Mehrere Hundert Demonstranten legen Hafen in Bremerhaven lahm

  • Hunderte GHBV-Mitarbeiter demonstrieren für ihre Jobs
  • Erhebliche Verkehrsbehinderungen in der Stadt
  • Insolvenzantrag des GHBV ist bei Gericht eingegangen
Männer in orangefarbenen Jacken halten Plakate hoch.
Mitarbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins demonstrierten am Containerterminal in Bremerhaven. Zuvor hatte es eine Demonstration vor dem Bremer Rathaus gegeben. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Hunderte Mitarbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins (GHBV) demonstrierten am Mittwochnachmittag im Hafengebiet in Bremerhaven für den Erhalt ihrer Jobs. Mit Plakaten zogen sie durch die Straßen und behinderten zum Schichtwechsel den Verkehr. Der Rückstau reichte bis in die Innenstadt. Die Protestaktion verlief friedlich. Die Polizei schritt teilweise ein, um Arbeiter auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hinzuweisen. Aufgerufen zu der Demonstration hatte die Gewerkschaft Verdi.

Männer in orangefarbenen Jacken halten Plakate hoch.
Mit verschiedenen Plakaten marschierten die GHBV-Mitarbeiter in Bremerhaven durch das Hafengebiet und blockierten den Verkehr. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Die Hafenunternehmen wie BLG und Eurogate versuchten, die Corona-Lage auszunutzen, um drastisch zu sparen und die Löhne zu drücken, kritisierten die GHBV-Arbeiter und Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Dabei seien die Betriebe durch Bundesgesetze verpflichtet, in die Kassen des GHBV einzuzahlen. Stattdessen ließen sie ihn ausbluten, um immer mehr Zeitarbeitsfirmen einzusetzen. Der GHBV ist die Personalreserve im Hafen und stellt flexibel Arbeitskräfte vom Autoumschlag bis zur Containerabfertigung.

Bereits am Mittwochmorgen hatten rund hundert GHBV-Mitarbeiter vor dem Bremer Rathaus demonstriert. Dabei bekamen sie Unterstützung von Kollegen aus Hamburg. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sicherte den Demonstranten die Hilfe des Senats zu. Beide Standorte in Bremen und Bremerhaven müssten erhalten bleiben.

Weitere Proteste geplant

Die Hafenarbeiter wollen weiter auf die Straße gehen – die Proteste an diesem Mittwoch seien erst der Anfang, sagte ein Sprecher. Für den 19. Dezember ist eine Protestaktion in Hamburg angekündigt.

Der Gesamthafenbetriebsverein hat derweil die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Bremen eingereicht. Das hat eine Sprecherin des Gerichts buten un binnen bestätigt. Nachdem sich der Betriebsrat mit Verdi und dem Unternehmensverband Bremische Häfen nicht über den weiteren Sparkurs einigen konnte, hatte der Personaldienstleister der Hafenunternehmen in Bremerhaven und Bremen diesen Schritt Anfang November angekündigt. An diesem Mittwoch ist der Antrag eingegangen. Rund 1.300 Jobs sind in Bremen und Bremerhaven in Gefahr.

Rückblick: GHBV leitet Insolvenzverfahren ein – 1.300 Arbeitsplätze vor dem Aus?

Video vom 4. November 2020
In einem Hafen stehen Kräne. Im Vordergrund wird ein Container bewegt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Dezember 2020, 19:30 Uhr