Bremer Arzt behandelt Menschen mit gebrochenen Herzen

Am Bremer Herzzentrum werden Menschen mit dem Broken-Heart-Syndrom behandelt. Was auf den ersten Blick wie ein Herzinfarkt aussieht, stellt sich als gebrochenes Herz heraus.

Eine Frau sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einem Sessel und hält sich die Hände vor die Brust.
Frauen ab 55 Jahren erkranken besonders häufig am Broken-Heart-Syndrom. Bild: DPA | Christin Klose

Den Patienten von Christoph Langer ist das Herz gebrochen. Wortwörtlich. Denn als Kardiologe im Herzzentrum Bremen behandelt er unter anderem Menschen mit dem Broken-Heart-Syndrom, auch Tako-Tsubo-Syndrom genannt. 

Eine seiner Patientinnen klagt nach einer Seebestattung, die sie besucht hat, plötzlich über heftige Schmerzen in der Brust und Atemnot. Sie hat Angst. Der erste Verdacht: Herzinfarkt. Und tatsächlich sprechen sowohl die EKG-Kurve als auch die Laboruntersuchungen für einen Infarkt. Erst im Herzkatheterlabor wird klar: Diese Frau hatte keinen Herzinfarkt. Denn ihre Herzkranzgefäße sind nicht verengt oder gar verschlossen. Es ist das Tako-Tsubo-Syndrom, welches aber ebenfalls tödlich sein kann. Ausgelöst wird es oft durch Stress – insbesondere emotionalen, aber auch körperlichen Stress. Trauer. Streitereien. Liebeskummer.

Frauen erkranken häufiger als Männer

Erstmals wurde das Syndrom 1991 von japanischen Ärzten diagnostiziert. Der Name der Erkrankung kommt von einem ballonartig geformten Tonkrug, mit dem in Japan Tintenfische gefangen werden. Der heißt Tako Tsubo.

Prof. Dr. Christoph Langer blickt in einen Arztkittel gekleidet in die Kamera.
Christoph Langer ist Kardiologe im Bremer Herzzentrum. Bild: Christoph Langer

Ein Herz im akuten Stadium der Krankheit ist im unteren Bereich der linken Herzkammer geweitet. Es kann nur eingeschränkt Blut durch den Körper pumpen. Auf den Monitoren der Ärzte im Herzkatheterlabor ähnelt das Bild der linken Herzkammer der Form des Tonkrugs. Im Gegensatz zum Herzinfarkt bleiben beim Broken-Heart-Syndrom keine Einschränkungen zurück. Es kann sich vollständig erholen. So auch Langers Patientin. Sie überlebte das Broken-Heart-Syndrom und ist beschwerdefrei.

Dunkelziffer beim Broken-Heart-Syndrom ist hoch

Dennoch ist die Prognose nach neueren Daten mit der nach einem Herzinfarkt vergleichbar. In unseren Breiten erkranken ganz überwiegend Frauen im Alter über 55 Jahren an dieser Krankheit, erklärt Langer.

Obwohl das Syndrom erst Anfang der 90er Jahre beschrieben wurde, ist davon auszugehen, dass es diese Erkrankung schon immer gab

Christoph Langer, Kardiologe im Herzzentrum Bremen

Laut aktuellen Studien sind rund drei Prozent aller Herzinfarkte gar keine Infarkte, sondern dem Broken-Heart-Syndrom zuzuschreiben – wohl auch in Bremen. Wie viele Patienten jährlich in Bremen am Broken-Heart-Syndrom erkranken, ist aktuell nicht genau zu sagen – auch weil von einer Dunkelziffer auszugehen ist und die Krankheit nicht immer diagnostiziert wird.

So ist es laut Langer möglich, dass das Broken-Heart-Syndrom bei jungen Menschen die Ursache für den plötzlichen Herztod ist. Oder aber der Grund, warum es bei älteren Ehepaaren vorkommt, dass beide Partner kurz hintereinander sterben. Trauer kann das Syndrom durchaus auslösen. "Das ist absolut plausibel", sagt Langer.

Auch ein glückliches Herz kann überfordert sein

Doch nicht nur extrem negative Gefühle können verheerende  Folgen haben: "Auch wenn Menschen sich besonders freuen, kann es zu diesem Syndrom kommen. Dann ist es eigentlich das Happy-Heart-Syndrom", sagt Langer. Auslöser sind dann oft besonders überraschende Situationen, wie ein Lottogewinn oder aber eine Überraschungsparty. Aber auch andere freudige Ereignisse bergen die Gefahr dieser Herzkrankheit – wie Weihnachten. "Schließlich ist Weihnachten das Fest der Freude", sagt Langer.

  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 27. Dezember 2018, 23:30 Uhr