Bremen baut Blocklanddeponie aus – doch ein wichtiges Problem bleibt

"Top on top": So wird die Deponie im Bremer Blockland erhöht

Bild: Radio Bremen

Der finale Ausbau der Mülldeponie hat begonnen. Doch was in zehn Jahren mit Bremens Müll passiert, bleibt offen. Über die Optionen wird gestritten. Dabei drängt die Zeit.

Eine Lkw-Ladung dunkler Tonerde nach der anderen wird derzeit auf der Blocklanddeponie ausgeschüttet. Verteilt wird sie durch Planierraupen, die knatternd über die ackergleiche Fläche ziehen. Vier Lagen dieses Tons, insgesamt 1,05 Meter dick, werden angelegt – abgedeckt von einer fünf Millimeter dünnen Kunststoffdichtungsbahn und Sandschutzmatten. "Das soll verhindern, dass giftige Stoffe ins Grundwasser versickern", sagt Betriebsleiter Lars Aulich.

Ein Muldenkipper bringt Tonerde, eine Laderaupe steht daneben
Hunderte Lkw-Ladungen mit Ton werden von Raupen verteilt. Die künftigen Tonschichten sollen das Versickern giftiger Flüssigkeiten im Grundwasser verhindern. Bild: Radio Bremen

Auf dieser Grundlage soll die neue Deponie entstehen. "Es ist so, als würden wir nochmal ein Stockwerk on top setzen", sagt Aulich. Die neue Deponie soll dabei auf einer Höhe von rund 38 Metern über Normalnull beginnen. Nach dem Ausbau, der Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, kann der Müllberg dann bis zu 57 Meter in die Höhe wachsen. Insgesamt reicht das der Stadtreinigung zufolge für 450.000 Kubikmeter, also weitere zehn Jahre Müll.

Gelagert wird hier allerdings nicht Bremens Hausmüll – der wird in Findorff verfeuert. Zur Blocklanddeponie werden vor allem mineralische Abfälle gebracht, zum Beispiel verunreinigter Bauschutt, Straßenaufbruch, Asbest- und Dämmwollen. "Wenn ein Schiff einen neuen Anstrich bekommt, dann muss das vorher gestrahlt werden", sagt Aulich. Solche giftigen Strahlmittel würden dann ebenfalls auf der Blocklanddeponie landen. "Das sind so die typischen Abfälle."

Kapazität bis ungefähr 2032

"Wir haben noch zehn Jahre Kapazität, dann ist an diesem Standort Schluss", sagt Aulich. Denn man könne nicht immer noch ein Stockwerk draufsetzen und noch steiler werden.

So sieht es auch Klaus Prietzel, der den Deponie-Ausbau für die Umweltschützer des Bremer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begleitet. "Eigentlich muss man sich schon jetzt überlegen, was könnten die Alternativen sein", sagt Prietzel. Denn solche Planungen würden sich erfahrungsgemäß hinziehen.

Zehn Jahre sind da schnell rum.

Klaus Prietzel, Bremer BUND-Vorstand und Deponie-Experte

Man müsse jetzt dringend loslegen, sich über die weitere Zukunft Gedanken zu machen, sagt Prietzel. Das Problem: "Wir haben kaum Optionen."

Immer weniger Alternativen für neue Deponie

In der Tat ist die Anzahl der Alternativen in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft. Wurde bei den ersten Planungen vor mehr als drei Jahrzehnten noch rund ein Dutzend möglicher Standorte ins Auge gefasst, blieb nach genauer Prüfung schon damals nur noch die Hälfte übrig. Und auch von denen sind mittlerweile viele weggefallen.

Ein Luftbild des Geländes und der Gebäude des Bremer Stahlwerks.
Als Option für ein neues Deponiegelände gilt eine Fläche in der Nähe des Bremer Stahlwerks. Bild: Radio Bremen

Darunter die inzwischen zum Gewerbegebiet ausgebaute Hemelinger Marsch. Eine ins Auge gefasste Fläche in Bremen-Farge gilt hingegen verkehrstechnisch als nicht erschließbar. Eine Erweiterung der Blocklanddeponie in Richtung Waller Feldmarksee würde die Frischluftschneise von Norden her nach Bremen unterbrechen. Und eine Erweiterung der Blocklanddeponie dorthin, wo heute noch die Kompostierungsanlage steht, wäre planungsrechtlich wohl zu aufwendig. Da nicht nur die Kompostierungsanlage verlegt werden müsste, sondern auch Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen auf dem Gelände stehen.

Umweltressort nennt drei Optionen

Die einzige gangbare Alternative wäre ein Deponieneubau nahe des Stahlwerks, sagt BUND-Vorstand Prietzel. "Doch auch an diesem Standort gab es bei der ersten Anhörung 2015 schon viel Gegenwind."

Dennoch nennt auch Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) das Areal auf dem Gelände der Stahlwerke als einzige Option auf stadtbremischem Gebiet. Alternativen dazu seien das Verbringen des Mülls nach Niedersachsen oder die Nutzung der Deponie Grauer Wall in Bremerhaven, so die Senatorin gegenüber buten un binnen.

Die Fakten zu den Standorten liegen vor.

Maike Schaefer, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

"Was momentan noch fehlt, ist eine politische Entscheidung und eine konkrete Abwägung auch im Gewerbeentwicklungsplan des Wirtschaftsressorts zu diesem Thema", so Schaefer.

Wirtschaftsressort sieht "guten Austausch"

Das Wirtschaftsressort sieht sich hingegen im Plan. "Wir befinden uns zum Gewerbeentwicklungsplan 2030 in einem guten Austausch mit der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung, der nun bald einvernehmlich abgeschlossen werden soll", sagt Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Die Zuständigkeit für die Deponieplanung liege allerdings beim Umweltressort. "Unabhängig von dieser Zuständigkeit liegt aber auf der Hand, dass wir gemeinsam eine Lösung finden müssen", so Vogt gegenüber buten un binnen.

Bis eine solche Lösung zwischen beiden Ressorts gefunden ist und danach sowohl die zuständige Deputation wie auch die Bürgerschaft die Pläne abgesegnet haben müssen, dürften wohl noch einige Tausend Tonnen belasteter Müll auf der Blocklanddeponie landen.

Mehr zum Thema:

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. August 2022, 19:30 Uhr