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Das sollten Bremer über die indische Virusmutante wissen

Elf Bremerinnen und Bremer haben sich bislang mit der indischen Virusmutante B.1.617 angesteckt. Was es mit dieser neuen Variante auf sich hat, beantworten wir hier.

Video vom 19. Mai 2021
Eine Person die Proben in einem Labor testet.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Covid-19 verbreitet sich in Indien rasant. Experten führen dies auch auf die schnelle Verbreitung einer indischen Variante des Virus mit dem Kürzel B.1.617 zurück. Außerhalb Indiens verbreitet sie sich mittlerweile ebenfalls. Elf Fälle wurden Anfang der Woche auch in Bremen vermeldet.

Wie ansteckend ist die indische Variante des Coronavirus?
Die indischen Virusmutanten B.1.617.1 und B.1.617.2 tauchen seit Dezember 2020 in Indien auf. Inzwischen werden sie unter dem Kürzel B.1.617 zusammengefasst. Aufgrund ihrer schnellen und weltweiten Verbreitung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die indische Variante am 10. Mai als besorgniserregend eingestuft. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hat sich dieser Einschätzung angeschlossen.

Bislang hätten die Mutanten zwar "nur einen sehr geringen Anteil, aber dieser steigt in den letzten Wochen kontinuierlich", schreibt das RKI – und verweist dabei auf die Entwicklung in Großbritannien. Dort habe sich die Verbreitung des Virus zuletzt wöchentlich grob verdoppelt. Dies habe das britische Sanger-Institut aufgrund von Erbgutanalysen festgestellt. Es gebe Hinweise darauf, dass die indische Variante bis zu 50 Prozent ansteckender sei als bisherige Varianten, teilte auch die britische Regierung mit.
In einem notdüftig ausgestattetem Krankenhaus in Indien werden Corona-Patienten mit Sauerstoff versorgt.
Corona-Station eines indischen Krankenhauses. Die Verbreitung der indischen Variante des Coronavirus wurde durch ein mangelhaftes Gesundheitssystem begünstigt. Bild: Radio Bremen
Wie gefährlich ist die indische Mutante?
Ob die indische Mutation auch gefährlicher ist als die mittlerweile in Deutschland dominierende britische Variante, lässt sich derzeit nur schwer einschätzen. Insgesamt wurden in Großbritannien bislang landesweit 2.323 Fälle bestätigt, teilte die britische Regierung am Montag mit. Vor allem in Bolton und Blackburn habe es Ausbrüche gegeben. Dort wurden insgesamt 27 Menschen wegen der Variante in Kliniken behandelt.

"Die Sterblichkeit mit den vorherigen Wellen zu vergleichen, ist nicht ganz so leicht", sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Es gebe allerdings bislang deutliche Hinweise darauf, dass mit der indischen Variante keine erhöhte Sterblichkeit oder schwerere Verläufe verbunden sei. Für eine sichere Beurteilung sei es dennoch zu früh, weil die indischen Daten nicht sehr verlässlich, die britischen Daten noch nicht sehr umfangreich und in Deutschland praktisch keine Daten vorhanden seien.

Indische Virusmutante: "Zwischen 30 und 50 Prozent ansteckender"

Video vom 19. Mai 2021
Hajo Zeeb im Interview.
Bild: Radio Bremen
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Sind die Mutationen noch durch das Gesundheitsamt verfolgbar?
Der Dokumentation der Ausbreitung der indischen Virusvariante in Bremen sind gewisse Grenzen gesetzt. Denn das Gesundheitsamt erhält zunächst immer nur generelle Positivbefunde. Ob es sich dann konkret um eine Virusvariante handelt, kann erst Tage später festgestellt werden. Deshalb unterscheidet die Gesundheitsbehörde Infizierte auch nicht nach Virusvarianten.

Wir verfolgen alle Positivfälle immer nach. Und das klappt auch.

Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts
Bei einigen der bislang elf registrierten Fälle, in denen die indische Variante B.1.617 entdeckt worden sei, habe die Feststellung im Labor allerdings so lange gedauert, dass die Betroffenen bereits wieder ihre Quarantäne verlassen hatten.

Der Grund: Für eine schnelle Feststellung, ob sich Menschen mit einer der verbreiteten Virusmutanten infiziert haben, nutzen Bremer Labore die so genannte Sondierung. Dabei werden Proben auf die bereits bekannte britische, brasilianische und südafrikanische Mutation hin mitgetestet. Die indische Variante ist bislang jedoch nicht unter den getesteten Varianten. "Die Sondierungstestung müsste jetzt für die indische Variante angepasst werden", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann.

So bleibt derzeit nur die so genannte Vollgenomsequenzierung, um die indische Mutation aufzuspüren. Sie ist allerdings aufwendiger und langwieriger.

Rückblick: Wissenschaftler sind sich uneinig – Wie umgehen mit den Mutanten?

Video vom 5. März 2021
Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Bild: Radio Bremen
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Wirken die bisherigen Impfstoffe auch gegen die Mutation?
Ob die indische Mutante möglicherweise "impfflüchtig" ist, also den Schutz bestehender Impfungen umgehen kann, wird derzeit weltweit untersucht. So kommen Forscher aus Göttingen in einer noch vorläufigen Studie zu dem Schluss, dass die indische Variante den nach einer mRNA-Impfung gebildeten Antikörpern zumindest teilweise entkommen kann. Das würde die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer betreffen.

Eine Labor-Studie an der New York University kam dagegen zu dem Schluss, dass die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna gegen die indischen Virusvariante hochwirksam sind. "Wir haben festgestellt, dass die Antikörper des Impfstoffs zwar ein wenig schwächer gegen die Varianten wirken, aber nicht so sehr, dass es unserer Auffassung nach große Auswirkungen auf die Schutzfähigkeit der Impfstoffe hätte", sagte Nathaniel Landau, einer der Verfasser der Studie.

Inwieweit die Impfstoffe wirkten, sei angesichts der dünnen Datenlage allerdings noch schwer abzuschätzen, sagt der Epidemiologe Hajo Zeeb.

Wenn man zusammenfügt, was im Moment an groben Informationen da ist, dann deutet das zumindest auf einen leichten Impfschutz hin.

Hajo Zeeb, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS
Auch Bremens Gesundheitsbehörde ist bislang nicht besorgt. "Die Impfstoffe, die wir haben, scheinen gegen die indischen Varianten ebenso wie gegen die britische zu wirken", sagt Lukas Fuhrmann. Unklarer sei die Situationen eher bei der brasilianischen und vor allem südafrikanischen Mutation. So hatte beispielsweise im März eine Studie einer südafrikanischen Forschungsgruppe an rund 2.000 Probanden ergeben, dass der AstraZeneca-Impfstoff wohl nur zu gut 20 Prozent gegen die südafrikanische Mutation schützt. Zum Vergleich: Für die anderen Varianten liegt der Schutz desselben Impfstoffs bei rund 80 Prozent.

Für Bremen hat das jedoch praktisch keine Bedeutung, sagt Fuhrmann. "Das liegt daran, dass sich die südafrikanische und die brasilianische Variante hier kaum verbreiten." So habe es in der Stadt Bremen bislang lediglich 23 gemeldete Fälle der südafrikanischen Variante gegeben. Und für die brasilianische Mutation sei sogar nur ein einziger Fall bekannt.

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Mai 2021, 19:30 Uhr