Neue Strafen im Straßenverkehr: Das ändert sich für die Bremer

Die neue Straßenverkehrsordnung ist in Kraft getreten. Auch Autofahrer in Bremen und Bremerhaven müssen bei Fehlverhalten jetzt tiefer in die Tasche greifen.

Ein Polizist steht an einem Auto mit geöffneter Beifahrertür.
Für Autofahrer bedeutet die neue Straßenverkehrsordnung vor allem einen happigen Bußgeldkatalog. Falsch halten oder parken etwa kann künftig viermal so viel kosten wie zuvor. Bild: DPA | Britta Pedersen

Die allermeisten Autofahrer werden das Gefühl kennen: Man ist unterwegs, hat es womöglich eilig und zack... strahlt einem der Blitzer ins Gesicht. Ein panischer Blick auf den Tacho, dann die erleichternde Gewissheit: Puh, waren ja nur ein paar Stundenkilometer zu viel. Im Idealfall bedeutete das bislang nur ein kleines Bußgeld.

Das ändert sich jetzt: Am Montagabend wurde die neue Straßenverkehrsordnung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Jetzt ist sie in Kraft getreten. Autofahrer müssen eher und tiefer in die Tasche greifen – ebenso wie sie schneller Punkte oder gar Fahrverbote zu befürchten haben.

Strafe wegen Geschwindigkeit und Blitzerapps

Wer beispielsweise innerorts mit 16 bis 20 Stundenkilometern zu viel erwischt wird, zahlt 70 Euro. Sind es jedoch 21 bis 25 Stundenkilometer, winken 80 Euro, ein Punkt in Flensburg – und ein Monat Fahrverbot. Außerorts droht dieses ab 26 Stundenkilometern Überschreitung. Wer jetzt mit der Anschaffung einer Blitzer-App liebäugelt, sei ebenfalls gewarnt: Ihre Verwendung gilt nicht länger als juristische Grauzone, sondern wird mit 75 Euro und Punkt in Flensburg geahndet.

Rettungsgasse und Fahrverbote

Das ist jedoch bei weitem nicht die einzige Stellschraube, an der die neue Straßenverkehrsordnung mit Autofahrern künftig deutlich härter ins Gericht geht. Beispiel Rettungsgasse: Wer es versäumt, diese im Ernstfall zu bilden, dem blüht in Zukunft ein Monat Fahrverbot, zusätzlich zu 200 Euro Strafe und zwei Punkten in Flensburg. Sollte jemand die Rettungsgasse gar selbst nutzen oder sich an Einsatzfahrzeuge dranhängen, sind es mindestens 240 Euro, zwei Punkte und zwei Monate Fahrverbot.

Halten, Parken, Punkte

Falsches Fahrverhalten wird also teurer. Falsches Halten und Parken jedoch auch. Kurz mal in zweiter Reihe halten, jemanden rauslassen, etwas ein- oder ausladen: Das ist schon heute nicht erlaubt, wird aber oft geduldet. Im Moment drohen 15 Euro Bußgeld fürs Halten, beim Parken 20 Euro. Die neue Straßenverkehrsordnung bestraft das deutlich härter: 55 Euro und bei Behinderung anderer sogar 70 Euro sowie einen Punkt in Flensburg. Auf diese Höhe werden auch das das Halten auf Schutzstreifen sowie das Parken auf Geh- und Radwegen angehoben.

Radfahrer-Rechte gestärkt

Maike Schaefer
Betont Bremens Vorreiterrolle bei neuen Regelungen für Radfahrer in der Straßenverkehrsordnung: Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne).

Apropos Radfahrer: Denen wird durch die neue Straßenverkehrsordnung an vielen Stellen der Rücken gestärkt. Der Grünpfeil zum Rechtsabbiegen etwa gilt jetzt auch für Radler, nebeneinander fahren ist ihnen nun ausdrücklich erlaubt und beim Überholen müssen Autofahrer mit 1,5 Metern innerorts und bis zwei Metern außerhalb von Ortschaften einen größeren Sicherheitsabstand einhalten. Auch Fahrradzonen, wie sie in der Bremer Neustadt bereits existieren, sollen Kommunen nun leichter einrichten können. Vorgesehen ist auch die Einrichtung von Parkflächen und Ladezonen für Lastenfahrräder sowie die vermehrte Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrende in Gegenrichtung.

Besonders die Fahrradzonen sind für Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) Grund zur Freude. Die Fahrradzonen seien "quasi in Bremen erfunden" worden, die Maßnahme sorge gemeinsam mit den anderen "für mehr Lebensqualität in den Städten, für besseren Umweltschutz und vor allem für die Sicherheit der Radlerinnen und Radler."

Freie Fahrt fürs Rad: Das ist die neue Bremer Straßenverkehrsordnung

Video vom 25. Februar 2020
Zu sehen ist eine Straße mit dem neuen Verkehrsordnungsschild.

Autor

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. März 2020, 19:30 Uhr