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Darum ist Licht in der Nacht eine Gefahr für Mensch und Tier in Bremen

Bild: Imago | Westend61

Bremen stellt auf LED-Beleuchtung um – um den Energieverbrauch zu senken und die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Darum kann Licht eine Gefahr für die Umwelt sein.

Die dunkle Jahreszeit bricht an, und wenn das Heizen schon zum Problem wird, sollte es doch zumindest hell genug sein, oder? Blinkende Weihnachtslichter und grelle Beleuchtung sind allerdings nicht nur aus Energiespargründen ein Problem, sondern schaden auch nachhaltig der Umwelt und uns Menschen. Die wichtigsten Fakten zur "Lichtverschmutzung".

Umweltverschmutzung ist ein gängiger Begriff, aber was ist Lichtverschmutzung?
Mit Leuchtmitteln, die die Umwelt verschmutzen, hat es nichts zu tun – wie man vielleicht zunächst annehmen könnte. Sondern es handelt sich tatsächlich um das Licht selbst, das zu Problemen im Ökosystem führt. Also genau genommen um die Beleuchtung in der Nacht. Diese kann nämlich mehr Schaden zufügen, als man zunächst vermuten mag.
Warum ist Lichtverschmutzung ein Problem?
Der Bremer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnt davor, dass die Nacht scheinbar wegfällt. Denn unsere Umwelt ist auf den Tag-Nacht-Rhythmus eingestellt. Zu viel Licht wird für viele Lebewesen sogar gefährlich. Nachtaktive Vögel können sich beispielsweise nicht mehr orientieren. Sie fliegen dann zu einem hell erleuchteten Gebäude und verletzen sich oft lebensgefährlich. Außerdem – ein Bild, das wir sicher alle kennen – schwirren Insekten in Massen um Straßenleuchten. Das machen sie so lange, bis sie völlig erschöpft zusammenbrechen. Dadurch komme es auch zu Verschiebungen im Ökosystem: Während Jagdtiere, die das Licht tolerieren, die Insekten leicht fressen können, bleibt für andere Arten kaum etwas übrig. Auch lichtempfindliche Fledermausarten würden durch die Beleuchtung massiv in Flugrouten und Nahrungssuche beeinträchtigt. Gerade nachtaktive Tiere sind also durch das Licht so verwirrt, dass ihr Leben gefährdet ist.

Die zunehmende nächtliche Beleuchtung in Städten und Gemeinden stört den Tag-Nacht-Rhythmus von uns Menschen und anderen Organismen.

Linda Neddermann, Pressesprecherin des Umweltressorts
Wie beeinflusst die Lichtverschmutzung die menschliche Gesundheit?
Selbst für uns Menschen ist die fehlende Dunkelheit ungesund, denn auch der menschliche Biorhythmus ist auf die Nacht eingestellt. Wir ruhen uns in der Nacht aus und unser Körper regeneriert. "Der Biorhythmus von Säugetieren wird in Abhängigkeit des Lichts von bestimmten Hormonen, vor allem Melatonin, gesteuert", erklärt auch Linda Neddermann, Pressesprecherin des Umweltressorts. Fehlt Melatonin kann das schädlich für unsere Gesundheit sein. In einem Bericht der Europäischen Kommission ging es sogar soweit, dass die Lichtverschmutzung und zu wenig Melatonin, im Verdacht steht, mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einherzugehen.
Wo ist die Lichtverschmutzung am schlimmsten?
Je belebter die Stadt, desto stärker die Lichtverschmutzung. Im innerstädtischen Bereich ist sie also am höchsten. Am problematischsten für die Umwelt ist sie aber vor allem in der Nähe von Schutzgebieten, Parks und Gewässern. Wie stark Bremen von der Lichtverschmutzung betroffen ist, zeigt folgende Karte.
Was kann man im Kleinen tun, um Lichtverschmutzung zu vermeiden?
Privatpersonen können beim Thema Lichtverschmutzung bereits eine Menge bewirken:
  • Licht aus! Erstmal ist es natürlich wichtig, so wenig wie möglich das Licht anzumachen: "Zum Beispiel auf Weihnachtsbeleuchtung draußen verzichten oder wenigstens zeitlich sehr, sehr stark einschränken – das wäre auch im Sinne der Energiekrise absolut sinnvoll und notwendig", sagt Siecke Martin vom BUND Bremen.
  • Farbe der Glühbirnen beachten: Warmweißes oder gelbliches Licht ist für Insekten nicht so attraktiv und schont deshalb die Umwelt.
  • Planung bei neuen Lampen: Wer sich neue Lampen anschafft, kann ebenfalls auf einiges achten: Beleuchtet die Lampe wirklich nur den Bereich, der unbedingt Licht braucht? Können Insekten in die Gehäuse fliegen und da verenden?
  • Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren: Nicht immer muss das Licht brennen. Maßnahmen, um die Dauer zu regulieren, schonen nicht nur den Geldbeutel sondern auch die Umwelt.
Zu vermeiden sind laut BUND vor allem Bodeneinbaustrahler, Gebäudebeleuchtung mit Abstrahlung nach oben und generell Kunstlicht in der Nähe von potentiellen Fledermausquartieren.
Welche Maßnahmen trifft man in Bremen?
Ein großer Teil der Lichtverschmutzung wird allerdings nicht von privaten Haushalten herbeigeführt. Die hellerleuchteten Straßen und Gebäude in der Stadt tragen eine Menge dazu bei. Für voraussichtlich 8,9 Millionen Euro werden in Bremen deshalb die Leuchten auf LED "umgerüstet" – zum Energiesparen und gegen Lichtverschmutzung. Laut Amt für Straßen und Verkehr (ASV) eines der größten Umrüstungsprojekte dieser Art in Deutschland. Die Lampen sollen beispielsweise von 22 bis 6 Uhr in ihrer Helligkeit abgesenkt werden und die Lichtfarbe wird insektenfreundlich warm-weiß gewählt.

Laut Andrea Voth vom Amt für Straßen und Verkehr würden sich allerdings nicht alle Leuchten in öffentlicher Hand befinden. Im Pauliner Marsch gebe es beispielsweise Lampen, die der Sparkasse Bremen gehören. Um wirklich wenig Lichtverschmutzung zu haben, müssten natürlich konsequent alle Lampen umgerüstet werden.

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Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. November 2022, 19:30