So wird die Bremer Galopprennbahn ab September genutzt

Was soll auf dem Galopprennbahngelände in der Bremer Vahr passieren? Ideen gibt es viele. Diese fünf Projekte können ab September starten – übergangsweise.

Die Galopprennbahn aus der Luft gesehen
Das Gelände ist groß. Sechs Initiatoren hoffen auf gute Zusammenarbeit. Bild: Radio Bremen

Rund 40 Ideen für die Nutzung des Geländes der Galopprennbahn sind schon bei der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) in Bremen eingegangen. Die ZZZ ist dafür zuständig, die Ideen zu sichten, zu prüfen und in einer Lenkungsgruppe – mit Mitgliedern der verschiedenen Ressorts – zu entscheiden, wer die Fläche für eine begrenzte Zeit mit Leben füllen soll. Eine Bebauung des Areals ist durch den Bürgerentscheid von 2019 vom Tisch. "Wichtig ist, dass die Projekte auf Zeit angelegt sind, es gibt keine langfristige Sicherheit für die Nutzung. Im Zweifelsfall müssen die Projekte innerhalb von zwei bis vier Wochen abgebaut werden können", erklärt Oliver Hansemann von der Bremer Zwischenzeitzentrale. Die Projekte müssten miteinander funktionieren und die Bewohner in der Nachbarschaft ansprechen. Wie lange die Galopprennbahn für die einzelnen Projekte nutzbar bleibt, steht noch nicht fest.

Der runde Tisch zur Zukunft der Galopprennbahn hat sich erst im Juni das erste mal per Videokonferenz getroffen. "Da steht unsere Arbeit noch ganz am Anfang", sagt Andreas Sponbiel, Sprecher der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen. Ende der Sommerferien, Anfang September sollen aber schon die ersten Ideen umgesetzt werden. Momentan stehen Projektinitiatoren und Zwischenzeitzentrale im Austausch, wer seine Projekte wo auf dem rund 30 Hektar großen Gelände umsetzen kann. Sechs Projekte stehen schon fest.

1 Oberschule Sebaldsbrück: Galopprennbahn als Lernort

"Wir haben 101 Idee und noch mehr. Was genau auf der Fläche passiert, das sollen die Schüler und Schülerinnen mit entscheiden", sagt Claudia Bundesmann, Schulleitung der Oberschule Sebaldsbrück. "Zunächst einmal sollen die Schülergruppen auf einem leeren Gelände stehen und überlegen, was sie damit machen wollen. Das kann landwirtschaftliche Selbstversorgung, Sport, Bauen unter nachhaltigen Aspekten oder auch Fremdsprachenunterricht sein, da sind wir offen.“ Was auf jeden Fall schon fest geplant ist: Ein Unterstand für Regentage. Denn die Schüler sollen bei Wind und Wetter raus in die Natur und das nicht nur für einen Tag, sondern monatsweise oder auch ein ganzes Jahr. 'Outdoor Schooling' nennt sich das Konzept.

Bundesmann hofft, dass ihre Schüler so wieder eine Verbindung mit der Erde aufnehmen: "Die sollen aus ihrer Komfortzone rauskommen und lernen, mit den natürlichen Bedingungen zurechtzukommen."

2 Golf ohne Regeln und Dresscode

Ein Mann mit blauem T-Shirt und weiß-schwarzer Cappi trägt einen Golfschläger über der Schulter.
Matthias Jürgens hat viele Ideen für das Galopprennbahngelände. Bild: Matthias Jürgens

Golflehrer Matthias Jürgens möchte auf der Galopprennbahn crossgolfen. "Das ist wie traditionelles Golf, nur ohne aufwendiges Regelwerk und Bekleidungsetikette", erklärt der Trainer vom TUS Comet Arsten. "Nach den Sommerferien wollen wir loslegen, da freue ich mich schon richtig drauf." Das besondere am Crossgolf ist, dass es eine keine festen Ziele gibt wie auf einem Golfplatz. Die Ziele steckt Jürgens selbst und kann sie flexibel versetzen. Das könnten Netze, Baumstämme oder andere Markierungen sein. Schläger und die speziellen Crossgolfbälle hält er zum ausleihen bereit und gibt jedem Besucher, ob jung oder alt, ob mit oder ohne Handicap eine kurze Einführung.

"Wir könnten uns auch Turniere vorstellen, da spielt natürlich auch der Wettkampfgedanke mit. Oder Nachtspiele mit leuchtenden Bällen", träumt Jürgens weiter von der Nutzung der Galopprennbahn und will aus auch die ehemalige Driving-Range nutzen – als Crossgolf-Driving-Range.

3 Ballonfahrten aus Bremen

Ein rotweißer Heißluftballon vor blauem Himmel. Das Bild ist von unten aufgenommen.
Dieser Ballon könnte ab September auf der Galopprennbahn starten. Bild: Ballonsport-Bremen e.V. | Wolfgang Pastler

Der Bremer Ballonsportverein kann sich vorstellen, auf der Galopprennbahn zu starten. "Das ist ein unwahrscheinlich schöner Startplatz. Wir können direkt über der Stadt starten oder Richtung Achim– je nachdem wohin der Wind weht", erklärt Reinhart Peschel vom Bremer Ballonsportverein. Ein Startrecht für die Galopprennbahn haben sie aber noch nicht, das kann nur der Eigentümer ausstellen. Sollten sie es in den nächsten Monaten kommen, dann würden sie zwei bis viermal im Monat von dort mit ihrem Heißluftballon in die Luft gehen.

"Wir brauchen auch nicht so viel Fläche, ein Fußballfeld oder ein halbes reicht", erklärt Peschel. Ballonfahrten sind interessant, sagt er. Beim Aufbau gucken immer viele Menschen zu: "Wir legen den Korb hin, dann kommt der Ballon dran. Der wird erst mit kalter Luft aufgeblasen, dann kommt die warme Luft. Wenn genug Luft drin ist, dann will der Ballon weg in die Lüfte", beschreibt Peschel. Kommerzielle Fahrten bietet der Verein mit 18 Mitgliedern aber nicht an. "Bei Veranstaltungen wie dem geplanten Bürgerfest können wir uns auch vorstellen, dass wir den Ballon je nach Wetter einfach aufstellen und vorglühen. Dann leuchtet der Ballon total toll."

4 Bogenschießen für mehr Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit

Das Team um Andrea Overesch möchte gerne intuitives Bogenschießen auf der Galopprennbahn anbieten. "Beim intuitiven Bogenschießen arbeitet man mit dem ganzen Körper. Die Körpererfahrung lehrt uns, wie wir zur Zielscheibe stehen müssen, wie wir die Arme heben und wie der Bewegungsablauf funktioniert", erklärt Overesch. Bei ihren Seminaren verwenden die Schützen schlichte Holzbögen und Holzpfeile.

"Wir arbeiten viel mit Naturmaterialien und kommen beim Bogenschießen selbst zur Ruhe." Momentan trainiert Overesch auf einem Privatgrundstück. Auf der Galopprennbahn könnte sie sich vorstellen, am Wochenende oder am späten Nachmittag Seminare anzubieten. "Das Gelände ist riesengroß, mit ganz viel Natur drumherum, das gibt uns Ruhe und Stille und das ist wichtig zum achtsamen Bogenschießen", erklärt sie. "Da ist einiges möglich."

5 Umweltbildung am Totholzhaufen

Auch die Gruppe Extinction Rebellion (XR) möchte einen Teil der Galopprennbahn nutzen – für ein Umweltbildungsprojekt. "Wir haben dort einen heruntergefallenen Ast unter einer sehr markanten Kiefer entdeckt. Der soll die Basis für ein Totholzbiotop sein", erklärt Hans Schumacher von XR. "Wir wollen der Natur ihren Lauf lassen und zeigen, wie das Holz zerfällt." Für XR ist das ein Projekt für die Artenvielfalt. Dazu will die Umweltschutzbewegung auch Schautafeln aufstellen und über Klima-, Natur- und Umweltschutz informieren. Geplant sind auch Holzbänke. Möglicherweise könnten dort auch Gruppentreffen von XR stattfinden, aber soweit geht die Planung der Gruppe noch nicht.

6 Bürgerfest im September

Die Bürgerinitiative Rennbahngelände (BI) plant außerdem ein Bürgerfest. "Wir würden gerne einen Marktplatz der Ideen veranstalten. Da können sich alle, die sich für eine längerfristige Nutzung interessieren, vorstellen – mit Infotischen oder auf einer Bühne", sagt Andreas Sponbiel, Sprecher der Initiative. Eingeladen sind alle Bremer, Anwohnerinnen und vor allem die, die die Fläche langfristig nutzen wollen. Wie groß das Fest sein wird und was möglich ist, wird den aktuellen Corona-Maßnahmen angepasst. Für die Initiative ist wichtig, dass die Bürger mitentscheiden können, was langfristig auf dem Gelände der Galopprennbahn passiert: "Uns ist wichtig, dass auch aus einer Zwischennutzung eine längerfristige Nutzung werden kann – je nachdem, wie die einzelnen Angebote angenommen werden."

Bei allem Begehungen und Treffen hat Sponbiel festgestellt, dass die Fläche gut gemeinschaftlich genutzt werden kann und will so Sport, Freizeit, Bildung und Kultur zusammenbringen. "Wir haben den Volksentscheid erst gewonnen, wenn auf der Fläche etwas entstanden ist und deshalb wirken wir mit. Wir kennen die Fläche in und auswendig", sagt Sponbiel und freut sich auf die einzelnen Projekte.

Nachrichten vom 21. Juli

Video vom 21. Juli 2020
Die Galopp-Rennbahn von oben aufgenommen.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Marike Deitschun

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Juli 2020, 19:30 Uhr