Fragen & Antworten

Darum hat Bremen nun doch viele Luftreiniger für Schulen angeschafft

Eigentlich wollte Bremerhaven gar keine Luftreinigungsanlagen für Klassenzimmer anschaffen, Bremen nur ein paar. Jetzt sieht die Lage aber ganz anders aus.

Ein Gerät, das aussieht wie ein Kühlschrank, steht in einem Klassenzimmer.
Diese Luftreiniger, die aussehen wie ein großer Kühlschrank, sollen die Luft in Bremerhavener Klassenzimmern reinigen. Ein Gerät kostet rund 3.500 Euro. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Luftfilteranlagen für Klassenräume sind umstritten. Auch Bremen und Bremerhaven waren erst gegen den Einsatz in großem Stil. Noch im Herbst sprach sich Bremerhavens Schuldezernent Michael Frost ganz klar gegen mobile Luftreinigungsanlagen aus. Es sei fraglich, ob sie wirklich die gewünschten Resultate brächten.

In Bremen war eine kleine Lösung geplant: 25 solcher Anlagen wolle die Stadt anschaffen, sagte Stephanie Dehne vom Bildungsressort im Oktober – bei 143 allgemeinbildenden Schulen eine sehr überschaubare Zahl. Die mobilen Luftreinigungsanlagen sollten lediglich in Räumen zum Einsatz kommen, die sich nicht durch Fenster lüften ließen. Jetzt sieht die Lage anders aus.

Wie viele Luftreinigungsanlagen gibt es mittlerweile im Land Bremen?
Mittlerweile sind an Schulen in der Stadt Bremen 436 Luftreinigungsgeräte im Einsatz oder bestellt, sagt Annette Kemp, Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung. In Bremerhaven werden 136 Geräte installiert, 100 davon in Grundschulen, da die Schüler hier am meisten Präsenzunterricht hätten und die Hygieneregeln schwieriger einhaltbar seien, teilt der Magistrat mit.
Warum gibt es jetzt so viele Anlagen?
Es habe sich herausgestellt, dass in einigen Klassenzimmern nicht richtig gelüftet werden könne. Die Fenster ließen sich nicht überall vollständig öffnen oder es seien zu wenig Fenster vorhanden. Deshalb habe man sich entschieden, doch Lüfter anzuschaffen, damit möglichst viele Klassenräume genutzt werden können, erklärt Magistratssprecher Volker Heigenmooser. Mithilfe der Lüfter können nun an einigen Schulen auch Fachräume wieder genutzt werden, die seit September gesperrt waren, wie etwa Musikräume und Bibliotheken.

In Bremen habe man sich ebenfalls entschieden, bei der Ausstattung der Schulen nachzujustieren, sagt Kemp. Bei Bedarf können die Schulen Lüfter bestellen, berichtet sie. Zurzeit werde dafür sogar ein Antragsverfahren erarbeitet. Das Stoßlüften über die Fenster bleibe aber das A und O, sagt Kemp. Luftreiniger seien eine Ergänzung.
Müssen die Kinder in den Räumen mit Lüftungsanlage dann nicht mehr frieren?
Leider doch. Holger Schneeberg, Technischer Leiter beim städtischen Betrieb "Seestadt-Immobilien", hat die Anlagen mit seinem Team in Bremerhaven installiert. Er stellt klar: "Diese Geräte dienen als Unterstützung zur konventionellen Lüftung über die Fenster." Die Fenster müssten weiterhin geöffnet werden, um CO2 zu minimieren. Es sollten weiterhin alle Schutzmaßnahmen genutzt werden.
Wie machen das andere Bundesländer?
Die meisten Bundesländer verweisen auf das Bundesumweltamt, das den Einsatz von mobilen Filteranlagen kritisch sieht. Das Amt hält ihn lediglich in Ausnahmefällen als zusätzliche Maßnahme für gerechtfertigt, wenn etwa Fenster nicht ausreichend geöffnet werden können. Ansonsten sei die Wirksamkeit in Hinblick auf die Reduzierung von Corona-Viren bislang nicht eindeutig nachgewiesen. Zudem würden die Geräte nicht CO2, Luftfeuchte und diverse andere Stoffe aus der Luft beseitigen.

Eine Vorgabe für Luftfilteranlagen gibt es in keinem Bundesland. Einige sprechen sich aktuell vehement dagegen aus. Sachsen-Anhalt argumentiert etwa, dass die Geräte keine Investition in die Zukunft seien, nach Beendigung der Pandemie seien sie überflüssig. Nur ein paar wenige Bundesländer, wie Bayern, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Berlin, haben jetzt auch Geld für Anlagen zur Verfügung gestellt.

Rückblick: Was passiert mit den Abluftanlagen für Klassenräume?

Video vom 29. Januar 2021
In einer Schule wird eine privat organisierte Abluftanlage gegen Aerosole instaliert.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Februar 2021, 19:30 Uhr