Vor 5 Jahren: Erstes Mord-Urteil gegen Ex-Krankenpfleger Högel

Am 26. Februar 2015 wurde Högel erstmals wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Es war aber nur die Spitze der größten Mordserie der Nachkriegszeit.

Video vom 26. Februar 2015
Niels Högel hält sich eine aufgeschlagene, rote Aktenmappe vors Gesicht
Leben oder Tod? Der Pfleger suchte offenbar den Nervenkitzel.

Als der vorsitzende Richter im Oldenburger Landgericht das Urteil verkündet, zeigt Niels Högel äußerlich keine Regung. Schuldig des zweifachen Mordes, des zweifachen Mordversuchs sowie gefährlicher Körperverletzung.

Mit dem Leben der Patienten gespielt

Högel habe seinen Opfern ohne Grund ein Herzmedikament gespritzt, erklärt Gerichtssprecher Daniel Mönnich das Urteil. Ziel des Angeklagten sei dabei gewesen, eine Kreislaufkrise herbeizuführen, um danach eine Reanimation durchführen zu können.

Seine Motivation lag im Wesentlichen wohl darin, bei den Reanimationen sein Können und seine Fähigkeiten darstellen zu können.

Daniel Mönnich, Sprecher am Landgericht Oldenburg

Verurteilen konnten die Richter den ehemaligen Pfleger in diesem Prozess nur wegen der fünf angeklagten Fälle. Schon damals war zu befürchten, wenn sich die Angaben des 38-jährigen Pflegers bestätigen sollten, könnte er für eine der größten Mordserien der Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein. In seiner Urteilsbegründung erklärt der Richter es dem Angeklagten so:

Die Menschen waren Spielfiguren für Sie – in einem Spiel, in dem nur Sie gewinnen konnten.

Sebastian Bührmann, Vorsitzender Richter am Landgericht Oldenburg

Nur eine maximale Strafe kommt infrage

Das Gericht stellt eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist so gut wie ausgeschlossen, dass Högel nach 15 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis kommt. Die Angehörigen der Opfer sind froh über die deutliche Härte dieses Urteils.

Der Mörder meines Opas hat hier die maximale Strafe, die zu erwarten war, bekommen.

Christian Marbach, Angehöriger eines Opfers und Sprecher der Hinterbliebenen

Dreieinhalb Jahre dauert es anschließend, dann steht der Krankenpfleger mit dem tödlichen Geltungsdrang erneut vor Gericht. Immer wieder waren weitere Verdachtsfälle aufgekommen, die Sonderkommission "Kardio" musste die Zahl der möglichen Opfer Mal um Mal nach oben korrigieren. Im Prozess muss Högel sich für 100 weitere Mordfälle verantworten. 200 Seiten umfasst die Anklageschrift, die Ermittlungsakten füllen 15 Umzugskartons.

Mammutprozess in die Weser-Ems-Halle verlegt

Neben den 126 Nebenklägern und ihren Anwälten, werden zahlreiche Zuschauer und Journalisten zum Prozess erwartet. Das Landgericht Oldenburg hat die Verhandlung wegen des großen Andrangs in die Weser-Ems-Hallen verlegt. Am Ende wird Niels Högel des 85-fachen Mordes schuldig gesprochen.

Für die Angehörigen war es ein schwerer Gang. So wie für Andrea Wenneker, deren Vater eines der Opfer von Niels Högel war. Sie kämpft nach dem Urteil mit den Tränen: "Wir sind froh, dass wir es jetzt hinter uns gebracht haben. Das war jetzt auch das Letzte, was wir für unseren Papa tun konnten. Ich denke, wir haben alles noch mal gegeben, dass er auch seine gerechte Strafe dafür kriegt und wir haben das jetzt in unserer Familie für unseren Papa gemacht."

Weitere Anklagen gegen Vorgesetzte erhoben

Damit ist der Fall Högel aber noch nicht komplett aufgearbeitet: Die Staatsanwaltschaft hat gegen ehemalige Vorgesetzte des Serienmörders aus Oldenburg und Delmenhorst Anklage erhoben – wegen Totschlags durch Unterlassen. Sie sollen Högel trotz deutlicher Hinweise nicht gestoppt haben. Die Prozesse und Urteile stehen noch aus – fünf Jahre, nachdem Niels Högel erstmals zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Beitrag hören:

26.2.2015: Niels Högel erstmals verurteilt

Audio vom 26. Februar 2020
Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel, während er auf der Anklagebank des Landgerichts in Oldenburg sitzt
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Autor

  • Jens Otto

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 26. Februar 2020, 5:40 Uhr