Moorbrand: Darum werden Bremer den Rauch noch häufig riechen

In Meppen brennt das Moor – ein Ende ist nicht in Sicht. Warum dauern die Löscharbeiten so lange? Und wieso zieht der Rauch mehr als 100 Kilometer weit? Die Fakten.

Ein Feuerwehrfahrzeug steht in Meppen hinter einem verkohlten Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle.
Moorbrände wie dieser in einem Moor bei Meppen kommen im Emsland immer wieder vor. Bild: DPA | Friso Gentsch

Aus der Nähe sieht der Moorbrand bei Meppen wenig spektakulär aus. Zwar brennen mehr als sechs Hektar Moorlandschaft auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 91) der Bundeswehr bei Meppen, aber hohe Flammen sieht man nicht. Vielmehr schwelt das Feuer unter der Oberfläche, nachdem es sich tief in den trockenen Boden fressen konnte.

Die Rauchwolke ist teilweise auch noch in Bremen und Hamburg zu riechen. In den vergangenen Tagen haben die Feuerwehren in beiden Städten immer wieder Anrufe von besorgten Menschen erhalten. Wir erklären die Hintergründe.

1 Leichte Asche, keine Gifte

Dass der Rauch auch so weit entfernt von Meppen in Bremen noch Eindruck macht, liegt daran, dass die Asche von brennendem Torf besonders leicht ist und so vom Wind weit getragen werden kann. Anwohner im emsländischen Stavern, das unmittelbar an die Brandfläche grenzt, hatten sich über den teilweise sehr beißenden Rauch beschwert. Doch es bestehe keine Gefahr, sagt Holger Dyckhoff, Kreisbrandmeister im Emsland. Besonders hohe Atemgifte entstünden bei dem Brand nicht. Schließlich brennen im Moor keine künstlichen Stoffe, sondern vor allem Pflanzen. Vom Geruch her erinnert der Rauch deshalb auch stark an ein Osterfeuer.

Unangenehme, weitreichende Rauchwolken zeichnen Moorbrände seit jeher aus. Als die Emsländer die Moorflächen im 19. Jahrhundert kontrolliert abbrennen ließen, um dort anschließend Buchweizen anzubauen, sollen sich sogar Menschen in Prag und Berlin über den Gestank beschwert haben, erklärt Michael Haverkamp, Leiter des Moormuseums in Geeste. Teilweise hätten diese Moorbrände deshalb sogar zu diplomatischen Konflikten geführt.

2 Ursache: Neue Munition und fehlender Löschhubschrauber

Im aktuellen Fall wurde der Flächenbrand durch ein Versehen der Bundeswehr ausgelöst. Der Kampfhubschrauber "Tiger" hatte für einen Test neuartige Munition in die Moorlandschaft gefeuert. Das ist auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle zwar erlaubt, normalerweise sollte dabei aber unter anderem ein Löschhubschrauber bereitstehen. Auf diesen hat die Bundeswehr jedoch dieses Mal verzichtet – offenbar weil man die Brandgefahr trotz des immer noch sehr trockenen Moores unterschätzte. Als dann noch Spezialfahrzeuge zum Löschen ausfielen und der Wind das Feuer entfachte, war der Brand nicht mehr so leicht in den Griff zu bekommen.

3 Löscharbeiten könnten Monate dauern

Eine Woche lang hat die Bundeswehr mit ihrer betriebseigenen Feuerwehr versucht, den hartnäckigen Moorbrand zu löschen. Inzwischen hat sie die Feuerwehr Osnabrück und Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) aus dem ganzen Nordwesten zur Unterstützung angefordert – darunter auch eine Gruppe aus Bremen-Nord. Das THW soll auf dem Gelände Wasserförderstrecken für sechs Großpumpen bauen. Die Osnabrücker Feuerwehr ist mit einem Spezialfahrzeug im Einsatz, das mehr als 7.000 Liter Wasser pro Minute in den Moorboden pumpen kann. Wie lange der Brand und damit die stinkende Rauchwolke noch bleiben werden, dazu will derzeit aber niemand eine Prognose abgeben. Bei einem ähnlichen Brand vor acht Jahren dauerten die Löscharbeiten drei Monate.  

4 Moorbrand könnte Tiere gefährden

Der Naturschutzbund (NABU) Emsland befürchtet, dass durch den Flächenbrand nun vor allem Kleintiere wie Eidechsen und Schlangen sowie Insekten ums Leben kommen. Außerdem sei die Feinstaubbelastung durch das Feuer nicht zu unterschätzen, so Jutta Over vom NABU im Meppen. Sie kritisiert, dass die Bundeswehr bei den aktuell trockenen Bodenverhältnissen überhaupt Munition getestet hat.

5 Bundeswehr: Brände nicht ungewöhnlich

Ein Sprecher der Wehrtechnischen Dienststelle erklärte zu den Vorwürfen, komplett ausschließen könne man Moorbrände eben nicht. "Wenn ich mich richtig informiert habe, hätte der Sommer nur zwei, drei Tage weiter bei den entsprechenden Temperaturen bleiben müssen, und wir hätten auch ohne irgendwelche Munitionseinwirkung den schönsten Moorbrand haben können", sagte Thomas Malyusz, stellvertretender Direktor der Dienststelle, dem NDR. Tatsächlich brennt es auf dem Gelände laut Bundeswehr 80 bis 100 Mal pro Jahr nach Übungen.



  • Kathrin Kampmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 11. September 2018, 21 Uhr