Teamcheck: Klassenerhalt wäre für die Werder-Frauen wieder ein Erfolg

Michelle Weiß, Lena Triendl und Michaela Brandenburg bejubeln ein Tor im Testspiel.
Die Bremerinnen um Michelle Weiß, Lea Triendl und Michaela Brandenburg setzen sich ein realistisches Ziel: Sie wollen zwei Teams hinter sich lassen, um in der Liga zu bleiben. Bild: Imago | Foto2press

In der vergangenen Saison durften die Bremerinnen den Ligaverbleib vorzeitig feiern. Damit das erneut klappt, werden sie sich wohl beim Toreschießen steigern müssen.

Nach dem Wiederaufstieg vor zwei Jahren haben die Werder-Frauen zweimal frühzeitig den Klassenerhalt geschafft. Mit Blick auf ihre bescheidenen Mittel wissen die Bremerinnen jedoch, dass es auch dieses Mal für sie nur um den Klassenerhalt gehen wird.

So lief die vergangene Saison:

Mit dem Klassenerhalt haben die Bremerinnen ihr Saisonziel erreicht. Dieser gelang sogar bereits am drittletzten Spieltag, weil der SC Sand mit 1:7 beim SC Freiburg verlor und Werder nicht mehr einholen konnte. Der Start in die Saison verlief an der Weser jedoch holprig. Werder hatte ein schwieriges Auftaktprogramm erwischt und traf gleich an den ersten beiden Spieltagen auf die Topteams Bayern (0:8) und Wolfsburg (0:2). Nach dem fünften Spieltag lag das Team mit nur einem Zähler auf dem Konto auf dem letzten Platz.

Lina Hausicke führt den Ball.
Kapitänin Lina Hausicke spielt seit 2017 für Werder. Bild: Imago | Foto2press

Kurios dabei: In den 22 Spielen der Saison erzielten die Bremerinnen insgesamt nur neun Tore. Diese verteilten sie allerdings gut. Gleich viermal gelang ihnen ein 1:0-Sieg. Besonders wichtig dabei: Beide Duelle gegen den späteren Absteiger aus Sand wurden gewonnen. Ein Highlight war der 1:0-Erfolg am elften Spielten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt. "Gegen so eine vermeintliche Übermannschaft zu bestehen, hat uns beflügelt", sagt Kapitänin Lina Hausicke.

Werder musste in der Saison jedoch auch einige heftige Niederlagen einstecken. Neben dem 0:8 zum Auftakt in München setzte es in Hoffenheim ein 1:7. Gegen Potsdam gingen beide Partien mit 0:5 verloren. Dabei wurden immer wieder durch leichtfertige Fehler Gegentore hergeschenkt. Die Frankfurterinnen revanchierten sich zudem im Rückspiel und schickten die Bremerinnen mit einem 0:4 auf die Heimreise.

Wer kommt, wer geht:

Fünf Spielerinnen haben Werder verlassen. Stürmerin Jette Zimmer, Verteidigerin Ina Timmermann und Torhüterin Kira Witte sind für ihr Studium in die USA gegangen und die 35-jährige Verteidigerin Gabriella Tóth hat ihre Karriere nach sieben Jahren in Bremen beendet. Mit Anna Hausdorff (Abwehr) hat der Klub nicht verlängert.

Agata Tarczynska führt in einem Testspiel den Ball.
Hinter Agata Tarczynska liegt eine schwierige Zeit. Nun macht die Stürmerin doch weiter und will noch einmal angreifen. Bild: Imago | Foto2press

Eigentlich weg war auch schon Agata Tarczynska. Die polnische Nationalspielerin musste nach einer Knie-OP im April 2021 lange pausieren und konnte erst im Februar ihr Comeback feiern. Mit 34 Jahren dachte sie an das Karriereende und wurde bereits verabschiedet. Dann ließ sie sich doch noch vom Weitermachen überzeugen und unterschrieb einen neuen Vertrag. Coach Thomas Horsch machte ihr zuvor mit der Geschichte von Fin Bartels Mut, der nach einer langen Verletzungsphase in Bremen bei Holstein Kiel nochmal zu seiner Topform gefunden hatte. "Es war sehr schade, dass Agata uns so lange gefehlt hat", erzählt Hausicke, "denn im Offensivspiel bringt sie sehr viel Qualität mit."

Gekommen sind mit Torhüterin Sarah Dübel, Verteidigerin Michaela Brandenburg und Offensivspielerin Lena Triendl gleich drei Spielerinnen vom Absteiger aus Sand. Mittelfeldspielerin Saskia Matheis ist von Eintracht Frankfurt an die Weser gewechselt. Neu in Bremen sind auch die ungarische Nationalspielerin Hannah Németh (Abwehr, zuletzt Ferencváros Budapest) und die philippinische Nationalspielerin Sofia Harrison, die als Linksverteidigerin aufläuft und bis zum vergangenen Jahr für die Slippery Rock University of Pennsylvania gespielt hat.

Der Trainer:

Thomas Horsch gibt im Training Anweisungen.
Thomas Horsch ist seit April 2021 Trainer der Werder-Frauen und hat mit dem Team zweimal den Klassenerhalt geschafft. Bild: Imago | Foto2press

Thomas Horsch kennen viele Fußballfans noch aus der Bundesliga der Männer. Bis zum Sommer 2020 war der 53-Jährige bei Werder unter Florian Kohfeldt Co-Trainer, ehe Kohfeldt seinen Trainerstab nach der Saison mit dem Fast-Abstieg umbaute und Horsch gehen musste. Als die Bremerinnen im April 2021 in der Bredouille steckten, übernahm er von Alexander Kluge den Job des Cheftrainers und packte mit dem Team den Klassenerhalt. Schnell war für ihn danach klar, dass er weitermachen möchte.

Für mich hat sich ein Kreis geschlossen. Ich war ja schon beim DFB als Stützpunktkoordinator tätig und hatte dabei bereits sehr viel mit dem Mädchen- und Frauenfußball zu tun. Einige der Spielerinnen habe ich bereits in der Landesauswahl trainiert.

Thomas Horsch

Verglichen mit der Bundesliga der Männer sei es jetzt "ein wesentlich ruhigeres Arbeiten", räumt er ein. Spielerin Hausicke lobt die Akribie und den Enthusiasmus ihres Trainers. Zumal dieser darüber hinaus auch noch jede Menge Erfahrung mitbringe.

Erwartungen an die neue Saison:

Für Werder wird es einzig und allein wieder um den Klassenerhalt gehen. In den vergangenen beiden Saisons hat dieser geklappt, doch aus dem Sommer 2019 wissen die Bremerinnen, dass es auch sie mal erwischen kann. Die Spielerinnen müssen dabei weiterhin den Spagat hinbekommen, ihren Job oder ihr Studium mit dem Spitzensport unter einen Hut zu bekommen. Sicherlich ein Nachteil im Vergleich mit vielen anderen Bundesligisten. "Wenn wir uns die Wucht von Bayern, Wolfsburg oder Frankfurt anschauen, ist das für uns schon beneidenswert", berichtet Hausicke. "Mit Blick auf die Budgets sind die ersten sieben Plätze eigentlich vergeben", glaubt Horsch. "Luftschlösser", sagt der Trainer, will er deshalb keine bauen. Auch Hausicke denkt erstmal nur an den Verbleib in der Liga.

Für uns geht es darum, zwei Teams hinter uns zu lassen. Wenn es am Ende mehr werden – sehr gerne.

Kapitänin Lina Hausicke

Damit es klappt, wird Werder dieses Mal mehr Tore schießen müssen. Die Spiele gegen die Topteams will das Team zudem ausgeglichener gestalten, um die ganz üblen Klatschen zu vermeiden. Wie in der vergangenen Saison haben die Bremerinnen jedoch ein knackiges Auftaktprogramm erwischt. In den ersten drei Partien treffen sie auf Potsdam, die Bayern und Frankfurt. Da es in Potsdam im Sommer einen großen Umbruch gab und die Münchnerinnen sowie die Frankfurterinnen nach der EM vielleicht noch nicht wieder in Topform sind, ist eventuell eine kleine Überraschung drin. Ein Highlight wartet auf die Bremerinnen am achten Spieltag: Dann werden sie ihr Heimspiel gegen den SC Freiburg im Weser-Stadion bestreiten dürfen.

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Bild: DPA | Foto2press / Oliver Baumgart

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 9. August 2022. 18:06 Uhr