Meinungsmelder

Befragung: Viele sehen Radfahrer als die größten Verkehrsrowdys

"Rücksichtslos", "egoistisch", "voll": Diese Worte fallen den Radio Bremen Meinungsmeldern zuerst zum Verkehr in Bremen ein. Größtes Ärgernis: Die anderen Verkehrsteilnehmer.

Video vom 30. Januar 2020
Eine Fahrradampel im Bremer Viertel, die auf Gelb steht.

70 Prozent der Radio-Bremen-Meinungsmelder geben an, dass sie sich über andere Verkehrsteilnehmer aufregen. Damit liegen "die Anderen" unangefochten an der Spitze des Ärgernis-Rankings. Auf Platz zwei folgt der Zustand der Straßen, Rad- und Gehwege, über den sich 58 Prozent der Meinungsmelder ärgern. Ebenfalls für Aufregung unter vielen Befragten sorgen die Ampelschaltung (Rang drei), die Parksituation (Rang vier) sowie Staus und Verkehrsbehinderungen (Rang fünf).

Die größten Ärgernisse auf Bremens Straßen

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Am schlechtesten unter allen Verkehrsteilnehmern kommen die Fahrradfahrer bei den Meinungsmeldern weg. 48 Prozent der Befragten nehmen sie als "Verkehrsrowdys" wahr. Das Pikante daran: Der Großteil der Befragten ist selbst viel mit dem Fahrrad unterwegs: 41 Prozent nutzen für alltägliche Wege vorzugsweise das Rad.

Besonders kritisch blicken die Fußgänger und die Autofahrer unter den Befragten auf Radler: 68 Prozent beider Gruppen bescheinigen den Radfahrern, dass sie sich am wenigsten an Verkehrsregeln halten.

Für Radfahrer, vor allem in Schwachhausen und im Viertel, scheint es keine Verkehrsregeln zu geben. Sie fahren sehr schnell, wo und wie sie wollen – und schimpfen dann noch über Autofahrer und Fußgänger.

Meinungsmeldering Gabriele Steinbach

Jan Schaefer sieht es ganz ähnlich: "Die Radfahrer denken alle, sie hätten Vorfahrt", sagt er. Außerdem neige, wer mit dem Fahrrad unterwegs sei, dazu, Fußgängern die Wege zu verstellen, wenn sie an einer Ampel warten müssten. Bernd Schebesta bezeichnet Bremens Radfahrer gar als "katastrophal disziplinlos".

Das sind die Schlimmsten auf den Straßen

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Es gibt allerdings auch Meinungsmelder, die um Verständnis für Fahrradfahrer werben. So sagt Ute Hempen: "Die Radfahrer sind die Gruppe mit den schlechtesten Voraussetzungen in der Stadt." Denn sie fänden weniger günstige bauliche Bedingungen vor als Autofahrer. "Gleichzeitig wollen wir, dass möglichst viele Rad fahren. Da befinden sich die Radfahrer immer noch zwischen Baum und Borke", bemängelt Hempen.

Hackordnung auf den Straßen

Betrachtet man die Aussagen der Meinungsmelder genauer, so drängt sich der Verdacht auf, dass es auf Bremens Straßen eine Hackordnung gibt. Fußgänger finden Radfahrer am schlimmsten (zu 68 Prozent). Fahrradfahrer wiederum sehen in den Autofahrern die größten Übeltäter (zu 51 Prozent). Und Autofahrer schließlich schimpfen am häufigsten über Radfahrer (zu 68 Prozent).

Wer wen auf dem Kieker hat

Grafische Darstellung von Fingern, welche auf Radfahrer oder Autofahrer zeigen 68% Fußgänger 68% Autofahrer 51% Radfahrer

Meinungsmelder Lothar Beutler wünscht sich mit Hinblick auf diese Hackordnung in Bremens Straßenverkehr "eine Umkehr der Machtverhältnisse": Es müsse sich grundsätzlich die gesellschaftliche Haltung ändern, findet Beutler. Zuerst müsse der Fußgänger kommen, dann der Radfahrer und erst danach stärkere Verkehrsteilnehmer. Auch wünscht sich Beutler "mehr ÖPNV".

Beutler ist nicht der einzige Meinungsmelder, der sich mit der Verkehrsinfrastruktur unzufrieden zeigt. 57 Prozent aller Befragten finden, dass sich die Verkehrsinfrastruktur ändern müsse, damit das Miteinander im Straßenverkehr funktioniert. Um diesen Vekehr in Bremen künftig besser zu planen, empfiehlt Meinungsmelder Elmar Bergmann "wesentlich mehr Bürgerbeteiligung".

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Januar 2020, 19.30 Uhr