Virologe Dotzauer: "Uns jagt ein unsichtbarer Jäger – wir sind Beute"

An diesem frühlingshaften Samstag flanierten viele Menschen durch die Bremer Innenstadt. Das sieht der Bremer Virologe Andreas Dotzauer sehr kritisch. Er warnt vor Sorglosigkeit.

Video vom 25. April 2020
In der Bremer Innenstadt sind zahlreiche Passanten unterwegs.
Bild: Importer

Die Sonne scheint, es ist frühlingshaft warm und die Bremer Innenstadt füllt sich. Waren es während der letzten Wochen noch rund 75 Prozent weniger Menschen auf den Straßen im Vergleich zu Anfang März, sind es jetzt unter der Woche nur noch 33 Prozent weniger. Das haben Frequenzmessungen ergeben.

Und auch Mobilfunkdaten des Telefonkonzerns Telefónica zeigen, dass die Menschen sich wieder mehr bewegen. Experten haben die Daten jetzt ausgewertet. Sie zeigen, dass die Bremer und Bremerhavener nicht mehr so vorsichtig sind und sich mehr bewegen als noch vor wenigen Tagen.

Virologe Dotzauer warnt vor zu viel Sorglosigkeit

Das sieht der Bremer Virologe Andreas Dotzauer kritisch. "Man steht der Situation doch recht fassungslos gegenüber", sage er im Studiogespräch bei buten un binnen.

Wir dürfen nicht vergessen: Da draußen befindet sich ein unsichtbarer Jäger, der uns jagt. Wir sind die Beutetiere. Und je sorgloser wir sind, desto leichter findet er seine Beute. Die Infektionen werden wieder hochgehen.

Andreas Dotzauer, Bremer Virologe

Es sei verständlich, dass die Leute die neuen Lockerungen nutzen würden. Doch dabei sei es wichtig, trotzdem noch die Abstände einzuhalten. Das hätten wir laut Dotzauer in den alltäglichen Situationen – zum Beispiel beim Warten in einer Schlange – schon gut gelernt. Aber sobald wir in der Stadt auf Bekannte treffen würden, sei es schwer, darauf wirklich zu achten. Er warnt vor zu viel Sorglosigkeit. "Sonst werden neue Brandherde ausbrechen", so Dotzauer.

Bremer Zahlen gutes Zeichen – aber Neuinfektionen steigen

Auch wenn die aktuellen Zahlen in Bremen ein gutes Zeichen seien, dürfe nicht vergessen werden, dass sie immer noch steigen. Bremen war bereits über eine längere Zeit bei unter zehn Neuansteckungen, erklärt Dotzauer – heute sind erneut 20 dazugekommen.

Die neue Situation müsse in den kommenden zwei Wochen beobachtet werden, damit Schlüsse aus den Lockerungen gezogen werden können. Doch der Virologe rechnet fest damit, dass die Zahlen weiter ansteigen. Gleichzeitig würde Bremen aber auch die Testkapazitäten ausbauen und erhöhen – und mit dem wärmeren Wetter würden andere Erkältungsviren zurückgedrängt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, den wir jetzt mit leichten Symptomen testen, auch wirklich das Coronavirus hat, ist viel höher", sagt Dotzauer.

Der Liveticker von Samstag:

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. April 2020, 19:30 Uhr