Weltpremiere in Bremerhaven: Schiff auf Flüssiggas umgebaut

German Dry Docks ist weltweit die erste Werft, die ein Containerschiff auf einen neuartigen Antrieb umgerüstet hat. Die Bremerhavener haben den Schiffsmotor der "WES Amelie" für Flüssiggas fit gemacht. Dieses sogenannte LNG (Liquified Natural Gas) gilt als der Stoff, der die Schiffe der Zukunft antreiben wird. Das Gas ist sauberer und effektiver als das bislang auf Schiffen genutzte Schweröl.

Was ist der Vorteil von LNG?

Die meisten Container- und Kreuzfahrtschiffe fahren mit Schweröl, das besonders umwelt- und gesundheitsschädlich ist. Die Nutzung dieses Treibstoffes sei nichts weiter als "Sondermüllverbrennung", sagt der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschlands, Leif Müller.

LNG kann ein Ausweg sein. Denn mit dem Einsatz von Flüssiggas wird die Schadstoffemission eines Schiffes reduziert. Laut der Reederei Wessels, die die "WES Amelie" betreibt, reduziert sich der Ausstoß von Kohlendioxid um rund 20 Prozent, der von Stickoxiden um etwa 90 Prozent und Schwefeloxide verschwinden fast komplett aus den Abgasen des umgebauten Schiffes. Christian Hoepfner von der Wessels Reederei führt noch weitere Vorteile ins Feld: 800 Kilogramm LNG hätten den Energiegehalt von 1.000 Kilogramm herkömmlichen Schiffstreibstoffs. Außerdem sei LNG günstiger im Einkauf.

Warum wird LNG nicht schon viel mehr genutzt?

"Es fehlt an Versorgungsstationen mit Flüssiggas", sagt Thorsten Pohle von der German Dry Docks in Bremerhaven. "Es ist wie die Geschichte mit der Henne und dem Ei." Die Reedereien warteten auf die LNG-Stationen und die LNG-Produzenten auf die Reeder.

Aber es tut sich etwas. In Brunsbüttel direkt am Nord-Ostsee-Kanal soll wahrscheinlich das erste LNG-Terminal Deutschlands entstehen. Wenn die Planungen nicht ins Stocken kommen, könnte die Anlage Anfang der 2020er den Betrieb aufnehmen. Das für Norddeutschland nächstgelegene LNG-Terminal ist derzeit in Rotterdam. Von dort aus können Tanklaster jene Schiffe versorgen, die nicht in Rotterdam festmachen.

Welcher Antrieb ist günstiger – Schweröl oder LNG?

Schweröl hinterlässt in den Schiffsmotoren viele Ablagerungen und verursacht deshalb intensive Wartungsarbeiten. LNG dagegen verbrennt zwar viel sauberer, muss aber aufwendig gelagert werden: Damit das Gas flüssig bleibt, wird es unter hohem Druck und bei minus 162 Grad Celsius an Bord gebunkert. Dafür ist wiederum kompliziertere Technik als beim Schweröl notwendig. Prototypen wie die "WES Amelie" werden zeigen, welche Technik sich tatsächlich für Reeder rechnet.

Tankeinbau auf der "WES Amelie"
In dem 500 Kubikmeter großen Tank wird das LNG an Deck unter hohen Druck und bei minus 162 Grad gebunkert. Bild: German Dry Docks AG

Es gibt einige Schiffsneubauten, die von Beginn an mit LNG-Antrieb geplant wurden. Der Umbau des fast 152 Meter langen Containerschiffs in Bremerhaven war aber eine Weltpremiere. "Wir mussten uns nach dem vorgegebenen Platz richten", sagt Pohle von der German Dry Docks. So sei beispielsweise an Deck extra ein 500.000 Liter fassender LNG-Tank eingebaut worden. "Wir haben viele Erfahrungen beim Umbau gesammelt und könnten nun weitere Schiffe umrüsten." Um die Hemmschwelle für den kostenintensiven Umbau zu senken und weitere Schiffe mit LNG-Antrieb auf die Meere zu schicken, hat das Bundesverkehrsministerium ein 30 Millionen Euro hohes Förderprogramm aufgelegt. Im Fall der "WES Amelie" steuerte das Ministerium 60 Prozent der Gesamtumbaukosten von weniger als zehn Millionen Euro bei.

  • Alexander Drechsel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. August 2017, 19:30 Uhr