Interview

Unwetter in Bremen? Deshalb irren sich auch Meteorologen manchmal

Spaziergänger mit Regenschirmen laufen an der Weserpromenade entlang.

Warum Unwetter-Vorhersagen für Bremen manchmal falsch sind

Bild: DPA | Sina Schuldt

Sie warnen mitunter vor Starkregen oder schweren Gewittern, doch dann kommt es kaum so dramatisch. Warum erweisen sich manche Vorhersagen als falsch? Ein Experte erklärt.

Wir haben die Stühle schon reingestellt, unser Auto in die Garage gefahren und das Treffen im Park abgesagt – und dann kommt das vorhergesagte Unwetter gar nicht. So etwas passiert in Bremen immer wieder. Aber woran liegt das und können wir Wettervorhersagen überhaupt vertrauen? Wir haben mit dem Meteorologen und Wetterexperten vom ARD-Kompetenzzentrum Torsten Walter gesprochen.

Herr Walter, manchmal werden Unwetter vorhergesagt, die dann gar nicht auftreten. Woran liegt das?
Das kommt sehr auf das Unwetter an. Generell kann man aber sagen, dass es für uns schwierig ist, vorherzusagen, wo genau die Unwetter runterkommen.

Man kann es sich vorstellen, wie ein Kochtopf mit Wasser. Wir wissen, dass irgendwann die Blasen hochsteigen, wenn das Wasser zu kochen beginnt, aber wo genau, können wir nicht sagen. Die Atmosphäre ist chaotisch und wir können nur ein Potenzial angeben. Es kommt dann auch immer wieder dazu, dass ein Gewitter nur in einem Bremer Stadtteil vorkommt oder eben in der Nähe von Bremen.
Ist es für Bremen als kleines Bundesland also besonders schwierig, Vorhersagen zu treffen?
Je kleiner das Gebiet, desto schwieriger ist es, ja. Es kann passieren, dass ein Unwetter, das für Bremen vorhergesagt wurde, dann in Cuxhaven auftritt. Oder eben nur in Teilen von Bremen. Je nach Größe der Gewitterzelle. In Schwachhausen fallen dann 40 Liter pro Quadratmeter runter und in Schwanewede kein Tropfen.
Wie sehr kann man denn solchen Vorhersagen überhaupt trauen?
Wir arbeiten als Meteorologen mit Modellen und Prognosen. Bei manchen Wetterlagen sind die Modelle eindeutig, bei anderen unterscheiden sich unsere Berechnungs-Ergebnisse.

Das Schwierigste für uns sind Hitzegewitter im Sommer, die können sich im Grunde in warmer Luft überall bilden. Bei kräftigen Stürmen im Winter ist es schon leichter, da sich da oft eine große Front bildet, die auch über ein großes Gebiet zieht. Das können wir schon Tage vorher erkennen und prognostizieren.

Bei den Hitzegewittern schauen wir auf unserem Radar, wie die Lage ist und berechnen Schätzungen. Konkrete Aussagen können wir aber erst treffen, wenn die Gewitterzelle da ist und das kann sehr kurzfristig sein.
Warum geben Sie bei solchen Unsicherheiten trotzdem Warnungen heraus?
Wir müssen als Meteorologen immer abwägen. Auf der einen Seite wollen wir die Bevölkerung vor möglichen Gefahren eines Unwetters warnen, auf der anderen Seite können wir natürlich nicht ständig Prognosen herausgeben, die sich nicht bewahrheiten. Es ist also immer eine schwierige Frage, ab wann man eine Warnung herausgibt.

Bei unserer Entscheidung spielt auch viel Erfahrung eine Rolle. Langjährige Meteorologen haben eher ein Gefühl dafür, welche Gewitterzellen sich wie schnell auf Bremen zubewegen können. Berechnungen können da noch gar nicht konkret getroffen werden.

Da wir aber die Menschen schützen wollen, werden auch beispielsweise vom Deutschen Wetterdienst quasi Vorwarnungen für größere Gebiete herausgegeben, wenn das Potenzial da ist. Konkreter wird es dann, je näher der Zeitpunkt des Unwetters rückt.

So ist es immer bei Wettervorhersagen, je weiter in die Zukunft wir schauen, desto vager wird es. Genauere Angaben gehen erst kurz vor dem Wetterereignis.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 18. Mai 2022, 23:30 Uhr