Infografik

So führen Sie ein Kontakt-Tagebuch

Wissen Sie noch, mit wem Sie sich letzten Mittwoch getroffen haben? Kontakt-Tagebücher sollen helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Bremer Experten erklären, was man notieren sollte.

Ein Mann schreibt etwas in ein Notizbuch.
Um Infektionsketten nachzuvollziehen kann es hilfreich sein, ein Kontakt-Tagebuch zu führen. (Symbolbild) Bild: Imago | Westend61

In Bremen ist die Zahl der Corona-Fälle in der vergangenen Woche sprunghaft gestiegen, Containment-Scouts, die Infektionsketten nachverfolgen müssen, sind überlastet. Im Kampf gegen die erneute Ausbreitung des Virus empfehlen Wissenschaftler das Führen eines sogenannten Kontakt-Tagebuchs. Die Bremer Gesundheitsbehörde hält das ebenfalls für sinnvoll.

Selbstverständlich ist es hilfreich, wenn eine Art Kontakt-Tagebuch geführt wird. Im Falle einer Infektion macht es die Nachverfolgung der Kontakte deutlich einfacher.

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin

Nach Angaben des Gesundheitsressorts sei es häufiger vorgekommen, dass Kontakte vergessen würden und auch nach mehreren Telefonaten die Informationen nicht herauskämen. "Das nimmt natürlich viel Zeit in Anspruch und führt im Zweifel auch dazu, dass manche Kontakte nicht erfasst werden", erläutert der Sprecher, Lukas Fuhrmann.

Vor allem Menschenansammlungen und Gruppentreffen wichtig

Im NDR-Podcast rät der Virologe Christian Drosten dazu, abends auf dem Smartphone oder auf einem Papierzettel zu notieren, wenn man irgendwo gewesen ist, wo sich viele Menschen in geschlossenem oder engem Raum aufgehalten haben. Denn oft könnten sich Patienten nicht erinnern, in welchen Gefährdungssituationen sie sich in den vergangenen zehn Tagen befunden haben. Das Tagebuch soll dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

Was das Infektionsgeschehen wirklich treibt, ist das Quell-Cluster, aus dem der [Infizierte] seine Infektion hat. Denn es ist weiterhin so, dass diese Infektion sich in Clustern verbreitet.

Professor Christian Drosten
Christian Drosten, Virologe

Vor allem Aufenthalte und Treffen mit mehreren Personen im selben Raum müssten also notiert werden, wie der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb bestätigt. "Es geht um Kontakte, der Fokus liegt auf kritischen Situationen und diese sind im Wesentlichen Cluster, Treffen von Gruppen."

Ein Kontakt-Tagebuch soll ja eine Erinnerungsstütze sein, für den Fall, dass eine Person infiziert ist, und sich an die vergangenen 10-14 Tage erinnern muss – insbesondere an "kritische Situationen", in denen man mit mehreren Menschen zusammen war.

Epidemiologe Hajo Zeeb zu Gast im Studio von buten un binnen.
Hajo Zeeb, Epidemiologe

Am besten noch sollten jedoch alle Kontakte aufgeschrieben werden, die außerhalb der Familie und des üblichen beruflichen Umfelds passieren. Auch etwa beim Sport oder im Fitnessstudio. Schülerinnen und Schüler sollten insbesondere außerschulische Kontakte und Treffen notieren, so Zeeb.

Mehrere Wege: digital oder auf Papier

Wenn man nicht weiß, mit wen man auf engem Raum war, kann es hilfreich sein, zumindest den Ort und die Situation mit dem Datum kurz aufzuschreiben. Für das Gesundheitsressort sind Angaben über die Personen, die Dauer des Treffens und den Ort wichtig. Zeeb empfiehlt das Eintragen abends in das eigene Smartphone. Nach 14 Tagen können die Notizen dann gelöscht werden.

Tägliche Neuinfektionen im Land Bremen

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Online finden sich mehrere Muster, auf denen man ebenfalls angeben kann, wie lange das Treffen gedauert hat und ob eine Maske getragen wurde. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gehören Menschen, die mindestens 15 Minuten Gesichtskontakt – wie bei einem Gespräch – mit einem Infizierten hatten, zur Risikogruppe der ersten Kategorie. Dasselbe gilt für Menschen, die mit der Person in Innenräumen gesungen, gefeiert, Sport getrieben oder sich gemeinsam in einem beengten Raum aufgehalten haben.

Zeeb: Momentan schwierig, konkrete Situationen herauszustellen

Ob es sonst konkrete Aktivitäten gibt, die trotz Abstand gefährlicher sind als andere, kann man laut Experten nicht wirklich sagen. "Man kann im Moment nicht wirklich einzelne Umstände oder Situationen herausstellen", so Zeeb. Es gebe zwar immer wieder vereinzelte Cluster in der Gastronomie, die seien aber in der Regel auf Verstöße gegen die Hygiene-Vorschriften zurückzuführen.

Momentan bereiten der Gesundheitsbehörde vor allem Privatfeiern Sorgen. Die Altersgruppe, der die meisten Erkrankten derzeit angehören, ist nach Angaben des Gesundheitsamtes die der 20- bis 39-Jährigen.

Corona-Infektionen in Bremen nach Altersgruppen*

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*Die Zahlen beziehen sich auf die Kalenderwochen 40 und 41.

Datenschutzrechtlerin: Tagebücher grundsätzlich unbedenklich

Wie sieht es aber mit dem Datenschutz aus? Tagebücher sind unproblematisch, solange sie nicht an Dritte weitergegeben werden, erläutert die Bremer Landesbeauftragte für Datenschutz, Imke Sommer. "Sie sind lediglich eine Gedächtnisstütze." Die Art der Informationen, die dort festgehalten werden, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass sie nicht in die Hände weiterer Personen gelangen. Mit einer Ausnahme: Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes dürfen Namen, Adresse, Telefonnummer oder Mailadresse der Menschen erfahren, mit denen Infizierte Kontakt hatten. "Das müssen sie sogar, das ist datenschutzrechtlich in Ordnung und wichtig", so Sommer.

Dass die Containment-Scouts solche Informationen bekommen, ist im Interesse der Betroffenen. Es dient dazu, sie zu schützen.

Landesdatenschutzbeauftragte Imke Sommer
Imke Sommer, Datenschutzbeauftragte des Landes

Nur der Grund des Treffens muss nicht erläutert werden. "Die Scouts werden sowieso von uns geschult, sie kennen sich mit dem Datenschutz aus. Sie sagen der angerufenen Person auch nicht, wer von ihren Bekannten infiziert ist", führt Sommer fort. Anhand von Kriterien wie Distanz, Dauer des Treffens, Tragen eines Mundschutzes entscheiden dann die Mitarbeiter, zu welcher Kategorie die Kontaktpersonen gehören und ob eine Quarantäne oder ein Corona-Test notwendig sind.

Was halten die Bremer von einem Corona-Kontakt-Tagebuch?

Video vom 18. Oktober 2020
Eine Person tippt auf ihrem Smartphone.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Oktober 2020, 19:30 Uhr