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Lohnt sich der Bau der neuen Columbuskaje in Bremerhaven?

Bild: Radio Bremen

80 Millionen Euro sind für das Kreuzfahrtterminal vorgesehen. Vor einem Jahr sind die Arbeiten gestartet. Aber wie stark profitiert Bremerhaven von den Kreuzfahrtgästen?

Planung und Bau der neuen, 800 Meter langen Columbuskaje kosten voraussichtlich insgesamt rund 80 Millionen Euro. Vor genau einem Jahr sind die Bauarbeiten gestartet. Aber ist der Bau wirklich notwendig? Hafenbetreiber Bremenports und die Tourismusgesellschaft Erlebnis Bremerhaven blicken auf das alte Terminal und die Entwicklung der Touristenzahlen.

Warum wird das alte Kreuzfahrtterminal abgerissen?
Es entspricht laut Hafenbetreiber Bremenports, der für die Bauarbeiten zuständig ist, nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften. Auch die Stromversorgung sei nicht mehr in Ordnung, sagt Bremenports-Sprecher Holger Bruns. "Das ist für die Passagierschifffahrt der 50er-/60er-Jahre konzipiert worden. Den Ansprüchen an ein modernes Kreuzfahrtterminal kann das nicht mehr gerecht werden. Es ist nicht mehr nutzbar."

Die Kaje ist 100 Jahre alt und sie ist abgängig.

Holger Bruns von Bremenports
Holger Bruns, Sprecher des Hafenbetreibers Bremenports
Was ist geplant?
Insgesamt wird die Columbuskaje um 20 Meter verbreitert. Vor der alten Kaje wird auf einer Länge von 620 Metern eine Spundwand in die Weser gerammt. Dann werden die Zwischenräume mit Sand aufgefüllt und befestigt sowie neue Passagierbrücken installiert, die deutlich länger und breiter sind als die bisherigen.

Zu den Plänen gehört laut Bruns ein neuer Eingangsbereich, der nicht mehr so versteckt hinter Tanks liegt. Die Passagiere sollen näher an den Attraktionen in der Innenstadt sein. Auch die Parksituation soll durch ein Parkhaus verbessert werden. Zudem soll ein Bürokomplex entstehen, in dem sich hafennahe Firmen ansiedeln können.

Und umweltfreundlicher soll die neue Kaje werden: Noch müssen zur Stromversorgung die Motoren der Schiffe laufen. In Zukunft sollen sie an der Columbuskaje Landstrom beziehen. Geplant sind acht ortsfeste Landstrom-Anlagen, welche komplett mit Ökostrom aus dem Netz versorgt werden sollen.
Verliert die Stadt während der Bauzeit Touristen?
Nein, die Kaje wird in mehreren Abschnitten neu gebaut, sodass das Kreuzfahrtgeschäft weiter laufen kann.

Der Kreuzfahrtbereich ist ein ganz großer Baustein im Tourismuskonzept Bremerhavens.

Ralf Meyer vom Wirtschaftsreferat Bremerhaven im Interview.
Ralf Meyer, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Erlebnis Bremerhaven
Wie stark profitiert Bremerhaven von den Touristen?
Der Kreuzfahrtbereich sei essenziell für Bremerhavens Tourismuskonzept, sagt Bremerhavens Tourismuschef Ralf Meyer. Viele Kreuzfahrtgäste besuchen die Stadt und geben Geld aus. 2015 seien es noch rund 66.000 Passagiere pro Jahr gewesen, so Meyer. 2019, vor der Corona-Krise, waren es dann schon 248.000, davon übernachteten rund 26.000 Passagiere vor ihrer Kreuzfahrt in der Stadt. "Wir haben einen Umsatz schätzungsweise von 15 Millionen Euro jedes Jahr durch das Kreuzfahrtgeschäft."

Dieses Jahr komme die Stadt auf rund 220.000 Passagiere, schätzt Meyer. Hinzu kämen rund 30.000 Transitgäste pro Jahr, die die touristischen Einrichtungen in Bremerhaven nutzen. Außerdem besuchen Schiffsfans die Stadt, um die großen Kreuzfahrtriesen zu sehen. Das seien mehr als 50.000 Besucher zusätzlich pro Jahr. Und der Umsatz könnte noch steigen, sagt Meyer, wenn das Terminal nicht mehr so abgeschottet liegt und die Verbindung zur Innenstadt verbessert wird.

Diese bewegte Geschichte hat der Columbusbahnhof schon hinter sich

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. November 2022, 19:30 Uhr