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Hohe Zinsen bremsen Hauskäufer aus: Kippt Bremens Immobilienmarkt?

Wohnhäuser im Bremer Stadtteil Schwachhausen

Hohe Zinsen bremsen Hauskäufer aus: Kippt Bremens Immobilienmarkt?

Bild: DPA | Sina Schuldt

Hohe Zinsen, satte Baupreise und die Inflation: Für viele Bremer ist der Kauf eines Hauses zu teuer geworden. Die Verbraucherzentrale rechnet mit sinkenden Immobilienpreisen.

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung ist derzeit vielen Menschen in Deutschland nicht möglich oder erscheint ihnen zumindest nicht sinnvoll. So beobachtet die Beratungsfirma Barkow Consulting seit Juli dieses Jahres, dass Neugeschäfte der deutschen Banken mit Immobiliendarlehen deutlich zurückgehen. Im September lag der Einbruch gegenüber dem Vorjahresmonat gar bei 28 Prozent.

Auch Bremer Banken und Finanzierungsmakler stellen fest, dass sich die Kunden bei der Aufnahmen von Immobilienkrediten sehr in Zurückhaltung üben und im Zweifel lieber Mietverträge abschließen. Doch was steckt dahinter? buten un binnen hat mit der Verbraucherzentrale Bremen, mit Finanzierungsmaklern und Banken über den Wandel des Immobilienmarkts gesprochen.

Entwicklung der Zinsen für Baukredite mit zehnjähriger Zinsbindung seit 2012

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Immobilien gelten als krisenfeste Geldanlage. Weshalb kaufen zur Zeit dennoch weniger Bremer als üblich ein Haus oder eine Wohnung?
Die Bauzinsen sind seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine in Rekordzeit rasant angestiegen: von durchschnittlich etwa ein Prozent zu Jahresbeginn auf derzeit knapp vier Prozent, wie der Kreditvermittler Interhyp für Kredite mit einer Sollzinsbindung von zehn Jahren vorrechnet.

Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen sieht in diesem drastischen Anstieg der Zinsen den Hauptgrund dafür, dass sich viele Bremerinnen und Bremer den Kauf eines Hauses derzeit schlicht nicht leisten könnten. Es gebe allerdings noch weitere Gründe. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die hohen Energiekosten und auch auf die hohen Lebenshaltungskosten, die den Menschen zu schaffen machten.

Björn Siemer, Geschäftsführer der Sparkasse Immobilien Bremen GmbH, stellt fest, dass es daher derzeit viele Menschen vorzögen, zur Miete zu leben. Denn dies erscheine ihnen – zumindest kurzfristig – günstiger als der Kauf eines Hauses. Unsicherheit habe sich unter den Menschen breit gemacht.
Wenn sich immer weniger Bremer den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung leisten können, müsste es auch schwerer geworden sein, Wohneigentum zu verkaufen. Wandelt sich der Immobilienmarkt in Bremen nun vom Verkäufer- zum Käufermarkt?
Das Wort "Käufermarkt" geht Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen zu weit. Allerdings rechnet er damit, dass die Immobilienpreise moderat sinken werden. Für seinen Geschmack waren die Häuser in Bremen in den vergangenen Jahren allerdings auch zu teuer: "Die Zinsen waren in den vergangenen Jahren sehr niedrig. Gleichzeitig sind die Immobilienpreise jährlich um zehn bis zwölf Prozent gestiegen", so der Finanzexperte.

Heute dagegen lasse sich beobachten, dass etliche Wohnimmobilien im Land Bremen seit Monaten zu den gleichen hohen Preisen zum Verkauf stünden – weil sie niemand unter diesen Bedingungen kaufen wolle. "Einige Verkäufer müssen den Preis ihrer Wohnimmobilie senken, um das Objekt los zu werden", sagt Stecher dazu. Trotz solcher Fälle geht er aber davon aus, dass Immobilien in Bremen und umzu insgesamt ein recht hohes Preisniveau halten werden. Die Nachfrage sei weiterhin relativ groß. "Es fehlt bei uns an Wohnraum", fügt Stecher erklärend hinzu.
Eine schemenhafte Frau in einem Anzug mit Taschenrechner und Hausmodell, das auf Geldmünzen steht (Symbolbild)
Wegen hoher Bauzinsen schrecken viele derzeit vor dem Hauskauf zurück. Wie sich die Zinsen weiter entwickeln werden, lässt sich nicht vorhersagen. Bild: DPA | Zoonar/Niall Wiggan
Wie werden sich die Bauzinsen in den kommenden Monaten entwickeln?
"In den nächsten Wochen erwarten wir eher gleichbleibende bis schwankende Zinsen", sagt Interhyp-Vorständin Mirjam Mohr und fügt hinzu: "Auf Halbjahres- bis Jahressicht erwarten wir einen weiteren leichten Anstieg."

Verbraucherschützer Roland Stecher glaubt dagegen eher, dass die Zinsen mittelfristig wieder leicht sinken werden, stellt aber auch klar: "Das weiß letztlich natürlich niemand." Die Zinsentwicklung sei von vielen unvorhersehbaren Faktoren abhängig. Beispielhaft verweist er auf den Fortgang des Krieges sowie auf die Energiekrise. So oder so für sehr unwahrscheinlich hält Stecher allerdings, dass die Zinsen in absehbarer Zeit wieder auf das Niveau vom Beginn des laufenden Jahres fallen werden, als sie bei etwa ein Prozent lagen.
Was rät die Verbraucherzentrale Bremern, die eventuell Wohneigentum kaufen wollen?
Man sollte unbedingt einen Puffer für Eventualitäten haben, sagt Stecher. "Sehr wünschenswert wäre auch möglichst viel Eigenkapital, mindestens 20 Prozent", fügt er hinzu. Wichtig sei zudem, dass man nicht das erste Kreditangebot annehme, das einem angeboten werde. "Man sollte Gespräche führen und Angebote miteinander vergleichen. Das Vergleichen ist das A und O", so der Verbraucherschützer.

Das bestätigt auch Interhyp-Vorständin Mirjam Mohr und erklärt: "Der Zinsvergleich zahlt sich aus, weil Kreditinstitute Änderungen des Marktzinses unterschiedlich schnell einpreisen."
Gibt es neben möglicherweise demnächst leicht sinkender Immobilienpreise noch einen anderen ermutigenden Aspekt aus Sicht derjenigen, die gern ein Haus kaufen möchten?
Zwar ist der Kauf eines Hauses wegen der hohen Zinsen in den letzten Monaten deutlich teurer geworden als er es noch vor einem Jahr gewesen wäre, stellt auch Michael Indorf von der Bremischen Volksbank fest. Trotzdem lohne es sich immer, nach einer Immobilie Ausschau zu halten, die zum persönlichen Budget passe, um über den Kauf Vermögen aufzubauen. Indorf kann sich vorstellen, dass der Hauskauf ab kommenden März für den einen oder anderen Bremer wieder etwas einfacher wird. Denn dann werde die Förderbank KfW wahrscheinlich neue Förderprogramme auflegen. An solchen herrsche derzeit Mangel.

Gestiegene Zinsen drücken Immobilienpreise in Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 17. November 2022, 6.35 Uhr