Bremer Epidemiologe warnt: "Die Maßnahmen reichen vermutlich nicht"

Hajo Zeeb erwartet nicht, dass die Corona-Zahlen durch die Lockdown-Verlängerung stark zurückgehen. Das wäre nur mit weiteren Kontaktbeschränkungen machbar.

Video vom 26. November 2020
Der Epidemiologe Hajo Zeeb im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb glaubt nicht, dass die von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sowie der Kanzlerin beschlossenen Maßnahmen reichen, um die aktuelle Corona-Welle zu brechen. Dazu werde es wohl nicht kommen, weil sich nicht allzu viel ändere, erklärte er im buten-un-binnen-Studio. Um einen spürbaren Effekt zu erzielen, müssten weitere Kontaktbeschränkungen durchgesetzt werden. Gerade an Orten, wo noch immer viele Menschen zusammenkommen – dazu zählt Zeeb die Schulen, die Arbeitsstätten und vor allem der Weg dorthin: "Wir hören oft von sehr vollen Zügen und Bussen."

Der Epidemiologe meint, dass man an weiteren Stellschrauben drehen müsse, denn die aktuellen Maßnahmen würden nicht reichen.

Es kann tatsächlich dazu führen, dass wir wieder zu härteren Lockdowns wie in anderen Ländern kommen müssen. Die Sterbezahlen steigen an in den Krankenhäusern, sodass wir jetzt langsam in Schwierigkeiten kommen in den Krankenhäusern. Das sind Zeichen, dass es noch sehr knapp ist, mit dem was wir tun.

Hajo Zeeb, Epidemiologe

Bei der Video-Konferenz am Mittwoch einigten sich die Länderchefs- und chefinnen mit der Kanzlerin darauf, dass zwischen dem 23. Dezember und dem 1. Januar Treffen im engeren Familien- und Freundeskreis mit bis zu zehn Personen vorübergehend erlaubt werden. Zeeb hält es für möglich, dass es in Folge dieser Lockerungen über die Weihnachtstage zu einer Steigerung der Corona-Zahlen kommen könnte. Allerdings könnte es seiner Ansicht nach auch zu einer Balance kommen und der Anstieg nicht zu groß ausfallen.

Auf der einen Seite werden wir diese Kontakte haben, auf der anderen Seite Ferien, keine Schule, keine betriebliche Möglichkeit sich zu treffen und auch der Nahverkehr wird anders gestaltet sein. Insofern kann es sein, dass es auf ein Nullsummenspiel hinausläuft.

Hajo Zeeb, Epidemiologe

Wie sich die Corona-Zahlen nach Weihnachten tatsächlich entwickeln, hinge maßgeblich vom Verhalten der Menschen während der Feiertage ab. "Es kommt auf die Familien an, das so zu gestalten, dass es keine größeren Risiken mit sich bringt", so Zeeb.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. November 2020, 19:30 Uhr