Kommentar

Was brachte eigentlich der Bremer City-Gipfel? Viel Lärm um nichts!

Eine Straßenbahn fährt durch die Obernstraße.
Bild: dpa | Sina Schuldt

Dreimal ist Bremer Recht? Von wegen, meint buten-un-binnen-Reporter Pascal Faltermann. Auch nach dem dritten Innenstadt-Gipfel sind die Grundprobleme der City nicht gelöst.

Wie oft haben wir das erlebt: Wenn die Probleme wirklich groß sind, muss ein Gipfel her. Wir kennen viele Varianten: G7, G20, Welt-Klimagipfel – oder gerne auch die Bund-Länder-Treffen in der Corona-Zeit. Solche Gipfel sind oft teuer, verbrauchen gerne jede Menge Ressourcen – aber irgendwas kommt am Ende dabei eigentlich immer heraus. Auch wenn es oft erschreckend wenig ist.

Bremen hat es geschafft, dass beim dritten Innenstadt-Gipfel NICHTS herauskommt.

Dabei hat dieser Gipfel eine große Erwartungshaltung aufgebaut. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten eine Aufbruchstimmung vermitteln. Aber beschlossen hat der Gipfel nichts. Und er kann auch nichts beschließen. Er ist so nicht aufgebaut. Es gibt Empfehlungen. Die Beschlüsse fassen vielleicht irgendwann mal die Bürgerschaft, Beiräte oder Investoren.

So will Bremens Innenstadtkoordinator die City umgestalten

Bild: Radio Bremen

Was bisher geschah? Nicht wirklich viel Nachhaltiges

Im Grunde setzt sich hier fort, was bei den beiden vorigen Innenstadt-Gipfeln angefangen hat. Immerhin haben die Akteure in den vergangenen beiden Jahren noch konkrete Vorschläge gemacht. Mit einem Aktionsprogramm, das immerhin 13 Millionen Euro kostete, sollte die Innenstadt belebt werden. Das Ergebnis? Ein Metallgerüst am Domshof, Blumentöpfe oder eine Surf-Welle im gesperrten Teil der zentralen Martinistraße – sie sorgten für Hohn und Spott. Es ist viel Schminke, die über den schlechten Zustand der Innenstadt geschmiert wurde.

Und jetzt? Nichts. Es gibt keine Antworten auf die Frage, an welchen Standort die Uni mit Tausenden Studierenden in die Innenstadt zieht. Das neue junge Publikum hätte viel Potenzial mitgebracht. Der richtige Ort dafür wird weiter gesucht. Unklar bleibt auch, was genau mit dem Riesen-Klotz "Parkhaus Mitte" passiert, wann er abgerissen wird – und was dort entstehen könnte. Und welche Projekte sollen die Innenstadt nun nachhaltig beleben? Nichts dazu.
Stattdessen ist die Gipfel-Runde weiter aufgebläht worden. Mehr als 60 Akteure saßen nun im Rathaus zusammen, anfangs waren es mal 36. Und das Ergebnis: Viele Phrasen, erklärende Worte und Rechtfertigungen.

Ideenlosigkeit wird immer offensichtlicher

Ich finde: dieser Gipfel hat seinen Titel nicht verdient. Denn was hat sich nach mittlerweile drei Ausgaben wirklich nachhaltig in der Innenstadt verbessert? Nicht viel. Die Folgen sind bitter für die Innenstadt: Immer mehr Geschäfte schließen und ziehen sich zurück, immer deutlicher wird die Ideenlosigkeit sichtbar. Viele machen ihre Geschäfte längst woanders – beispielsweise im Weserpark.

Aufbruch, Mut und Innovation sehen anders aus. Statt viel Gerede muss die Stadt ins Machen kommen. Das wird aber vor der Bürgerschaftswahl im Mai nächsten Jahres bestimmt nichts mehr. Und im Sommer stellen dann alle fest: Es hat sich wieder nichts getan. Aber keine Sorge: Man kann ja einen neuen Gipfel einberufen.

Was man zum Bremer Innenstadt-Gipfel wissen muss

Bild: Radio Bremen

 

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  • Portrait von Pascal Faltermann
    Pascal Faltermann Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. November 2022