So investieren Familienclans in Bremen ihr Geld

Bremen gilt als Hochburg für kurdisch-libanesische Clans. Von deren Geld leben in der Türkei offenbar ganze Dörfer. Nach buten un binnen-Recherchen investieren sie auch hier – in Immobilien.

Polizeichef Daniel Heinke während eines Interviews in seinem Büro.

Bremen gilt neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen als Hochburg für kurdisch-libanesische Familienclans. Nach Polizeiangaben gehören im kleinsten Bundesland insgesamt 3.500 Personen diesen Großfamilien an. Gut die Hälfte ist den Sicherheitsbehörden bereits durch Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten aufgefallen.

Laut Daniel Heinke, Chef der Kriminalpolizei, bewegen sich diese Zahlen seit Jahren auf einem konstanten Niveau. "Im Bereich des kriminellen Verhaltens dieser Clans gibt es keine klar strukturierten — ich nenne es mal: Geschäftsfelder. Wir stellen aber immer wieder fest, dass Personen aus diesem Milieu im Betäubungsmittelhandel tätig sind", sagt er.

Sozialleistungen werden in Immobilien gesteckt

Viele Clanmitglieder haben Verwandte in der Türkei. Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste scheinen vor allem die Verbindungen zwischen Bremen und der türkischen Provinz Mardin sehr eng zu sein. Von dort stammen die meisten Großfamilien, die in Deutschland wohnen. Demnach leben ganze Dörfer vom Geld aus Bremen, Nordrhein-Westfalen oder Berlin. Die Angehörigen in der Türkei bauen davon zum Beispiel ihre Häuser.

Nach Recherchen von buten un binnen wird das Geld aber auch in Bremen oft in Immobilien investiert. Kauft ein Clanmitglied ein Haus, ziehen dort in vielen Fällen Verwandte ein. Leben diese von Sozialleistungen, geht die Miete vom Staat direkt an den Hauseigentümer. Das Geld bleibt also in der Familie und finanziert gleichzeitig den Immobilienkauf. "Dieses Modell des durch staatliche Sozialleistungen finanzierten Immobilienkauf ist der Polizei durchaus bekannt", sagt Kripo-Chef Heinke. Allerdings sei diese Verfahrensweise nicht strafbar.

In Berlin hatte das Landeskriminalamt zuletzt 77 Immobilien einer polizeibekannten Großfamilie beschlagnahmt. Die Berliner Staatsanwaltschaft geht demnach davon aus, dass die Immobilien mit illegalen Geldmitteln aus Straftaten finanziert wurden. 

Kripo-Chef fordert mehr Personal

Die Bekämpfung der Clankriminalität ist für die Polizei keine leichte Aufgabe. Die meisten Angehörigen kooperierten nicht mit der Polizei, sagt der Kripo-Chef. Oft würden Zeugen ihre Aussagen zurückziehen oder erst gar nicht mit der Polizei sprechen wollen. Fest steht aber auch: Nicht alle Clanmitglieder sind kriminell. Die andere Hälfte der Familienangehörigen wird überhaupt nicht straffällig und leidet stattdessen unter dem schlechten Ruf ihrer Verwandten.

Aber tut die Polizei in Bremen zu wenig gegen die Clans? Das weist der Kripo-Chef Heinke zurück. Auch hier werde regelmäßig Geld aus illegalen Geschäften beschlagnahmt, sagt er: "Polizei und Staatsanwaltschaft sind seit Jahren sehr erfolgreich im Bereich der Vermögensabschöpfung. Wir ziehen jedes Jahr mehrere Millionen Euro ein. Im Bereich der Kriminalität von Clanstrukturen ist das ein sehr effizientes Mittel, das wir auch noch weiter ausbauen wollen. Dafür benötigen wir aber auch mehr Ressourcen, die wir da einsetzen können."

Für eine effektivere Bekämpfung der Clankriminalität in Bremen fehlt der Polizei oft das Personal: Allein 50 Ermittlerstellen sind zurzeit nicht besetzt.

  • Jan Oppel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. August 2018, 19:30 Uhr