Fragen & Antworten

3 Milliarden Plastiktütchen – So schummeln Kunden beim Obsteinkauf

Der Verbrauch von Plastiktüten geht zurück. Aber nicht bei den dünnen Tütchen für Obst und Gemüse. Drei Milliarden nutzten Kunden 2018 bundesweit. Die Gründe – und Lösungsvorschläge.

Äpfel in einer Plastiktüte
In den vergangenen Jahren wurden in deutschen Supermärkten zu viele Plastiktüten verbraucht. Die Frage nach einer guten Alternative steht im Raum.

Warum geht der Verbrauch nicht zurück?

Im Supermarkt von Björn Harste in der Bremer Neustadt gibt es weiterhin die kleinen Plastiktütchen. Er sagt, dass nicht alle Kunden Mehrweg-Tüten wollen. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass es die Plastikbeutel schlichtweg noch gibt. Sie sind nämlich von der europäischen Richtlinie ausgenommen, welche den Verbrauch von Plastik auf dem Kontinent verringern soll. Im Gegensatz dazu hat sich der Verbrauch von größeren Tüten aus Plastik in den vergangenen drei Jahren halbiert. Die sogenannten "Hemdchenbeutel" bleiben allerdings weiterhin beliebt beim Endverbraucher.

Fehlt es an Alternativen?

Eine Alternative gibt es – allerdings kostet sie etwas. Ein Mehrweg-Netz, welches man immer wieder mitbringen kann und sich bei Bedarf sogar waschen lässt. Die meisten Kunden, mit denen Björn Harste in seinem Supermarkt gesprochen hat, wünschen sich, dass die kleinen Tragehelfer aus Plastik gar nicht mehr angeboten würden. Dann würde man automatisch die Alternative nutzen. Jetzt nutzen viele die kleinen Plastiktüten als Ersatz für die nicht mehr vorhandenen großen Tüten, um ihre Einkäufe nach Hause zu bringen.

Wir haben zwar seit ein paar Monaten die Mehrwegnetze, die man einmal kauft und immer wieder befüllen und waschen kann, aber die möchten viele Kunden nicht haben. Sie fragen sich dann zu Recht, warum sie dafür Geld bezahlen sollen, wenn sie eine Alternative umsonst bekommen.

Björn Harste, Betreiber eines Supermarktes in der Bremer Neustadt

Sollte man Plastiktüten ganz verbieten?

Andreas Maroseck verkauft auf dem Findorff-Markt in Bremen Obst und Gemüse. Er ist für ein Verbot. Seiner Meinung nach muss die Politik eingreifen und die Verwendung gänzlich untersagen. In Frankreich gibt es so ein Verbot bereits. Nun werden dort Beutel aus Kartoffelstärke genutzt, die sich nach einiger Zeit von selbst auflösen. Er appelliert außerdem an die Verbraucher, einfach mehr Ware unverpackt zu kaufen.

Sonja Pannenbecker von der Bremer Verbraucherzentrale hat auch noch weitere Vorschläge, um Plastikmüll zu vermeiden. Neben der bekannten Alternative aus Papier gibt es auch die Möglichkeit des Upcycling. So kann man beispielsweise aus alten Gardinen, die man nicht mehr verwenden möchte, solche Hemdchenbeutel selber nähen. Die würden dann auch nicht so viel wiegen und man müsse an der Kasse die Ware nicht extra aus dem Beutel nehmen, um sie wiegen zu lassen. Noch sinnvoller ist es allerdings, beim Einkaufen einfach eine eigene Tasche oder einen Rucksack dabei zu haben.

Autor

  • Wolfgang Loock

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier läuft, 4. Juni 2019, 17:24 Uhr