Eid oder Zuckerfest: Warum einer Bremerin das Herz leicht wird

Wie junge Muslime gemeinsam das Fastenbrechen im Ramadan begehen

Bild: dpa | Robin Utrecht

Der Ramadan ist vorbei und somit haben für Muslime die heiligen Feiertage Eid al-Fitr begonnen. Für die Bremer Studentin Sevim Özkan ist es vor allem eine Zeit der Dankbarkeit.

Zum Ende des Ramadan sind meine Gefühle gemischt. Auf der einen Seite kann ich es kaum abwarten mit meiner ganzen Familie Eid zu feiern. Auf der anderen Seite ist eine gewisse Trauer vorhanden, da ich diesen Monat verabschieden muss.

Das Fasten spielte in meiner Familie schon immer eine große Rolle. Bereits als Kinder waren wir fasziniert davon und wollten voller Freude am Fasten teilnehmen. Zur Belohnung durften meine Cousinen und ich immer entscheiden, was es zum Iftar gibt. Spinat-Börek, Linsensuppe, Iskender Kebab – alles was das Herz begehrt, oder wohl eher der Magen.

Ramadan: Zeit des Betens, Reflektierens und der Selbstdisziplin

Muslime beten während der Freitagsgebete in einer Moschee
Als Erstes geht es an diesem Feiertag in die Moschee. Bild: dpa | Christian Charisius

Mit dem Alter änderte sich der Fokus des Ramadans für mich stark. Mittlerweile ist dieser Monat eine Zeit des Reflektierens – "Tafakkur". Das sogenannte Nachsinnen ist mir wichtig. Es ist eine Zeit des Betens, der Dankbarkeit und des Helfens, beispielsweise durch Spenden.

Es ist auch eine Zeit der Selbstdisziplin, denn für eine gewisse Zeitspanne muss auf die natürlichsten Bedürfnisse, wie das Trinken und Essen verzichten.

Sevim Özkan

Bedürfnisse, die man im normalen Alltag, außerhalb von Ramadan, gar nicht hinterfragt. Außer an Eid, denn wenn bei Tageslicht das Trinken und Essen wieder erlaubt ist, zweifele ich erst noch, ob ich jetzt trinken darf oder nicht.

So läuft es am Eid ab

Der Tagesablauf für Eid ist bei uns eigentlich jedes Jahr gleich. Aufstehen, duschen und die schönsten Klamotten anziehen. Die habe ich natürlich im Voraus schon ausgesucht und anprobiert, und dann beten wir in der Moschee. Danach fängt der ganze Trubel an, denn jetzt muss gekocht werden – und zwar für mehr als 25 Personen. Da mein Vater, der älteste unter meinen Onkeln und Tanten ist, kommt die ganze Familie zu uns.

Appetitlich aussehende Speisen liegen auf mehreren Tellern.
Mit jeder Menge Essen feiert die Familie zusammen. Bild: Imago | Zuma Press

Ein paar Tage vor Eid, wird bereits in der Familienchat-Gruppe geplant, wer das Dessert, die Nebenspeisen und natürlich die extra Klappstühle mitbringen kann. Das Bargeld und die Geschenke dürfen natürlich auch nicht fehlen, wie zu Weihnachten. In meiner Familie haben wir die Tradition, dass alle Kinder fünf Euro bekommen – aber nur bis zum 18. Lebensjahr. Obwohl ich jetzt als Studentin etwas Taschengeld ganz gut gebrauchen könnte.

Die Türklingel schrillt ununterbrochen, eine Familie nach der anderen begrüßt uns mit einem breiten Lächeln und vollen Händen. Verständlich, nach einem Monat Fasten hat sich eben ein großer Appetit entwickelt. Nach einer Weile wird es so voll, dass man über die ganzen Schuhe im Eingang springen muss, um durch zu kommen.

Die Kinder rennen durch das Wohnzimmer, die Eltern stehen versammelt am Grill und meine Cousinen und ich lachen. Es ist die perfekte Stimmung.

Sevim Özkan

Darum ist dieser Feiertag mir besonders wichtig

Seitdem ich für das Studium ausgezogen bin, schätze ich diese Momente umso mehr. Denn an diesem Feiertag geht es vor allem um die Dankbarkeit zu Allah und die Wertschätzung. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl – das Herz fühlt sich leicht an und die Seele ist friedlich. Es ist wie ein Neustart. Mit der gesammelten Motivation und den neuen Vorsätzen gehe ich voran. Und zähle bereits die Tage, bis der nächste Ramadan da ist.

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. April 2023, 19:30 Uhr