Warum ein Paar aus Bremerhaven nur in Dänemark heiraten kann

Zwei Eheringe liegen auf einem Tisch.

Warum ein Paar aus Bremerhaven nur in Dänemark heiraten kann

Bild: DPA | Annette Riedl

Mohammad Reza Hosseini und seine Verlobte wollen heiraten, aber das Standesamt sagt nein. Es fehlen Dokumente, die nicht zu beschaffen sind, sagt Hosseini.

Die Hochzeitsglocken würde Mohammad Reza Hosseini gern hören. Eine Verlobte hat er schon. Mit ihr und einer gemeinsamen kleinen Tochter wohnt er in Bremerhaven. "Wir wollen für immer zusammenbleiben. Wir lieben uns. Ich sehe keinen Grund, dass wir nicht heiraten", sagt Hosseini.

Christa Fürst und Gisela Wiegel vom Arbeitskreis "Migration und Flüchtlinge", Pastor Werner Keil und Mohammad Reza Hosseini.
Christa Fürst (von links) und Gisela Wiegel vom Arbeitskreis "Migration und Flüchtlinge", Pastor Werner Keil und Mohammad Reza Hosseini. Bild: Radio Bremen | Sven Weingärtner

"Ja, ich will" – das würde der 25-Jährige gern sagen. Darf er aber nicht. Ihm und seiner Verlobten fehlen die nötigen Papiere. Hosseini wurde im Iran geboren und ist dort aufgewachsen. Als Sohn afghanischer Eltern hat er dort aber nie einen iranischen Pass bekommen. Und an Papiere aus dem Land seiner Eltern kommt er auch nicht.

Zurzeit gibt es Problem in Afghanistan. Die Taliban. Und die afghanische Botschaft macht das nicht. Wir kriegen keinen afghanischen Reisepass und auch keine Tazkira. Tazkira ist wie ein Personalausweis. Das bekommen wir nicht. Keine Chance.

Reza Hosseini

Hosseini arbeitet jetzt als Glasierer

2015 floh Hosseini aus dem Iran nach Deutschland. Heute arbeitet er als Glasierer in der Fliesenproduktion. Das Einkommen reicht mehr oder weniger. Eine Ehe würde zum Beispiel auch eine Familienversicherung möglich machen und Geld sparen. Doch das Oberlandesgericht Bremen beharrt darauf, dass dem Standesamt unter anderem die Tazkira vorgelegt werden muss.

Der Arbeitskreis Migration und Flüchtlinge setzt sich für Hosseini und seine Verlobte ein. Vergeblich. Es sei zum Verzweifeln, sagt Gisela Wiegel. "Wir versuchen, alle möglichen Ebenen zu erreichen – vom Oberbürgermeister bis zur Integrationsbeauftragten des Landes und des Bundes und dem Senator für Inneres. Und wir merken einfach, da ist überhaupt keine Bereitschaft zu sagen, wir versuchen diese Regelung zu verändern. Und das frustriert ganz stark."

Pastor Werner Keil von der Evangelisch-reformierten Kirche kann die Entscheidung des Oberlandesgerichts Bremen nicht nachvollziehen, dass das Standesamt weiter auf Dokumenten bestehen muss, die gar nicht zu beschaffen sind. Das sei ein schlechtes Signal an die, die sich integrieren wollen.

Hier könnte ein Gericht einfach sagen, in dieser Situation können wir Ausnahmen machen. Nur in dieser Situation. Es geht gar nicht um eine generelle Lösung. Alles, was beizubringen ist, soll beigebracht werden. Aber was nicht geht, geht nicht. Und das muss man dann auch so anerkennen. Dann muss der Wunsch eine Ehe einzugehen darüber stehen können.

Werner Keil, Pastor der Evangelisch-reformierten Kirche

Hosseini möchte noch vor Weihnachten heiraten

Hätte Hosseini gewusst, wie lange sich der Kampf mit den Behörden hinzieht, wäre er bereit gewesen gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts zu klagen. Inzwischen hat er von einem anderen Weg erfahren: "Jetzt will ich in Dänemark heiraten. Geld habe ich schon überwiesen, die Sachen, die sie brauchten, habe ich schon hingeschickt. Ich warte nur noch auf den Termin."

Was in Deutschland innerhalb eines Jahres nicht geklappt hat, funktioniert in Dänemark innerhalb weniger Wochen. Wahrscheinlich wird Hosseini nun noch vor Weihnachten einen Trauschein in der Hand halten.

Autor

  • Sven Weingärtner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 4. Dezember 2022, 9:20 Uhr