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Wie gefährlich sind Impfdurchbrüche? Das sagt ein Bremer Virologe

Video vom 11. Oktober 2021
Coronatest positiv
Bild: Imago | Action Pictures
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Corona-Infektionen trotz Doppelimpfung rücken zunehmend in den Fokus. In Bremerhaven sind so etliche Menschen nach einer Chorprobe erkrankt. Ein Experte erklärt die Gründe.

In vielen Bereichen scheint sich das alltägliche Leben mit der steigenden Impfquote zu normalisieren. Doch der Schein kann trügen. Auch bei Geimpften kommt es immer wieder zu Corona-Infektionen – sogenannten Impfdurchbrüchen. Das musste unlängst auch ein Frauenchor in Bremerhaven erfahren. Nach einer Probe wurden zwei Drittel der Sängerinnen positiv auf Corona getestet, obwohl fast alle den vollen Impfschutz hatten.

Zu der folgenschweren Chorprobe kam es am 21. September. Ein paar Tage später seien die ersten positiven Tests gemeldet worden, berichtet die Vorsitzende des Chores, Hildegard Husmann. Dann seien es immer mehr geworden, darunter auch Jüngere – zuletzt waren es über 20 positive bei acht negativen Fällen. Fast alle Chormitglieder seien geimpft gewesen, es hätte zudem die 3G-Regel gegolten.

"Es ist total nach hinten losgegangen und eine ganz große Katastrophe für uns", sagt Husmann. Manche der erkrankten Frauen hätten zeitweise ihren Geschmacks- und Geruchssinn verloren, andere mit Fieber zu kämpfen gehabt. Die gute Nachricht der Chor-Vorsitzenden: "Inzwischen geht es Gott sei Dank allen wieder richtig gut."

Warum nehmen Impfdurchbrüche generell zu?
Die Zahl an Neuinfektionen ist nach wie vor hoch. Darunter ein hoher Anteil an geimpften Personen, sagt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer. Es komme zu Kontakten zwischen infizierten und geimpften Personen. "Allein dadurch ergibt sich, dass bei keinem ein hundertprozentiger Impfschutz besteht." Man sehe aber auch deutlich, dass bei Geimpften die Folgen dieser Infektionen deutlich niedriger seien als bei den Nichtgeimpften, nämlich die Hospitalisierung und die Intensivbehandlung mit Beatmungsgeräten.
Besonders Ältere sind betroffen. Wie kommt das?
Von den Durchbrüchen scheint die Altersgruppe über 60 am häufigsten betroffen zu sein, so der Virologe. Gefolgt von den 30- bis 60-Jährigen und den Jüngeren an dritter Stelle. Dotzauer leitet daraus ab, dass der vollständige Schutz, den Ältere schon früh erworben haben, offensichtlich nachlässt. "Und das ist wiederum ein Hinweis darauf, dass man mit der Drittimpfung in dieser Altersgruppe beginnen sollte."
Kommen die Drittimpfungen zu spät?
Nein, sagt der Experte. Man müsse für den Verstärkungseffekt eine gewisse Zeit zwischen den Widerholungsimpfungen verstreichen lassen, mindestens fünf, besser sind sechs bis neun Monate. "Da hat man nicht zu lange gewartet." Dotzauer empfiehlt allen eine Impfung, die über 60 sind und deren letzte Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Auch Genesene sollten sich demnach ungefähr im gleichen Zeitraum zwischen sechs und neun Monaten später um die Auffrischungsimpfung bemühen.
Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Impfstoffe?
Es macht einen Unterschied, welches Vakzin verimpft wurde. Die Einfachimpfung mit Johnson & Johnson zeigt laut Dotzauer auf Dauer den schwächsten Effekt. Die mRNA-Impfstoffe nähmen sich nicht viel. Wobei man hier beobachte, dass der Impfstoff von Moderna einen höheren Antikörperanteil über einen längeren Zeitraum gewährleiste als der von Biontech. Eine Kombination der Erst- und Zweitimpfung aus Vektor- und mRNA-Impfstoff zeige die beste Wirkung.

Wir müssen an die Mutation denken – je mehr Infizierte, desto mehr Mutationen.

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Andreas Dotzauer, Virologe
Was passiert, wenn nicht auf die Entwicklungen reagiert wird?
Erfolgt jetzt keine Reaktion auf die Situation, nimmt die Zahl der Infektionen weiter zu, ist sich Dotzauer sicher. Damit nehme auch die Virusmenge zu, die insgesamt im Umlauf sei. Dahinter verberge sich laut des Experten die Gefahr, dass Varianten entstehen, die noch mehr zu Impfdurchbrüchen führen. Logische Folge wäre, dass dann ohnehin wieder über weitere Maßnahmen nachgedacht werden müsse.

Generell plädiert der Virologe dafür, besonders Maskenregeln nicht aufzuweichen: "Masken sind ein billiges, effektives Mittel", so Dotzauer. Das sei wissenschaftlich nachgewiesen und wichtig, um dem Trend entgegen zu wirken.

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Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Oktober 2021, 19:30 Uhr