Weltfirma aus Bremen: Kühne und Nagel

Grundsteinlegung bei Kühne und Nagel.
Bild: Radio Bremen | Daniel Hoffmann

Der international agierende Logistikkonzern hat zwar in Bremen seine Wurzeln, aber geschäftlich residiert das Unternehmen in der Schweiz und in Hamburg.

Ein Neubau an der Weser soll den Standort Bremen aufwerten, doch für den Kühne-und-Nagel-Konzern spielt die Musik schon lange außerhalb der Hansestadt und auch außerhalb von Deutschland, nämlich im Schweizer Örtchen Schindellegi am Zürichsee. Hier hat der international agierende Logistikkonzern seinen Stammsitz. Bremen spielt kurz gesagt im Firmen-Konzert nur noch eine untergeordnete Rolle, ist eben einer von hunderten Standorten weltweit. Jedenfalls was das aktuelle Tagesgeschäft des größten Speditionsunternehmens in Deutschland betrifft.

Historisch bleibt Bremen aber Gründungsort. Am 1. Juli 1890 gründen August Kühne und Friedrich Nagel in Bremen und Bremerhaven ein Speditions- und Kommissionsgeschäft. Die Geschäftsadresse lautet damals Langenstraße 49. Das Büro umfasst ein Chefzimmer und Hauptkontor mit einem Lehrling in der ersten Etage. Einziges Transportmittel ist ein gemieteter Einspänner. Es ging um Kakao, Getreide, Baumwolle, Holz – Güter, mit denen die norddeutschen Häfen gute Geschäfte machten. So auch Kühne und Nagel. Es folgten Niederlassungen in Hamburg und Lübeck, später in Berlin. August Kühne wurde bald Alleininhaber und verlegte den Firmensitz in eine opulente Villa im Tudorstil direkt an der Weser.

1928 übernahm die zweite Generation mit Alfred Kühne die Firmenleitung. Er trieb die Expansion voran. Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnete er Niederlassungen nicht nur in den Seehäfen, sondern auch im Inland, in Europa und in Übersee.

Dunkles Kapitel in der Geschichte von Kühne und Nagel

Bild: Radio Bremen

Ein dunkles Kapitel der Firmengeschichte bleibt die Rolle von Kühne und Nagel (K&M) im Zuge der sogenannten Arisierung. Geplündertes jüdisches Eigentum aus den von Deutschland besetzten Ländern wurde in tausenden von Waggon- und Schiffsladungen abtransportiert, um etwa im Deutschen Reich versteigert zu werden. Nutznießer waren die Speditionen, allen voran Kühne und Nagel. Zwar verweigerte die Firma jüngst Bremer Forschern Einblick ins eigene Archiv mit der Begründung "Akten nicht vorhanden". Aber bereits vor einigen Jahren stieß der Historiker Wolfgang Dreßen in Akten der Kölner Oberfinanzdirektion auf eindeutige Beweise.

Es gibt Firmen, die haben richtig schwer Geld verdient, zum Beispiel die Transportfirma Kühne und Nagel. Da sind Unmengen von Zügen und Frachtschiffen, die diese Beute nach Deutschland gebracht haben, gechartert von K&M. Von der Firma habe ich noch nicht ein Wort dazu gehört, aber die Belege in den Akten sprechen für sich.

Wolfgang Dreßen, Historiker

Die Enkelgeneration der Kühne-Dynastie vertritt bis heute der langjährige Firmenchef und Mehrheitseigner Klaus-Michael Kühne. Der geborene Hamburger mit "Villa an der Außenalster und Kontor an der Binnenalster" wie die Zeitschrift "Spiegel" einst schrieb, verspekulierte sich zwar in den 1980ern im Reedereigeschäft, trotzdem baute er die Spedition zum weltweiten Logistikunternehmen aus mit heute rund 70.000 Beschäftigten in über 100 Ländern. Er beschwört noch gern in firmeneigenen Imagefilmen den "Geist" des Unternehmens. Sinngemäß übersetzt aus dem Englischen übersetzt, liest sich das so:

Egal, wo auf der Welt unsere Mitarbeiter sind, eines verbindet sie alle: ihre Bereitschaft, die Grenzen von Zeit und Raum im globalen Logistiknetzwerk von Kühne und Nagel zu überwinden.

Klaus-Michael Kühne, Firmenchef von Kühne und Nagel

Der 80-jährige Klaus-Michael Kühne hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, ist aber bis heute Mehrheitseigner und damit einer der reichsten Deutschen. Vor allem seine Heimatstadt Hamburg profitierte mehrfach von großzügigen Investitionen und Spenden des Unternehmers. Am bekanntesten dürfte sein Engagement für den Hamburger Sportverein (HSV) sein, an dem er mittlerweile 17 Prozent der Anteile erwarb sowie zuletzt die Namensrechte des HSV-Stadions, das seitdem wieder Volksparkstadion heißt.

Und auch, wenn solche beinharten und vermögenden HSV-Fans an der Weser eher mit gemischten Gefühlen gesehen werden, ist der Enkel des Firmengründers natürlich zu Gast in Bremen bei der Grundsteinlegung des neuen Stammhauses am 26. Oktober 2017. Der entsteht immerhin an einem geschichtsträchtiger Platz: Hier stand das sogenannte "Kapffsche Haus". Die frühere Firmenvilla wurde Ende des Zweiten Weltkrieges zerbombt und 1961 durch einen modernen Büroklotz ersetzt. Nun soll im Herbst 2019 das neue Gebäude stehen.

Autor

  • Peter Meier-Hüsing

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Oktober 2017, 19:30 Uhr

Archivinhalt