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Wie wird man Vormund für einen jungen Geflüchteten in Bremen?

Ein Mann und ein Flüchtingskind sitzen auf dem Boden vor einer Karte (Symbold)

Wie wird man Vormund für einen jungen Geflüchteten?

Bild: dpa | Bernd Thissen

In Bremen gibt es zu wenig Vormünder für junge Menschen – dabei kann diese Funktion auch als Ehrenamt übernommen werden. Wir erklären, wie das geht.

In Bremen warten rund 150 Minderjährige auf eine Vormundschaft, die meisten dieser Jugendlichen sind Geflüchtete. Vormunde sind die rechtlichen Vertreter der jungen Menschen. Außerdem stellen sie für die jungen Geflüchteten den Asylantrag. Vor allem deshalb warten junge Geflüchtete oft ungeduldig darauf, dass sie einen Vormund zugeteilt bekommen.

Doch weil das Amt für Soziale Dienste mit der Bearbeitung der Fälle nur langsam vorankommt, suchen mehrere Vereine nach Ehrenamtlichen, die Vormund werden wollen. Wir klären, welche Voraussetzungen es gibt und an welche Stellen man sich wenden kann.

Wer kann ehrenamtlicher Vormund werden? 

Es braucht weder eine pädagogische Ausbildung noch muss man Experte für Gesetze oder Jugendhilfe sein. Aber ein paar Voraussetzungen gibt es: Man braucht die deutsche Staatsangehörigkeit, ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und man muss erwachsen sein. Außerdem braucht man etwas Zeit, um sich um die Jugendlichen zu kümmern und Offenheit gegenüber jungen Menschen.

Welche Aufgaben hat man als ehrenamtlicher Vormund?

Man trägt die "rechtliche Sorge" für den Jugendlichen, muss also Verträge für den Jugendlichen unterschreiben und auch den Asylantrag stellen. Außerdem trägt man die Sorge für Themen Schule, Gesundheit und Unterbringung. Das heißt, man muss schauen, dass es dem Jugendlichen in diesen Bereichen gut geht und falls nicht sich dafür einsetzen, dass der Jugendliche zum Beispiel umziehen darf oder die Arzttermine bekommt, die ihm zustehen.

Die "Alltagssorge" liegt allerdings bei den Betreuern der Unterkunft, in der der Jugendliche lebt. Kleinere Entscheidungen werden dort getroffen und auch die Begleitung zu Ärzten und auf Ämter wird in der Regel von den Fachkräften dort übernommen.

Als Vormund ist man verpflichtet, seinen Jugendlichen mindestens einmal im Monat persönlich zu treffen. Außerdem gibt es eine Berichtspflicht gegenüber dem Familiengericht. Einmal im Jahr muss man einen solchen Bericht schreiben. Wichtig ist, dass man die Interessen der Jugendlichen vertritt und in ihrem Sinne handelt.

Wo kann man sich melden, wenn man eine Vormundschaft für einen Jugendlichen übernehmen möchte?

In Bremen vermitteln zwei Initiativen ehrenamtliche Vormundschaften: Das Projekt "Pro Cura Kids" vom Deutschen Roten Kreuz und der Verein Fluchtraum Bremen. Pro Cura Kids vermittelt Vormundschaften sowohl für Geflüchtete, als auch für deutsche Kinder und Jugendliche, Fluchtraum lediglich für geflüchtete Jugendliche. Bei beiden Initiativen werden die Ehrenamtlichen vor der Übernahme einer Vormundschaft geschult.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich beraten zu lassen und mit anderen auszutauschen. Bei Fluchtraum beginnt eine Vormundschaft immer mit einer Mentorenschaft. Das heißt, man lernt einen Jugendlichen kennen, verbringt Zeit miteinander und entscheidet dann erst später, ob auch die Vormundschaft übernommen wird.

So können beide Seiten erst einmal schauen, ob die Chemie stimmt. Denn eine gute Beziehung und Vertrauen sind wichtig, damit man als Vormund im Sinne der Jugendlichen handeln und entscheiden kann.

Warum lohnt es sich, eine Vormundschaft zu übernehmen?

Für die Jugendlichen ist ein klarer Vorteil, dass sie einen ehrenamtlichen Vormund gut kennen, ihm vertrauen und oft auch häufiger sehen können als einen Vormund vom Amt. In der Regel sind die Ehrenamtlichen bei Problemen auch schneller erreichbar.

Außerdem bleibt die Beziehung oft auch über das Erwachsenwerden hinaus bestehen, sodass die Jugendlichen nicht mit dem 18. Geburtstag plötzlich alleine dastehen. Auch die ehrenamtlichen Vormunde profitieren häufig: Sie erweitern ihren eigenen Horizont, lernen Neues und tun letztlich etwas Gutes für jemand anderen.

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Katharina Mild
    Katharina Mild Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 1. März 2023, 15:10 Uhr