Licht am Ende des Tunnels? Das tut Bremen gegen unsichere Tunnel

Deshalb empfinden viele Bremer Tunnel als angsteinflößend

Bild: Radio Bremen

Die Tunnel der Bremer Innenstadt sind teilweise dunkel und unsicher. Seit Oktober ist der Findorff-Tunnel besser beleuchtet. Andere bleiben Angsträume. Was Bremen dagegen tun möchte.

Wer in die Bremer Innenstadt will, muss häufig durch einen der Tunnel unter den Schienensträngen beim Hauptbahnhof. Dunkle und enge Tunnel sind dabei besonders für Fußgänger und Radfahrer unangenehm.

Die Stadt hat daher den Findorff-Tunnel im vergangenen Jahr mit einer neuen Beleuchtung ausgestattet. An anderen Orten, wie etwa dem Gustav-Deetjen-Tunnel am Hauptbahnhof, ist die Situation aber noch immer nicht zufriedenstellend. "Die Tunnel in der Bremer Innenstadt sind teilweise zu dunkel und unsicher", sagt der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Michael Jonitz. Sein Amtskollege von den Grünen, Ralph Saxe, sieht ebenfalls einige Problemstellen: "Tunnel sind wichtige Nadelöhre der Infrastruktur. Manche sind leider immer noch Angsträume."

Gustav-Deetjen-Tunnel kann nur mit der Deutschen Bahn saniert werden

Ein Blick in den Bremer Kunsttunnel bei Nacht
Auch der Kunsttunnel am Osterdeich ist im Dunkeln alles andere als einladend. Bild: Radio Bremen

Der Gustav-Deetjen-Tunnel fiel schon in der letzten Legislatur als Sorgenkind auf. "Der Tunnel ist eine Schande im Sinne der Barrierefreiheit, als mobilitätseingeschränkter Mensch kommt man hier kaum durch", sagt Saxe. Auch Jonitz ist mit dem Zustand des Tunnels unzufrieden: "Der Tunnel ist viel zu eng und zu dunkel, die Beleuchtung ist furchtbar und defekt und der Fuß- und Radweg nicht aufgeteilt."

Eine grundlegende Sanierung des Tunnels ist nur in Zusammenarbeit mit der deutschen Bahn als Eigentümerin möglich: "Die achten darauf, dass es oben läuft. Was im Tunnel passiert ist, ihnen nicht so wichtig", sagt Ralph Saxe. "Da eine Verbreiterung des Fuß- und Radwegs kaum möglich ist, kann man hier nicht viel machen", meint Jonitz.

Verlegung des Radverkehrs wird geprüft

Um die Situation zu verbessern, bleibt daher nur, den vorhandenen Platz neu zu verteilen. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, soll laut Koalitionsvertrag überprüft werden. In Betracht gezogen wurde die Wiedereröffnung des stillgelegten, parallel verlaufenden Lloydtunnel für den Fuß- und Radverkehr. Davon nimmt die Stadt mittlerweile Abstand.

Der Fußverkehrstunnel war als Angstraum problematisch und wurde daher aufgegeben. Mit dem Bau des Intercity-Hotel Anfang der 2000er wurde der Zugang zum Fußverkehrstunnel auf der Südseite verbaut.

René Möller, Sprecher der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung

Außerdem sieht der Koalitionsvertrag vor, die Verlegung des Radverkehrs auf die Straße zu prüfen und den Tunnel mit einer verbesserten Beleuchtung und einem neuen Anstrich heller und somit sicherer zu machen. "Der Koalitionsvertrag ist noch kein Jahr alt: Maßnahmen zur Verbesserung der Situation befinden sich aktuell noch in Prüfung", sagt Möller.

Den Radverkehr auf die Straße zu führen, sieht Jonitz zumindest als zu prüfende Option: "Die Führung des Radweges auf die Straße ist schwierig, aber man könnte damit den Fuß- und Radverkehr entzerren." Saxe steht dem skeptischer gegenüber: "Manchmal gibt es Stau in dem Tunnel, was dazu führen könnte, dass Radfahrende sich unsicher fühlen und trotzdem auf dem Gehweg fahren."

Radverkehr auf die Straße kann Probleme für den ÖPNV bedeuten

Eine mögliche Alternative wäre noch, den Autoverkehr auf die Trasse der Straßenbahn zu führen. "Das wäre das Beste für den Fuß und Radverkehr, aber eine Katastrophe für den ÖPNV. Das halte ich daher für keine wahnsinnig gute Idee", sagt Saxe. "Man könnte den Verkehr zwar auf die Gleise verlegen, aber das wäre für die Straßenbahn schwierig", sagt Jonitz.

Abgesehen von einer verbesserten Beleuchtung und einem neuen Anstrich treten beide Politiker für eine verbesserte Einfahrt in den Tunnel ein. "Wenn sie stadtauswärts fahren, fahren sie ins Dunkel ohne zu sehen, was sich im Tunnel bewegt. Deswegen sollten wir die Parkplätze vor dem alten Postamt auflösen, damit der Fahrradweg mit guten Sichtbeziehungen gerade in den Tunnel geführt werden kann", sagt Saxe.

Findorff-Tunnel für 600.000 Euro mit mehr Licht ausgestattet

Während die Situation im Gustav-Deetjen-Tunnel festgefahren ist, hat die Stadt den Findorff-Tunnel mit einer neuen LED-Beleuchtung ausgestattet. Die neue Beleuchtung soll zu 65 Prozent mehr Licht bei gleichzeitig 25-prozentiger Energieeinsparung führen. Eine Software steuert die Helligkeit je nach Lichteinfall, damit sich die Augen schnell an die Lichtverhältnisse im Tunnel gewöhnen. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 600.000 Euro.

Zwar wurde der Schrecken durch die Beleuchtung genommen, aber das ist wirklich nur das Mindestmaß. Ansprechend ist der Tunnel noch immer nicht. Positiv ist, dass Fuß- und Radweg jetzt klar unterscheidbar sind.

Michael Jonitz, verkehrspolitischer Sprecher der CDU, zur Situation im Findorff-Tunnel

Warum der Friedenstunnel ein positives Beispiel ist

Auch Saxe ist nicht gänzlich zufrieden. Er hätte sich noch eine künstlerische Gestaltung gewünscht: "Man hätte den Tunnel einem Thema widmen und ihn gestalten können, so wie man das im Friedenstunnel gemacht hat." Den Friedenstunnel sieht auch Jonitz als Positivbeispiel: "Der Friedenstunnel ist ein super Vorbild. Man könnte die Findorffer mit ins Boot holen, um den Tunnel kreativ zu gestalten."

Ein Schriftband im Bremer Friedenstunnel
Positivbeispiel Friedenstunnel: Zwischen Parkallee und Rembertistraße sorgen LEDs für eine angenehme Beleuchtung. Bild: dpa / Ingo Wagner

Der Friedenstunnel entstand als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001. Der damals ebenfalls dunkle und viel befahrene Remberti-Tunnel wurde von einer Bürgerinitiative mit 82 künstlerischen Texttafeln mit Friedenstexten aus den verschiedenen Religionen und Kulturen gestaltet, zusätzlich wurden die Tunnelwände mit Mosaiken verziert und eine regenbogenfarbene LED-Lichtinstallation sorgt für eine ansprechende Beleuchtung.

Der Verein "Friedenstunnel – Bremen setzt ein Zeichen" sammelt bis heute Spenden für den Erhalt des Bauwerkes und die Stromkosten für die bunte LED-Beleuchtung. Neben Veranstaltungen, die im Tunnel durchgeführt werden, ist er mittlerweile Teil des internationalen Jakobsweges geworden und wird jährlich von rund 1.000 Pilgern auf ihrem Weg nach Spanien durchquert.

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Autor/Autorin

  • Autor/in
    Lukas Scharfenberger

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Januar 2024, 19:30 Uhr