Interview

Experte: "Die größte Strahlungsquelle in Bremen kommt aus der Medizin"

Die Deutschen schätzen die Gefahren von Strahlungsquellen falsch ein, hat eine neue Umfrage ergeben. Und wie sieht es mit den Strahlenrisiken in Bremen aus?

Warnschild mit der Aufschrift: "Kontrollbereich Vorsicht Strahlung".
Handys, Atomkraft, Röntgen oder Radon: Was ist in Bremen am gefährlichsten?

Worüber machen sich die Deutschen am meisten Sorgen, wenn es um Strahlungen und deren Quellen geht? Das Bundesamt für Strahlenschutz wollte es genau wissen und hat eine bundesweite Umfrage gestartet. Das Ergebnis: Die meisten ignorieren die wichtigsten Strahlenquellen und schätzen die Gefahren falsch ein. So sind drei von vier Befragten über die Kernkraft besorgt, doch nur ein knappes Viertel stuft aber das radioaktive Gas Radon als gefährlich ein.

Dabei ist genau Radon, das im Boden natürlich vorkommt, im Durchschnitt die größte Strahlungsquelle in Deutschland. Sowie auch die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Doch wie sieht es in Bremen aus? Worüber sollte man sich in der Hansestadt am meisten Gedanken machen? buten un binnen hat einen Forscher der Universität Bremen dazu befragt.

Herr Zeeb, sollten sich die Bremer über das Gas Radon Sorgen machen?
Wir haben hier – aufgrund der Geologie des Bodens – eher niedrigere Radon-Werte im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands. Radon kommt vor allem dort vor, wo sich der Boden aus Granit und anderen Gesteinen zusammensetzt. Da wir hier mehr Marschlandschaft haben, ist tendenziell davon auszugehen, dass der Radon-Wert eher niedriger ist als der deutsche Durchschnitt.
Welche Strahlenquellen sind also für die Menschen hier im Alltag am relevantesten?
Ganz oben stehen die medizinischen. Insgesamt hat die Strahlenbelastung, die wir etwa beim Röntgen oder bei Tomografien erhalten, einen höheren Anteil. Das Gute daran ist, dass sie nicht grundlos gemacht werden. Das ist in der Regel eine begründete Strahlenbelastung.
Und wie gefährlich ist die radioaktive Strahlung für Bremen?
Wir haben ein stillgelegtes Atomkraftwerk hier bei uns in der Nähe, sowie einige um uns herum. Die Strahlung, die von diesen ausgeht, ist sehr niedrig. Oft kaum messbar. Man kann also davon ausgehen, dass die Belastung ziemlich gering ist. Natürlich muss man immer vorsichtig sein, aber die Werte sind momentan sehr klein.
Viele Deutsche sind offenbar von Handys verunsichert. Wie gefährlich sind Handy-Strahlen?
Das ist eine ganz andere Strahlung. Sie benutzt andere Mechanismen als die ionisierende Strahlung – wie es beim Röntgen der Fall ist. In der Vergangenheit ist darüber viel geforscht worden. Es gab aber wenig fest nachweisbare Wirkungen. Aber es ist ganz klar, dass diese Techniken – und auch diese Strahlung – unseren Alltag bestimmen. Gerade die Radiofrequenz-Strahlung von Handys und Sendemasten. Dafür gibt es Grenzwerte, die in der Regel unterschritten werden. Es gibt aber auch einzelne Situationen, zum Beispiel wenn man mit älteren Geräten viel telefoniert, in denen diese Werte überschritten werden können. Das heißt nicht unbedingt, dass etwas Katastrophales passiert. Aber man möchte das jedenfalls verhindern. Krebsrisiken sind aber dabei sehr umstritten, starke Hinweise hierfür gibt es nicht.
Wie sieht es mit der neuen Technologie 5G aus, die gerade kontrovers diskutiert wird?
Erstmal haben wir noch kein 5G. Es kommt aber demnächst. Gerade laufen die Abschätzungen dazu, welche Bedeutung das haben wird. Die Technik verläuft anders als beim 4G. Die Forschung darüber läuft, man weiß noch nicht sehr viel. Alle gehen aber davon aus, dass die in Deutschland herrschenden Richtwerte auch in Zukunft unterschritten werden. Es gibt keinen technischen Grund, weswegen die Strahlenbelastung anders sein soll, als es bisher aussieht. Aber da bin ich kein Fachmann.
Gibt es in Bremen sonst weitere Strahlungsquellen?
Man könnte an die kosmische Strahlung denken, die wir alle abbekommen. Die ist höher, wenn man fliegt. Sie spielt aber insgesamt bei den Quellen eher eine untergeordnete Rolle.

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Autorin

  • Serena Bilanceri