5 Gründe, warum Menschen trotz Impfung an Corona erkranken können

Corona-krank trotz Covid-Impfung? Das ist durchaus möglich. Wir erklären, warum solche Fälle auch in Bremen auftreten – und wann Ärzte von "Impfversagern“ sprechen.

Eine Person wird im Oberarm geimpft. Im Hintergrund eine weitere Person mit Schutzmaske.
Die Impfung schützt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einer Corona-Erkrankung – wenn die Geimpften sich richtig verhalten. Bild: Reuters | Fabrizio Bensc

Die Erleichterung war groß, als der erste Covid-19-Impfstoff kurz vor Weihnachten auch in Deutschland zugelassen wurde. Seitdem werden auch in Bremen täglich hunderte Menschen geimpft. Zwar schützt der kleine Nadelpieks viele davor, an Corona zu erkranken. Ausgeschlossen ist eine Erkrankung trotz Impfung allerdings nicht. "Tatsächlich gibt es auch in Bremen 21 Fälle, bei denen nach einer Impfung eine Infektion aufgetreten ist", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann. Aktuell hätten jedoch alle der Geimpften, die im Nachhinein positiv getestet wurden, keine oder nur sehr leichte Symptome.

Dass eine Impfung nicht automatisch hundertprozentigen Schutz vor einer Corona-Erkrankung bietet, wird an den Bremer Fällen deutlich. Diese fünf Risiken sollten Geimpfte daher im Blick behalten.

1 7 bis 10 Tage Aufbauzeit

Bei den in Bremen verwendeten Impfstoffen "BNT162b2" von Biontech und "mRNA 1273" von Moderna dauert es den Herstellern zufolge rund eine Woche bis zehn Tage, bis sich das Immunsystem auf den neuen Erreger eingestellt hat. Erst dann ist der Impfschutz aufgebaut. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, sinkt das Ansteckungsrisiko.

2 Zwei Impfungen erforderlich

Die Verabreichung der in Bremen genutzten Impfstoffe erfolgt jeweils in zwei Dosen. Sie müssen im Abstand von drei bis sechs Wochen gespritzt werden. Der volle Impfschutz mit einem Wirkungsgrad von rund 95 Prozent wird dabei erst gut eine Woche nach der zweiten Dosis erreicht.

Personen, die erst eine Dosis verabreicht bekommen haben, sind zunächst noch weniger gut geschützt. Die Schutzwirkung der Impfung liegt bei ihnen in der Regel bei 40 bis 60 Prozent. Erst die zweite Dosis hebt die Wirkung – nach der erneuten Aufbauzeit – auf durchschnittlich rund 95 Prozent an.

3 Wirksamkeit nicht 100 Prozent

Für den Impfstoff von Biontech ergaben Studien eine Wirksamkeit von 95 Prozent, der Moderna-Impfstoff erreichte 94,1 Prozent. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken war bei geimpften Teilnehmern um rund 95 Prozent geringer als in der Placebogruppe, die nicht geimpft wurde.

Diese Werte entsprechen zwar jenen anderer Impfungen, zum Beispiel gegen Masern, Mumps oder Röteln, die ebenfalls eine hohe Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent aufweisen. Es bedeutet aber auch, dass im Durchschnitt weiterhin ein kleines Risiko besteht, dass eine Person, bei der die Impfung nicht anschlägt, an Covid-19 erkrankt. In der medizinischen Fachsprache werden solche Personen als "Impfversager" bezeichnet.

4 Risiko einer parallelen Ansteckung

Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Menschen eine Covid-19-Impfung erhalten, die sich noch kurz zuvor mit Covid-19 angesteckt haben. Für sie besteht das Risiko, dass es trotz Impfung im Nachhinein zu einer Corona-Erkrankung kommt. Ob dies auch für die Fälle in Bremen so war oder andere Gründe für die nachträglichen Erkrankungen vorliegen, prüfen die Bremer Behörden derzeit in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut und dem Paul-Ehrlich-Institut, die bundesweit den Impfprozess wissenschaftlich begleiten.

Bisherigen Studien zufolge ist die parallele Impfung trotz bereits erfolgter Ansteckung aber nicht gefährlich. Experten gehen im Gegenteil sogar davon aus, dass eine Impfung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen könnte. "Inwieweit die Impfung möglicherweise den Krankheitsverlauf lindern kann, wird gerade untersucht", sagt Bremens Ärztekammerpräsidentin Heidrun Gitter.

5 Ansteckungen anderer möglich

Zwar zeigen bisherige Studien zu den Impfstoffen von Biontech und Moderna klar, dass sie eine Erkrankung mit Covid-19 mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern. Es kann jedoch bislang nicht ausgeschlossen werden, dass Geimpfte das Virus trotz Impfung in ihrem Körper aufnehmen – und so möglicherweise andere anstecken können. In der Medizin wird in diesem Fall von einer lediglich "klinischen Immunität" gesprochen. Davon zu unterscheiden ist eine "sterile Immunität", bei der das Immunsystem alle Viren eliminiert. Nur letztere schließt eine Ansteckung anderer Menschen aus.

"Weil wir bislang nicht ausschließen können, dass sie weiterhin ansteckend für andere sind, sollten daher alle Geimpften weiterhin die Corona-Maßnahmen einhalten“, sagt Ärztekammerpräsidentin Gitter.

"Beim Impfaufklärungsgespräch wird schon jetzt darauf hingewiesen, dass auch nach der Impfung weiterhin die Regeln zu Abstand, Hygiene und Alltagsmasken einzuhalten sind", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Fuhrmann. Die Gesundheitsbehörde arbeite darüber hinaus an einem Informationsblatt, das den Geimpften künftig zusätzlich ausgehändigt werden soll.

"Globale Impfungen sind nötig, um die Pandemie einzudämmen"

Video vom 27. Dezember 2020
Epidemiologe Hajo Zeeb im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 15. Januar 2021, 23:30 Uhr