Hafen-Tarifstreit nach Verhandlungen in Bremen beendet

Warnstreik im Hamburger Hafen

Nach Verhandlungen in Bremen: Hafen-Tarifstreit beendet

Bild: DPA | Markus Scholz
  • Verdi stimmt dem Angebot der Arbeitgeber zu.
  • Gewerkschaft drohte mit Arbeitskampf.
  • 200 Arbeiter demonstrierten während Verhandlungen in Bremer Innenstadt.

Der Tarifkonflikt um die Entlohnung von Hafenarbeitern in den Nordseehäfen ist beigelegt. Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft Verdi hat dem mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) erzielten Verhandlungsergebnis zugestimmt, wie Verdi-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth sagte. Die Einigung beinhaltet spürbare Entgelt-Erhöhungen für die 12.000 Beschäftigten in diesem und im kommenden Jahr.

Die Zustimmung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass die Verdi-Mitglieder in den betroffenen Betrieben damit einverstanden sind. Am 5. September soll in der Tarifkommission die finale Entscheidung fallen, wie Schwiegershausen-Güth mitteilte.

Hafenarbeiter erhalten 9,4 Prozent mehr

In der Tarifkommission habe es ein "relativ eindeutiges" Stimmungsbild für die Annahme gegeben, zumal es gelungen sei, noch einmal spürbar bessere Bedingungen für die Beschäftigten herauszuholen, so die Gewerkschafterin. Damit ist ein erneuter Arbeitskampf in den Häfen mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tisch.

Nach Verdi-Angaben sieht der Tarifabschluss vor, dass die Entgelte in Vollcontainer-Betrieben rückwirkend ab Juli um 9,4 Prozent angehoben werden. In den konventionellen und den Stückgut-Hafenbetrieben steigen die Entgelte um 7,9 Prozent. Ab Juni 2023 erhöhen sich die Löhne um weitere je 4,4 Prozent. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Allerdings wurde ein Sonderkündigungsrecht für den Fall vereinbart, dass die Inflation auch im nächsten Jahr noch so hoch ist.

Urabstimmung zu Erzwingungsstreik im Gespräch gewesen

Zuletzt hatte Verdi Mitte Juli den Güter- und Containerumschlag in den norddeutschen Häfen weitgehend lahmgelegt. Zuvor gab es bereits Warnstreiks, die eine Schicht beziehungsweise einen Tag gedauert hatten. In einem Flugblatt an die Belegschaften hatte Verdi vor Beginn der zehnten Verhandlungsrunde bereits eine Urabstimmung über einen Erzwingungsstreik ins Gespräch gebracht.

Für die ohnehin strapazierten Lieferketten kam der Konflikt zur Unzeit. Der globale Containerschiffsverkehr ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor zweieinhalb Jahren zunehmend aus dem Takt geraten.

Tarifverhandlungen zogen sich über Monate

Verdi und der ZDS hatten seit Monaten um einen neuen Tarifvertrag für 12.000 Beschäftigte in den Nordseehäfen gerungen. Im Kern drehte sich der Konflikt zuletzt darum, wie mit der Verdi-Forderung nach einem Ausgleich der zurzeit überbordenden Inflation umgegangen werden soll.

Die Gewerkschaft bestand in dem festgefahrenen Streit auf einer Sicherung der Reallöhne für alle Beschäftigten über die gesamte Laufzeit eines Tarifabschlusses. Während Verdi einen 12-monatigen Tarifvertrag favorisierte, strebten die Arbeitgeber eine Laufzeit von 24 Monaten an. Umstritten war bis zuletzt, nach welchen Kriterien und mit welchen Mechanismen ein Abschluss im zweiten Laufzeitjahr nachträglich angepasst oder sogar gekündigt werden kann, wenn die Inflation hoch bleibt.

48-Stunden-Warnstreik: Norddeutsche Häfen stehen still

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 23. August 2022, 18 Uhr