Bremer Handelskammer will keine autofreie Innenstadt

  • Wirtschaftslobby will auch weniger Autos in der City
  • Eine komplett autofreie Zone aber sieht sie kritisch
  • Das beschreibt die Handelskammer in einem Positionspapier
Video vom 22. Januar 2020
Die Bremer Innenstadt aus der Vogelperspektive mit eingefärbten möglichem autofreien Bereich
Bild: Radio Bremen

Eine autofreie Innenstadt – so lautet das Ziel der rot-grün-roten Regierung für ein neues Verkehrskonzept in der Bremer City. Die Internationale Handelskammer (IHK) für Bremen und Bremerhaven hat sich nun jedoch zum Teil gegen diese Pläne ausgesprochen. Was sich die Wirtschaftslobby künftig für die Innenstadt erhofft, hat sie in einem Positionspapier formuliert. Tenor: Eine autoärmere Innenstadt hält die Kammer für eine Bereicherung. Gleichzeitig lehnt sie es aber ab, den autofreien Kernbereich bis 2030 großräumig auszudehnen.

"Die Ausweitung einer autofreien Innenstadt von Bahnhof bis Westerstraße halten wir für absolut verfehlt. Das würde die Innenstadt schwächen und weniger attraktiv machen, und es würde am Ende ganz viele Kunden und auch andere Nutzer der Innenstadt abschrecken", so Hauptgeschäftsführer Matthias Fonger. Die Befürchtung: die "Zentralität" Bremens könnte verloren gehen, also die Funktion Bremens als Zentrum und Anziehungspunkt für das Umland.

Bevor der motorisierte Individualverkehr mit ordnungspolitischen Mitteln nachhaltig reduziert wird, müssen zunächst alternative Mobilitäts-, Routen- und Stellplatzangebote geschaffen und notwendige Begleitinvestitionen in die öffentlichen Räume gesichert werden.

Janina Marahrens-Hashagen, Präses der Handelskammer Bremen

Handelskammer will mehr in Diskussion einbezogen werden

Park-and-Ride Schild
Hier sind sich Handelskammer und Politik einig: Es brauche bessere Park-and-Ride Angebote, also Stellplätze in der Nähe von Bus-und Bahnstationen nahe der Innenstadt. Bild: DPA | Marijan Murat

Auch deswegen fordert die Kammer den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs im Sinne einer besseren Anbindung an das Umland. Denn von dort kommen 35 Prozent der Innenstadt-Besucher – bis heute – größtenteils mit dem Pkw. Deswegen dürfe die Landesregierung auch keine Parkhäuser ohne passende Park and Ride-Angebote aufgeben, so die Kammer.

Das grundsätzliche Ziel des Senats teile man jedoch: "Eine 'Stadt im menschlichen Maßstab', die fußgängerfreundlich und autoärmer, aber gleichzeitig gut erreichbar ist und bei ihren Besucherinnen und Besuchern mit hoher Verweilqualität punktet", heißt es im Positionspapier. Dafür müsse man etwa auch an einem besseren Zugang für Fahrradfahrer arbeiten. Das Positionspapier selbst sehe man als Appell – an die Politik, die Handelskammer mehr in die Planungen und den Dialog miteinzubeziehen.

Grüne nennen Positionspapier "mutlos"

Eine erste politische Reaktion zum Positionspapier kam von den Bremer Grünen, die das Verkehrsressort führen. Senatorin Maike Schaefer nennt das Papier der Kammer "mutlos". Die Ablehnung der erweiterten autofreien Zone sei "Schwarzmalerei."

Ich würde diese Schwarzmalerei der Handelskammer nicht so unterstreichen wollen, weil wir uns eben andere Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen angucken, in denen es großräumig freie Autozonen gibt. Da funktioniert das, warum soll es also in Bremen nicht auch funktionieren.

Maike Schaefer, Senatorin für Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

Gleichzeitig wies Schaefer aber auch auch ausdrücklich auf die vielen Übereinstimmungen zwischen Handelskammer und Politik auf dem Weg zur autofreien Innenstadt hin. "Wenn wir eine solche Innenstadt haben wollen bis 2030, ist es doch völlig klar, dass das nur einhergehen kann mit Ausbau des ÖPNVs, mit einer Verbesserung des Radwegenetzes und allen anderen Angeboten, damit die Menschen eben auch freiwillig auf das Auto verzichten können."

Grafik zur Autofreien Innenstadt
So sehen die Pläne für die autofreie Innenstadt aus. Bild: Radio Bremen

Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) nahm zu dem Positionspapier der Handelskammer Stellung. So freue er sich, "dass die Handelskammer bereit ist, konstruktiv an der Umsetzung des Projektes mitzuarbeiten." Weniger Autos würden nicht nur mehr Aufenthaltsqualität in der City bedeuten, sondern dadurch auch eine bessere Zukunft für die Geschäftsleute. "Klar ist aber auch: Zeitgleich muss an einer besseren Erreichbarkeit der Innenstadt mit Bussen, Bahnen, Fahrrad und zu Fuß gearbeitet werden."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Januar 2020, 19:30 Uhr