Fragen & Antworten

Was junge Bremer jetzt über Freiwilligendienste wissen sollten

Einen Kindergartengruppe sitzt zusammen mit zwei jungen Freiwilligen im Sozialen Jahr an einem Maltisch

Warum ein Freiwilligendienst für jeden sinnvoll sein kann

Bild: DPA | Waltraud Grubitzsch

Ob in der Altenhilfe, in Schulen oder Kitas: Viele Freiwilligendienste im Land Bremen sind noch unbesetzt. Dabei bieten sie jungen Menschen große Chancen fürs ganze Leben.

So wenige junge Menschen wie schon lange nicht mehr hätten sich dieses Jahr bislang für Freiwilligendienste beworben. Das stellt der Soziale Friedensdienst Bremen e.V. (sfd Bremen) als einer der größten Träger vor Ort kurz nach Beginn des neuen Schuljahrs fest: zu einer Zeit also, zu der üblicherweise die meisten Freiwilligendienste beginnen.

Laut sfd Bremen hängt die Zurückhaltung der potentiellen Bewerberinnen und Bewerber möglicherweise damit zusammen, dass viele infolge der Corona-Pandemie sehr vorsichtig geworden seien, Berührungsängste entwickelt hätten.

Gute Möglichkeit Zeit zu überbrücken

Dabei profitiere in der Regel nicht nur die Gemeinschaft von Freiwilligendiensten. Auch die Freiwilligen hätten häufig ihr Leben lang etwas von dem eigenen sozialen Engagement: "Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein Jahr der Großchance, um seine persönlichen Fähigkeiten und Kompetenzen zu entdecken und zu erweitern", sagt dazu etwa Uwe Wrede, leitender Pädagoge der Jugendfreiwilligendienste im sfd Bremen.

Auch sei ein Freiwilligendienst gut geeignet, um beispielsweise Zeit zwischen Schule und Studium oder auch Berufsausbildung zu überbrücken. Buten un binnen erklärt, was junge Menschen über Freiwilligendienste wissen sollten:

Ein junger Freiwilliger der Caritas massiert eine junge Frau mit Behinderung die Hände in einem Bällebad
Für die Arbeit mit schwerbehinderten Menschen werden in Bremen dringend Freiwillige gesucht. Bild: DPA | Barbara Gindl/APA
Was gibt es im Land Bremen für Freiwilligendienste?
Am bekanntesten ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das junge Menschen beispielsweise in Kindertagesstätten, in Altenheimen oder in Einrichtungen der Behindertenhilfe leisten können. Typische Einsatzfelder liegen in der Pflege, der Betreuung, der Erziehung und der Hauswirtschaft. Laut Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligendienste im Land Bremen gibt es allein in Bremens Landesgrenzen derzeit 13 Träger für das FSJ, darunter etwa die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz und der Verbund Bremer Kindergruppen.

Man kann sich im Rahmen seines FSJ aber auch in kulturellen Einrichtungen Bremens oder des Bremer Umlands engagieren. Es gibt hierfür beispielsweise Stellen im Theater Bremen, in den Bremer Museen sowie in einzelnen Bürgerhäusern. Junge Bremerinnen und Bremer, die sich für Sport begeistern, können ihren Freiwilligendienst zudem in Sportvereinen oder Sportverbänden leisten. Jedoch beginnt der Freiwilligendienst im Sport in Bremen grundsätzlich zum 1. September und dauert 12 Monate, teilen die Freiwilligendienste Bremen mit. Da ist nicht so viel Flexibilität möglich. Aufgaben hierbei sind die Organisation von Spielfesten, Turnieren und Freizeiten, das Begleiten von Vereinsangeboten sowie Hilfestellungen beim Sport in Schulen und Kitas.

Als Alternative zum FSJ bietet sich für junge Menschen, die sich im Umweltschutz engagieren möchten, das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) an. Hierfür gibt es der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligendienste zufolge derzeit 70 Plätze im Land Bremen, solche bei Umweltschutzverbänden, in der Forschung, in Bremer Parks sowie bei Beratungsstellen. Einen umfassenden Überblick mit allen Trägern und Möglichkeiten für Freiwilligendienste im Land Bremen und umzu vermittelt die Website der Freiwilligendienste Bremen.
Zwei junge Freiwillige im ökologischen Jahr pflanzen zusammen mit einem Biobauern neue Bäume
Das Freiwillige Ökologische Jahr, beispielsweise in einem Park, ist eine Alternative zum Freiwilligen Sozialen Jahr für Leute mit grünem Daumen. Bild: DPA | Patrick Pleul
Neben dem FSJ ist oft auch von Bundesfreiwilligendiensten (BFD) die Rede. Was ist der Unterschied?
Bei Bundesfreiwilligendiensten fungiert der Bund als Träger. Aus Sicht der Freiwilligen gebe es aber keinen spürbaren Unterschiede zwischen dem FSJ und dem BFD, sagt Jan Herfordt von der Servicestelle Freiwilligendienste Bremen, Niedersachsen und Hamburg der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft. "Allerdings geht das Freiwillige Soziale Jahr immer nur bis zum 27. Lebensjahr, für den Bundesfreiwilligendienst gibt es keine Altersbeschränkung", so Herfordt. Ein weiterer Unterschied bestehe darin, dass man den Bundesfreiwilligendienst mehrmals leisten könne, das Freiwillige Soziale Jahr dagegen nur einmal.
Wie lang dauert ein Freiwilliges Soziales Jahr?
Anders als der Name "Freiwilliges Soziales Jahr" vermuten lässt, dauert das FSJ nicht zwangsläufig ein Jahr. In der Regel kann das Jahr auch auf 18 Monate verlängert oder auf sechs Monate verkürzt werden. Kürzer gehe es allerdings nicht, sagt Jan Herfordt von der Servicestelle Freiwilligendienste – zumindest nicht unter dem Label "FSJ": "Ein Freiwilligendienst von weniger als sechs Monaten Dauer läuft als Praktikum."

Zu bedenken sei, dass die Freiwilligen auch ein wenig Unterricht mit unterschiedlichen Inhalten bekämen. "Es kann dabei um Beschäftigungsangebote für Kinder oder Senioren gehen, um Gebärdensprache, um Exkursionen, um Krankheiten – ganz nach Interessenlage der Freiwilligen", erklärt Herfordt. Je nach Dauer des Freiwilligendienstes müssten die Freiwilligen unterschiedlich viele Seminartage besuchen, damit ihr Dienst anerkannt wird. So seien bei einem sechsmonatigen FSJ 15 Seminartage Pflicht, bei einem zwölfmonatigen 25 Seminartage und bei einem achtzehnmonatigen 31 Seminartage.
Eine junge Frau im Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Arbeit mit kleinen Kindern in einer Kinderkrippe
Auch in den Kitas und Krippen gibt es in Bremen und umzu derzeit unbesetzte Freiwilligendienste. Bild: DPA | Michael Reichel
Wie viel Geld bekommen Freiwillige für ihren Freiwilligendienst?
Wer einen Freiwilligendienst leistet, wird in der gesetzlichen Sozialversicherung versichert. Die Beiträge zahlt die Einsatzstelle oder auch der Träger des Freiwilligendienstes. Darüber hinaus bekommen die Freiwilligen üblicher Weise ein Taschengeld von aktuell maximal 423 Euro monatlich. "Das ist eine gesetzliche Obergrenze", erklärt Herfordt. Sie gelte für das FSJ ebenso wie für das FÖJ und den BFD.

In einigen Fällen bekämen Freiwillige zusätzlich zum Taschengeld allerdings auch so genannte "Geldersatzleistungen". Dazu zählten beispielsweise die Verpflegung und die Dienstbekleidung, in wenigen Fällen auch Unterkünfte.
Was haben junge Menschen davon, wenn sie sich zu einem Freiwilligendienst entschließen?
"Das Freiwillige Soziale Jahr ist nicht nur ein Bildungsprogramm. Es soll auch bei der Berufsfindung helfen", betont Jan Herfordt von der Servicestelle Freiwilligendienste. Uwe Wrede vom sfd Bremen ist überzeugt davon, dass ein Freiwilligendienst dem Freiwilligen in vielfältiger Weise beim Berufseinstieg helfe. Man lerne dabei, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und im Team zu kommunizieren. Vielleicht noch wichtiger aber sei: "Viele Freiwillige bauen während ihres Dienstes ein Netzwerk auf, lernen mögliche Arbeitgeber kennen", so Wrede.

Der Freiwilligendienst bietet jungen Menschen die Chance, sich ein Sprungbrett in die Arbeitswelt zu schaffen.

Uwe Wrede, leitender Pädagoge der Jugendfreiwilligendienste im sfd Bremen
Viele Freiwilligendienste beginnen offiziell am 1. September. Kann man auch zu einem anderen Zeitpunkt den Freiwilligendienst antreten?
Ja, betonen sowohl Herfordt als auch Wrede. Viele Träger stellten inzwischen zu nahezu jedem Zeitpunkt Freiwillige ein. "Viele merken erst im Oktober oder November, dass ihr Studium oder ihre Ausbildung nicht das ist, was sie wollten. Daher verzeichnen wir einen Anstieg an Bewerbungen im Herbst und im Winter", sagt Herfordt für die Servicestelle Freiwilligendienste.

Die sfd Bremen hat Ähnliches beobachtet. "Es lohnt sich immer, bei den Trägern nachzufragen. Manchmal springen auch Freiwillige ab, und gerade noch besetzte Stellen werden wieder frei", sagt Wrede. Auch deshalb könne man sich ganzjährig um Freiwilligendienste bewerben. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien allerdings ohnehin noch längst nicht alle Stellen vergeben. So biete allein der sfd Bremen dieses Jahr rund 250 Freiwilligen-Dienste an, von denen noch 65 unbesetzt seien, darunter auch solche in Kindergärten und in Schulen. Die meisten offenen Stellen gebe es allerdings bei der Arbeit mit schwerbehinderten Menschen sowie bei jener mit Senioren.

Sollten Freiwilligendienste in Bremen wieder zur Pflicht werden?

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 13. Juni 2022, 17:35 Uhr