Bremer Hockey-Club feiert Bundesliga-Aufstieg – mit Verspätung

Aufstieg mit Verspätung – Bremer Hockey-Club darf doch noch jubeln

Bild: Bremer Hockey-Club

Dem Team um Lena Frerichs fehlten nur drei Punkte, um den vorzeigen Aufstieg auf dem Feld perfekt zu machen. Der gelang erst abends – durch Mithilfe der Konkurrenz.

Es war alles bereitet am Sonntagnachmittag auf der Anlage des Bremer Hockey-Clubs. Sommerliche Temperaturen und 300 erwartungsfrohe Fans auf der Tribüne, die die Rückkehr ihrer Frauenmannschaft in die Bundesliga feiern wollten.

Dazu benötigte das Team von Trainer Florian Keller auf dem Feld nur noch einen Sieg gegen die Tabellensiebten des Crefelder HTC. Dann wären die Bremerinnen bei noch drei ausstehenden Spielen bereits vorzeitig aufgestiegen. Sie gewannen auch mit 6:5, allerdings nach Penaltyschießen, für das es nur zwei Punkte gibt. Einen Punkt also zu wenig.

So ist das im Sport manchmal. Wir werden schon aufsteigen, da mache ich mir gar keine Sorgen. Mir tun die Mädels nur leid, dass es ihnen genommen wurde, vor diesem coolen Publikum aufzusteigen.

BHC-Trainer Florian Keller bei buten un binnen nach dem Spiel

Braunschweigs Niederlage reichte dem BHC

Die Spielerinnen des Bremer Hockey-Club stehen mit Trainer Florian Keller im Kreis, strecken ihre Arme in die Mitte aus und legen die Hände übereinander.
BHC-Trainer Florian Keller schwört seine Mannschaft noch einmal ein. Bild: Imago | Axel Kaste

Denn die meisten Fans hatten schon den Heimweg angetreten, als der Aufstieg um 18 Uhr dann plötzlich doch noch perfekt war. Die Braunschweigerinnen, die dem BHC als Einzige rechnerisch noch etwas anhaben konnten, verloren überraschend mit 0:3 beim Tabellenletzten Hannover. So fand die Aufstiegsparty doch noch statt – mit zwei Stunden Verspätung.

"Vorbereitet war die Party nicht", sagte Trainer Keller, "das bringt ja auch Unglück. Wir gehen das ganz spontan an." Doch zumindest die Team-Shirts mit der Aufschrift "Bremen ist erstklassig" lagen schon parat. Und so feierten die Bremerinnen ihren Erfolg dennoch ausgelassen und völlig verdient.

Granatto mit der frühen Führung

Ganz nach Plan war die Mission Wiederaufstieg also nicht gelaufen, dabei hatte alles wie bestellt für den Bremer HC begonnen. Nach nur drei Minuten traf einmal mehr Mariquena Granatto zur 1:0-Führung – bereits gegen Düsseldorf hatte die Argentinierin tags zuvor schon drei Tore beigesteuert. Es läuft einfach bei ihr, mit nun 18 Treffern führt Granatto einsam die Torjägerinnen-Liste der 2. Liga an.

Doch dann kassierte BHC-Ass Lena Frerichs schon im 1. Viertel eine Strafe, über die sie sich mächtig ärgerte. Auch Trainer Keller wurde wegen Meckerns verwarnt. Es blieb nicht das letzte Mal, dass das Schiedsrichtergespann die Gemüter des Bremer HC erhitzte. Doch die Fehlentscheidungen hielten sich am Ende die Waage und daran hatte es nicht gelegen, dass die Bremerinnen trotz ihrer Überlegenheit in die Bredouille gerieten.

2:2-Ausgleich Sekunden vor Schluss

Hockey-Spielerin Lena Frerichs vom Bremer HC mit vollem Einsatz auf dem Feld.
Lena Frerichs war die dominante Spielerin auf dem Feld und steuerte einen Treffer für den BHC bei. Bild: Imago | Axel Kaste

Noch vor der Halbzeitpause steckte der BHC den Ausgleich ein, und obwohl Lena Frerichs in der 42. Minute das 2:1 erzielte, konnten die Bremerinnen ihre Überlegenheit nicht in weitere Tore umsetzen. So wurde es eine spannende Schlussphase, denn die abstiegsbedrohten Crefelderinnen kämpften um jeden Ball. Wenige Sekunden vor der Schlusssirene passierte tatsächlich noch der 2:2-Ausgleich. Enttäuschung auf der Tribüne wie auf dem Feld bei den Bremerinnen. Damit war klar, dass die Aufstiegsparty verschoben werden musste.

Das Penaltyschießen entschied das BHC-Team auch dank seiner starken Torfrau Angelina Blietz für sich. Doch echte Freude wollte nicht aufkommen, im Gegenteil. Lena Frerichs warf ihren Schläger erst einmal frustriert zur Seite und zog sich zurück, um sich abzukühlen. Sie war wieder die herausragende Spielerin auf dem Feld gewesen, aber dieser Spielverlauf und der verpasste Aufstieg nervten sie. Wenn man hoch hinaus will – und Lena Frerichs macht sich noch Hoffnung auf die Nominierung für die Olympischen Spiele in Paris – dann ist diese Reaktion auch richtig. Und umso besser, dass der Frust dann noch schnell in Partylaune umgeschlagen war.

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Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 12. Mai 2024, 19:30 Uhr