeindrucken ließ der Brasilianer sich davon allerdings nicht. Stattdessen bewies er Kahn exakt 48 Sekunden später, dass er zwar nicht viel Kraft in den Schultern, dafür aber umso mehr Kraft im rechten Fuß besitzt. Nach einem Pass von Frings ließ Diego zunächst Bayerns Verteidiger Lucio alt aussehen, ehe er Kahn den Ball um die Ohren knallte. Von der Unterkante der Latte sprang dieser schließlich ins Tor.

Die Butter ließen sich die Bremer auch danach nicht mehr vom Brot nehmen. Pierre Womé erhöhte nach 34 Minuten mit einem indirekten Freistoß auf 2:0. Makaay verkürzte für die Bayern, als er nach einer Kopfballvorlage seines Sturmpartners Pizarro per Seitfallzieher traf (36.). Am Ende könnte die damals von Felix Magath trainierte Bayern-Elf aber von der Weser nichts mit an die Isar nehmen. Werders Treffer zum 3:1, für den Lucio per Eigentor sorgte (62.), zog den Bayern den Stecker.

4 DFB-Pokal-Finale 1999: Schaaf holt nach fünf Wochen seinen ersten Titel

Vor dem Spiel hätte kaum einer einen Pfifferling auf Werder gesetzt. Im DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion trafen die Bremer auf die Bayern, die zwei Wochen zuvor noch im Champions-League-Finale gegen Manchester United standen und dieses in der Nachspielzeit äußerst unglücklich mit 1:2 verloren. Werder hingegen war zu diesem Zeitpunkt weit entfernt von der Champions League. Lange hingen die Bremer tief im Abstiegskampf fest. Unter ihrem neuen Trainer Thomas Schaaf, der den Job erst am 10. Mai vom zuvor zurückgetretenen Felix Magath übernommen hatte, gelang schließlich der Klassenerhalt – und wenig später der Coup im Pokal-Finale. Nach einer schönen Kombination über Christoph Dabrowski brachte Juri Maximov Werder nach vier Minuten bereits in Führung. Glück hatten die Bayern dann, als Mario Basler in der 34. Minute nach einer Tätlichkeit an Andreas Herzog nicht vom Platz flog. Kurz vor Halbzeit glich Carsten Jancker für die Bayern zum 1:1 aus.

Werder-Spieler jubeln 1999 mit dem DFB-Pokaö-
Im Finale des DFB-Pokals setzte sich Werder 1999 überraschend gegen die Bayern durch. Frank Rost hielt den entscheidenden Elfmeter von Lothar Matthäus. Bild: Imago | Kicker/Eissner, Liedel

In der zweiten Halbzeit fielen keine Tore mehr. Der an diesem Abend überragend spielende Dieter Eilts verpasste nach einem Missverständnis zwischen Kahn und Lothar Matthäus die Führung. Matthäus wiederum vergab gleich zwei große Chancen für die Bayern. In der Verlängerung flog Basler aufgrund einer Gelb-Roten-Karten doch noch vom Platz. Tore fielen allerdings keine mehr, die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen. Und in diesem trumpfte Werder-Keeper Frank Rost auf. Dabei lagen die Bayern nach Jens Todts Fehlschuss schon im Vorteil. Doch Effenberg verließen die Nerven. Der Mittelfeldspieler schoss drüber. Anschließend machte Werder-Keeper Frank Rost alles klar. Erst verwandelte er selbst sicher gegen Kahn, dann hielt er den Elfmeter von Matthäus. Und sorgte somit dafür, dass Schaaf als Werder-Coach bereits nach fünf Wochen seinen ersten Titel feiern durfte.

5 1987/1988: Werder gewinnt den Showdown

Ende März 1988 kam es zum Showdown. Werder führte damals die Tabelle an, die Bayern lagen als Zweiter knapp dahinter. Durch einen Sieg mit drei Toren Unterschied hätten die Münchner sich im Weser-Stadion am 26. Spieltag auf Platz eins schieben können. Mit den damals von Otto Rehhagel trainierten Bremern war dies allerdings nicht zu machen. Die Rehhagel-Elf um Ulli Borowka, Rune Bratseth und Mirko Votava blieb cool und gewann mit 3:1.

Werder-Spieler bejubeln ein Tor von Karl-Heinz-Riedle gegen die Bayern
Karl-Heinz-Riedle traf beim 3:1-Sieg am 26. Spieltag der Saison 1987/88 gleich zweimal gegen die Bayern. Bild: Imago | Kicker/Eissner

Auch die zwischenzeitliche Bayern-Führung nach 25 Minuten durch einen Elfmeter von Matthäus brachte sie dabei nicht aus dem Konzept. In einer rupigen Partie bot Werder den Münchern Paroli. "Wir haben halt dazugelernt, auch was das Austeilen angeht", sagte Frank Ordenewitz nach der Partie. Ordenewitz selbst glich – ebenfalls per Elfmeter – nur eine Minute nach dem Treffer der Bayern aus. Karl-Heinz Riedle sorgte anschließend mit zwei Treffern (40. und 85.) für den Bremer Sieg. Die Tabellenführung konnten sie damit ausbauen – und gaben diese bis zum Saisonende auch nicht mehr aus der Hand. Nach zuvor drei Vize-Meisterschaften unter Rehhagel holte das Team dieses Mal die Meisterschale an die Weser.

Warten auf die Bayern: Werder in der Woche der großen Herausforderung

Video vom 16. November 2020
Florian Kohfeldt beim Training umringt von seinen Spielern und erklärt.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. November 2020, 23:30 Uhr