Housing First in Bremen: 15 Obdachlose leben jetzt in eigener Wohnung

Ein Obdachloser mit Schlafsack bedeckt. Neben ihm ein Einkaufswagen mit seinen Habseligkeiten
Über das Projekt "Housing First" haben in diesem Jahr 15 Menschen eine Wohnung in Bremen bezogen. Bild: Imago | Michael Gstettenbauer
  • Housing First läuft in Bremen laut Organisatoren überraschend gut
  • 15 Obdachlose wurden im vergangenen Jahr in eine Wohnung vermittelt
  • Initiative "Menschenrecht auf Wohnen" demonstriert heute in Bremen

Wohnungslosigkeit zu beseitigen, ist das Ziel des Bremer Aktionsbündnisses "Menschenrecht auf Wohnen". Zum zehnjährigen Bestehen will das Bündnis die bisherige Arbeit bilanzieren und mit einer Kundgebung auf die noch ungelösten Probleme hinweisen. Die Mitglieder kämpfen nach eigenen Angaben für bezahlbare, anmietbare Wohnungen und alternative Wohnkonzepte, wie zum Beispiel das Projekt "Housing First".

Seit Beginn diesen Jahres sucht "Housing First" in Bremen Wohnungen für Obdachlose. Laut den Verantwortlichen läuft das überraschend gut. Demnach haben 15 Menschen bereits eine Wohnung bezogen. Acht weitere sollen demnächst in eine Wohnung ziehen, nachdem Renovierungs- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Das teilte "Housing First" auf Anfrage von buten un binnen mit.

Seit zwei Tagen treffen sich Beschäftigte aus der sozialen Arbeit und der Wohnungspolitik, Vermieterinnen und Vermieter, Wohnunternehmen und Wohnungslose zu einer Tagung und sprechen über "Neue Wege aus der Obdachlosigkeit". Das Konzept "Housing First" sieht vor, dass Obdachlose zuerst eine Wohnung bekommen müssen, bevor sie die vielfältigen anderen Probleme wie Süchte und Abhängigkeiten angehen können.

Hohe Anfrage bringt Projekt vielleicht an Grenzen

Den weiteren Angaben von "Housing First" zufolge läuft die Wohnraumakquise in Bremen gut. Auch die Rückmeldungen von Wohnungslosen seien überwiegend positiv. Allerdings betonen die Projektverantwortlichen, dass sie "keine Dankbarkeit erwarten, da Wohnen ein Menschenrecht ist. Die Menschen sollen eine Wohnung haben und dort gut ankommen, das ist das Wichtigste."

Nachdem Obdachlose im Rahmen des Projekts eine Wohnung erhalten haben, werden sie eng von Sozialarbeitern begleitet. Die Zusammenarbeit klappe gut, heißt es weiter. In einigen Fällen habe es Probleme mit der Nachbarschaft gegeben, zum Beispiel wegen Ruhestörung.

Die Projektverantwortlichen rechnen weiterhin mit einer hohen Anfrage. Es könnte sogar zu einem Aufnahmestopp kommen, noch sei das aber nicht der Fall. "Housing First" ist aktuell ein Modellprojekt, die Beschäftigten hoffen darauf, dass es verstetigt wird und "einen festen Platz in der sozialen Hilfelandschaft" einnehmen kann.

Die Kundgebung des Bündnisses "Menschrecht auf Wohnen" soll am Bahnhofsvorplatz um 16 Uhr beginnen.

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Bild: Polizei Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. September 2022, 19:30 Uhr