Fragen & Antworten

Wie Bremerhaven Stinkwanzen bekämpft

Eine Wanze sitzt auf einem Stück Textil.

Warum werden in Bremerhaven mit viel Aufwand Stinkwanzen bekämpft?

Bild: DPA | Wolfgang Minich

Damit Ungeziefer nicht in Container und auf dem Seeweg in fremde Länder gelangt, kommt bislang klimaschädliches Gas zum Einsatz. Die Hochschule hat nun eine neue Lösung.

Bei diesem Tier klingt schon der Name fies: Stinkwanze. Ganz besonders vorsichtig im Umgang mit dem Insekt ist man im Hafen von Bremerhaven. Da werden Exportgüter mit einem Insektizid begast, damit der Schädling nicht als blinder Passagier in andere Länder eingeführt wird. Diese Chemikalie ist allerdings äußerst umweltschädlich – tausendfach stärker als CO2. Nun hat die Hochschule Bremerhaven ein Verfahren entwickelt, um den Ausstoß zu verringern.

Warum ist der Chemie-Einsatz gegen Stinkwanzen überhaupt notwendig?
Einige Länder haben sehr strenge Regeln, damit die Stinkwanze nicht eingeschleppt wird. Das heißt alle Güter, die über Bremerhaven zum Beispiel nach Australien oder Neuseeland verschifft werden, müssen mit einem Insektizid behandelt werden. Sonst werden die Schiffe gleich wieder zurückgeschickt.

Die Stinkwanze – wissenschaftlich: marmorierte Baumwanze – sondert eine Flüssigkeit hab, die tatsächlich sehr unangenehm riecht. Das ist allerdings nicht der Grund, weshalb sie so gefürchtet ist. Schlimmer: Sie richtet in der Landwirtschaft großen Schaden an – besonders beim Obst und Gemüseanbau. Deshalb sind die Länder, in denen sie sich noch nicht breitgemacht hat, sehr vorsichtig.
Wie umweltschädlich ist die Behandlung mit dem Insektizid?
Das eingesetzte Gift ist sehr umweltschädlich. Es hat den etwas sperrigen Namen Sulfuryldichlorid – kurz SF. Und das ist fast 5.000-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Soll zum Beispiel ein Mähdrescher nach Australien verschifft werden, wird dieser in eine Halle auf dem Hafengelände gefahren und abgedeckt. Unter einer Plane wird dann das SF-Gas eingeleitet und so vorhandene Stinkwanzen abgetötet. Unter Sicherheitsvorkehrungen entweicht anschließend das Insektizid in die Atmosphäre. In Bremerhaven ist die Firma Haraco für die Behandlung zuständig. Auch in anderen Häfen wie Hamburg finden derartige Prozeduren statt.
Wieso darf das Gas einfach so in die Atmosphäre gelangen?
Normalerweise gibt es für solche Behandlungen mit Giften strenge Vorgaben. SF ist aber eine Ausnahme, weil es bisher noch keine Möglichkeit gibt, das Insektizid zu reinigen. Die Hochschule Bremerhaven hat dafür in den letzten zwei Jahren nun eine Methode entwickelt. Eine kleine Versuchsanlage dafür steht schon im Hafen. SF reagiert darin mit Calciumhydroxid und es entstehen zwei ungiftige Abfallstoffe. Dadurch wird der SF-Ausstoß in die Atmosphäre deutlich verringert. Die Technik soll jetzt auf eine größere Anlage übertragen werden.
Macht die zuständige Firma bei dem Projekt mit?
Ja, das Unternehmen Haraco hat selbst an dem Projekt mitgearbeitet. Geschäftsführer Oliver Rautenberg sieht in so einer klimafreundlicheren Anlage auch einen Standortvorteil für Bremerhaven.

Weil eine Anlage dann zum Stand der Technik und insofern auch sofort Vorschrift für alle Begasungsunternehmen werden würde, erwarten wir für den Hafen mehr Umsatz für die Begasung und deshalb auch mehr Verladungsumsatz für die Hafenbetreiber.

Oliver Rautenberg, Haraco-Geschäftsführer

Bis so eine Anlage allerdings fix und fertig im Hafen steht, wird es wohl mindestens noch ein, zwei Jahre dauern.

Beißende Nosferatu-Spinne breitet sich in Bremen aus

Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema Insekten:

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 20. November 2022, 10:40 Uhr