Fragen & Antworten

Militär probt den Ernstfall: Bremerhaven wird Drehscheibe

Wenn die US-Army ab Februar die größte Truppenverlegung nach Europa der letzten 25 Jahre probt, dann ist auch Bremerhaven beteiligt. Was steckt hinter der Operation?

Video vom 14. Januar 2020
Der deutsche Generalleutnant Schelleis und der amerikanische Generalmajor Rohling stehen nebeneinander.
Was passiert bei der Übung?
"Defender Europe 2020" heißt die Militär-Übung, die am Dienstag von US-Army und Bundeswehr in Berlin vorgestellt wurde. Dabei proben die USA die Verlegung einer Division aus Amerika nach Osteuropa. Insgesamt sind rund 37.000 Soldaten aus 18 Nationen beteiligt. Über 20.000 US-Soldaten kommen mitsamt Material und Fahrzeugen in Europa an. Damit wird erstmals die Verlegung einer ganzen Division geprobt. Es handelt sich um die umfangreichste Truppenverlegung der letzten 25 Jahre. Der Hauptzeitraum reicht von Februar bis in den Mai 2020. Bei einer größeren Truppenverlegung 2017 wurden mehr als 4.000 Soldaten und 2.000 Fahrzeuge nach Europa verlegt.
Welche Ziele stecken hinter der Operation?
Mit der Operation soll die schnelle Verlegbarkeit größerer Truppenteile über den Atlantik geübt werden. Außerdem soll die Einsatzbereitschaft innerhalb der Nato geprüft und erhöht und gezeigt werden, dass europäische Partner gemeinsame Vorhaben verlässlich unterstützen und umsetzen. Der stellvertretende Kommandeur der US-Army Europe, Major General Andrew Rohling, sprach am Dienstag in Berlin von einem Signal, dass die USA ihrer Verantwortung für Europa und die Nato-Partner gerecht würden.
Mehrere Personen auf dem Hafengebiet vor Panzern und Schiff
Bereits 2017 schlug das US-Militär Militärgüter in Bremerhaven um.
Wo findet das Manöver statt?
Die US-Amerikaner kommen mit Schiffen und Flugzeugen in Europa an. Sie nutzen dafür 14 See- und Flughäfen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland. Übungen finden in Deutschland, Polen, Georgien und dem Baltikum statt. Per Schienen- und Straßentransport geht die Verlegung anschließend weiter Richtung Ost-Europa. Dabei durchqueren die Teilnehmer der Übung zehn Länder. Die Konvoi-Routen werden etwa 4.000 Kilometer lang sein.
Welche Rolle spielt Deutschland?
Deutschland wird aufgrund seiner geo-strategischen Lage die logistische Drehscheibe bei der von den US-Streitkräften geführten Übung sein. Im Sinne des "Host Nation Supports" ist die Streitkräftebasis für Unterstützungsleistungen auf deutschem Hoheitsgebiet zuständig. Darunter fallen neben der politisch-strategischen Ebene vor allem logistische Aufgaben wie Transport und Versorgung oder militärpolizeiliche Begleitung.
Panzer vor dem Schiff "Resolve"
2017 kamen 2.500 Fahrzeuge, Container und andere Ladung im Kaiserhafen von Bremerhaven an.
Was ist in Bremerhaven geplant?
Im geografisch günstig gelegenen Bremerhaven liefern drei Frachter 825 Fahrzeuge an, vom Großpanzer bis zu kleineren Gefährten. Die frühste Anlandung könnte – je nach Durchkommen – am 20. Februar stattfinden, die letzte wird am 26. Februar erwartet. Sechs Konvois mit jeweils rund 150 Fahrzeugen machen sich anschließend auf den Weg Richtung Polen. Die Großpanzer werden über Straßen und Schienen abtransportiert, Lkw und Kleinfahrzeuge fahren selbständig. 2017 wurde ein Großteil der Fahrzeuge und Materialien über Bremerhaven abgewickelt, damals ging es um 900 Eisenbahnwaggons mit militärischem Gerät.
Ist mit Behinderungen für die Bevölkerung zu rechnen?
Um die Belastung für die Bevölkerung zu minimieren, solle der Großteil der Transporte aber nachts zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr erfolgen. Auszuschließen seien Staus und Behinderungen auf den Straßen laut Bundeswehr allerdings nicht.
Gibt es Widerstände gegen die Operation?
Die Linken machen bereits gegen die Operation mobil. Es handele sich um gefährliches Säbelrasseln und keinen Beitrag, die Beziehungen zwischen Russland und der Nato zu verbessern, so Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher der Linken im Bundestag zur "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ein klimafeindliches Großmanöver passe nicht in diese Zeit.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Februar 2019, 19:30 Uhr