Fragen & Antworten

Corona-Impfungen: Was sie nützen, wen sie schützen – und wie lang

Auch die Bremer und Bremerhavener fragen sich, ob und wie lange eine Impfung oder eine überstandene Krankheit sie und andere schützt. So antworten Forscher.

Eine Person wird im Oberarm geimpft. Im Hintergrund eine weitere Person mit Schutzmaske.
Impfungen nützen Studien zufolge nicht nur den Geimpften selbst, sondern auch den Mitmenschen. Bild: Reuters | Fabrizio Bensc

Mehr als ein Viertel aller Bremerinnen und Bremer haben bereits die erste Corona-Impfung erhalten. Und die Zahl jener, die mindestens einmal geimpft sind, steigt rasant. Gleichzeitig bleibt die Zahl neuer Corona-Fälle in Bremen und Bremerhaven hoch. Für Genesene und Geimpfte stellt sich dabei auch die Frage, wie eine Impfung oder eine überwundene Corona-Erkrankung sich auf ihr Immunsystem auswirkt – und wie lange der Schutz anhält. Die wichtigsten Fragen beantworten wir hier.

Bin ich nach der Impfung vor Corona geschützt?
Bei den bislang in Bremen verabreichten Corona-Impfungen – also AstraZeneca, Biontech/Pfizer und Moderna – sind jeweils zwei Dosen nötig, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen. Allerdings sinkt das Risiko, an Corona zu erkranken, schon bei er ersten Impfung deutlich; bei den Impfstoffen von AstraZeneca und Biontech/Pfizer beispielsweise um 65 Prozent, wie eine Studie der Uni Oxford mit rund 370.000 Teilnehmern ergab.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle US-Erhebung des Centers for Disease Control, in der rund 4.000 Menschen aus Gesundheitsberufen drei Monate untersucht worden waren. Bei ihnen sank die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu erkranken, zwei Wochen nach der Erstimpfung sowohl für Moderna wie auch Biontech/Pfizer um rund 80 Prozent.

"Solche Studien sind erst mal gute Nachrichten", sagt Hajo Zeeb vom Bremer Leipniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). Dennoch betont er, dass ein Impfschutz erst sieben bis zehn Tage nach der Erstimpfung aufgebaut sei.

Rechtlich gelten nach der ersten Impfung ja auch weiterhin die Beschränkungen – was sinnvoll ist, weil der volle Schutz ja erst rund vierzehn Tage nach der zweiten Impfung erreicht wird.

Hajo Zeeb, Epidemiologie am Leipniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS)
Nach der zweiten Impfung ergaben klinische und spätere Studien für Moderna und Biontech/Pfizer eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent, für den AstraZeneca-Impfstoff AZD1222 rund 80 Prozent.

Das bedeutet zwar: Es bleibt ein Restrisiko, trotz Covid-19-Impfung an Corona zu erkranken. In der Regel verläuft die Erkrankung bei geimpften Menschen allerdings mit milderen oder sogar ohne Krankheitsanzeichen.
Kann ich nach der Impfung andere anstecken?
Bislang gibt es nur wenige belastbare Studien darüber, ob Geimpfte ihre Mitmenschen anstecken können oder nicht. So kommt beispielsweise die bereits oben zitierte Studie der Uni Oxford zu dem Schluss, dass Geimpfte eine Infektion weitergeben können, wenn auch in beschränktem Maße. Weshalb die Autoren auch nach einer Impfung die Einhaltung der Corona-Regeln empfehlen.

Vorläufige Daten einer weiteren britischen Studie legen zudem nahe, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer bereits vor Ansteckungen schützt, das Virus also schon deshalb nicht weitergegeben werden kann. Daten von rund 40.000 Mitarbeitern aus dem britischen Gesundheitssystem waren dazu verglichen worden. Der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England zufolge sinke demnach das Ansteckungsrisiko im Vergleich zu Ungeimpften nach der ersten der zwei vorgesehenen Dosen um rund 70 Prozent, nach der zweiten um rund 85 Prozent.

Zuvor war bereits in Israel eine bislang unveröffentlichte Beobachtungsstudie für den Impfstoff von Biontech/Pfizer durch die Hersteller und das israelische Gesundheitsministerium zu dem Ergebnis gekommen, dass der Impfstoff zu fast 90 Prozent die Übertragung des Virus auf andere Menschen verhindere.

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb weist allerdings darauf hin, dass dies in allen Fällen nur erste Studienergebnisse seien.

Das sind ganz gute Hinweise, eine ausführliche wissenschaftliche Diskussion dieser Daten steht aber noch aus.

Hajo Zeeb, Epidemiologe
Schützt mich eine überstandene Corona-Erkrankung vor einer erneuten Ansteckung?
Eine im März veröffentlichte Studie des Statens-Serum-Instituts in Kopenhagen, die Daten von vier Millionen Dänen analysiert, ergibt folgende Zahlen: Über 65-Jährige, die bereits eine Covid-19-Infektion hinter sich haben, erkranken 47 Prozent seltener ein zweites Mal an Corona als Gleichaltrige. Das Risiko Jüngerer, sich ein zweites Mal mit dem Corona-Virus zu infizieren, sinkt den Forschern zufolge sogar um 80 Prozent.

US-Forscher, die zuvor rund 3,2 Millionen Daten des National Institutes of Health ausgewertet hatten, kamen zu einem ähnlichen Schluss. Demnach erkrankten Menschen, bei denen drei Monate zuvor Covid-19-Antikörper nachgewiesen worden waren, vergleichsweise selten an Corona. Im Vergleich zu Menschen ohne Antikörper lag die Quote bei 1 zu 10. Wie lange der Antikörperschutz anhält, sei allerdings unbekannt, so die Forscher. Sie gehen davon aus, dass der Schutzeffekt mit der Zeit abnehme.

Aus der Studienlage lässt sich grob schließen, dass eine überstandene Ansteckung dem Schutz einer ersten Impfung entspricht.

Hajo Zeeb, Epidemiologe
Wie lange bin ich nach Impfung oder überstandener Ansteckung geschützt?
Dies Ständigen Impfkommission (Stiko) empfiehlt schon jetzt, dass sich auch Genesene impfen lassen. Sie rät zu einer Impfung ein halbes Jahr nach einer überwundenen Corona-Erkrankung.

Dafür spricht auch eine laufende Erhebung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Denn die DZNE-Forscher haben an rund 5.300 Teilnehmern im Raum Bonn festgestellt, dass zuvor Erkrankte, die Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet hatten, vier bis fünf Monate später weniger oder in manchen Fällen auch gar keine entsprechenden Antikörper mehr besitzen.

Nicht nur bei Genesenen, sondern auch bei bereits Geimpften, rechnet der Berliner Virologe Christian Drosten mit einer Abnahme von Antikörpern auf den Schleimhäuten. Zwar sei laut Studienlage noch nicht bekannt, wie lange genau der Schleimhaut-Schutz nach eine Corona-Impfung anhalte. In Grenzen könnten allerdings auch Geimpfte eine gewisse Zeit nach der Impfung wieder zur Weitergabe des Virus beitragen, so Drosten. Er geht daher davon aus, dass in Deutschland "mehr als nur eine umgrenzte Risikogruppe" zum Winter hin eine einmalige Auffrischung bekommen muss, so wie es auch bei der Grippeschutzimpfung gängig sei.

Bovenschulte will vorerst weiter an Impf-Priorisierung festhalten

Video vom 26. April 2021
Bremens Bürgermeister Bovenschulte
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. April 2021, 19:30 Uhr