Warum Daten in Bremen-Walle besonders sicher sind

Ein Bild des Waller Hochbunkers aus dem Jahr 1944: Darauf überragt er die Gebäude im Stadtteil um ein Vielfaches. Wie eine Trutzburg steht er inmitten von Schutt, Ruinen und abgebrannten Bäumen. Damals bot er den Bewohnern Walles Schutz vor den Bomben der Alliierten. Im Kalten Krieg dann wurde der Bunker zum Atombunker aufgerüstet. Heute soll der Waller Bunker Daten schützen.

Datenbunker in Walle
Auf fünf Etagen finden sich jeweils gespiegelte Rechenzentren, die je zwei Sicherheitszonen haben. Bild: Colocation IX

Der neue Datenbunker geht mit vielen Superlativen an den Start: das größte Rechenzentrum Bremens, der höchste Sicherheitsstandard in Europa, eins der klimafreundlichsten Konzepte überhaupt. Von außen ist der Bunker trotzdem weitgehend der alte geblieben: gelb gestrichen, acht Stockwerke hoch. Auf dem Dach lassen sich drei gelbe lastwagenförmige Strukturen erkennen – die Notstrom-Aggregate, die das Innere des Bunkers autark versorgen könnten, sollte der Strom einmal ausfallen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude überraschte uns, dass ausgerechnet Bremen der wohl sicherste Standort für ein Hochsicherheit-Rechenzentrum in Deutschland ist.

Andres Dickehut, geschäftsführender Gesellschafter
Ein Serverraum im Datenbunker in Walle
So sieht es im Innern des Hochsicherheit-Rechenzentrums aus. Bild: Colocation IX

Überhaupt ist der Bunker gegen alle möglichen Eventualitäten gerüstet. Aus zwei Meter dickem Stahlbeton sind seine Mauern. Rein geht's durch dicke Stahltüren, die heute ausnahmsweise offen stehen. Normalerweise müssen Mitarbeiter sich auf drei verschiedene Arten identifizieren – unter anderem mit Code, Transponder und einem Scan der Iris.

All das soll Kriminelle fernhalten, die versuchen könnten, vor Ort Daten zu stehlen. Auch Naturkatastrophen, Flugzeugabstürzen und anderen äußeren Einflüssen soll der Bunker standhalten. Für den Standort wichtig war den Betreibern außerdem, dass es in Bremen selten blitzt und noch seltener die Erde bebt. Diese Merkmale machen die Hansestadt in den Augen der Betreiber zu einem idealen Standort.

Virtueller Schutz genauso wichtig wie dicke Wände

Zerstörte Häuser und der Luftschutzbunker in Bremen-Walle
Eine Luftaufnahme der Royal Air Force nach dem Fliegerangriff auf Bremen im August 1944. Der Bunker hat die Bomben gut überstanden. Bild: Imperial War Museum London | Royal Air Force

Drinnen im Bunker ist alles neu. Die acht Stockwerke beherbergen jetzt fünf Rechenzentren, die jeweils noch einmal gespiegelt werden, um sie noch sicherer zu machen. Schnelle Glasfaser-Verbindungen führen zu den großen Internet-Knotenpunkten in Frankfurt, Amsterdam, London und sogar bis nach China.

Auf dem Dach des Datenbunkers stehen Notstrom-Aggregate
Von außen hat sich nicht viel verändert am Hochbunker.

Aus Sicherheitsgründen darf die Presse nicht in die Serverräume. Aber die Firma Colocation IX, die den Datenbunker betreibt, verspricht auch hier höchste Sicherheitsstandards. Laut der Betreiber entspricht das Rechenzentrum mit seinen Firewalls, der Kontrolle durch IT-Experten und anderen virtuellen Gefahrenabwehrern den höchsten Standards der EU und den USA, was Datensicherheit angeht.

Diese Sicherheit soll Unternehmen überzeugen, hier ihre Daten einzulagern. Die Firmen können Serverkapazitäten mieten – oder ihre eigenen Server mitbringen und sich einen Schrank samt Strom, Kühlung und Breitband-Internet mieten. Sicher lagern hier dann Kontaktdaten von Kunden, Verträge oder auch Betriebsgeheimnisse wie Bauanleitungen. Die ersten Kunden sind schon eingezogen.

  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. November 2017, 19:30 Uhr