Tödlicher Polizeieinsatz in Bremen: Ermittlungen wieder aufgenommen

  • Generalstaatsanwaltschaft: Ermittlungen müssen wieder aufgenommen werden
  • Anwalt der Opfer hatte ein neues Video des tödlichen Einsatzes vorgelegt
  • Staatsanwaltschaft Bremen muss das Video jetzt prüfen und entscheiden
Eine Polizistin sucht nach einem tödlichen Polizeieinsatz nach Spuren.
Bei dem Polizeieinsatz im Juni letzten Jahres wurde ein 54-Jähriger von zwei Schüssen getroffen, wenig später verstarb er im Krankenhaus. Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Ermittlungen im Fall der tödlichen Polizeischüsse in Bremen-Gröpelingen im vergangenen Sommer müssen wieder aufgenommen werden. Das hat die Generalstaatsanwaltschaft Bremen heute entschieden. Im Juni 2020 war ein 54-Jähriger während eines Polizeieinsatzes von zwei Polizeischüssen getroffen worden. Kurz darauf ist der Mann im Krankenhaus gestorben.

Die Staatsanwaltschaft Bremen hatte daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen zwei der vier am Einsatz beteiligten Beamten aufgenommen. Beide Verfahren wurden im Herbst schließlich eingestellt. Gegen die Einstellung des Verfahrens gegen den Bremer Polizisten, der die Schüsse abgegeben hatte, legte der Anwalt der Familie des Opfers, Jan van Lengerich, daraufhin Beschwerde ein. Mit Erfolg.

Laut des Sprechers der Generalstaatsanwaltschaft, Arne Kluger, gibt es jetzt neues Beweismaterial: Ein Video des tödlichen Polizeieinsatzes. Einzelheiten dazu wollte Kluger auf Nachfrage nicht nennen. Das Video sei im Beschwerdeverfahren eingebracht worden und habe zum Zeitpunkt der Einstellung des Verfahrens noch nicht vorgelegen. Der Fall liegt nun wieder bei der Staatsanwaltschaft Bremen. Diese muss das Video prüfen und erneut entscheiden, ob sie Anklage erhebt.

Video soll die Ereignisse aus neuer Perspektive zeigen

Laut van Lengerich zeigt das Video den Vorfall aus einer neuen Perspektive. Kurz nach dem Polizeieinsatz war im Internet ein Video aufgetaucht, das die tödlichen Schüsse dokumentiert. Auf dem neuen Video sei das Verhalten der Polizistinnen und Polizisten nach den Schüssen zu sehen, sagte van Lengerich. "Man sieht, dass die beschuldigten Polizisten nicht das tun, was sie tun müssten. Dieses bedarf einer neuen strafrechtlichen Würdigung." Weitere Details dazu wollte der Anwalt nicht nennen.

Das Video ist aber nur ein Teil der Beschwerde von van Lengerich. Er sieht grundsätzliche Versäumnisse der Ermittler: "Es gibt keine Tatort-Fotos in der Akte. Und die Staatsanwaltschaft nimmt das einfach so hin." Es sei ein Unding, dass seine Mandantin das Video selbst besorgen musste. Dies sei Aufgabe der Polizei. "Die Ermittlungen wurden halbherzig gemacht", sagte van Lengerich.

Rückblick: Toter nach Polizeieinsatz in Bremen-Gröpelingen

Video vom 18. Juni 2020
Zwei Polizisten stehen vor einem Absperrband, daeben ein Polizeiauto.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Januar 2021, 19:30 Uhr