Bremer Trophäenmacher verrät: Meisterschale war 2023 für BVB graviert

Ein weiblicher Dortmund-Fan hält eine Meisterschale aus Plastik in die Kamera.
Die BVB-Fans hofften in der Saison 22/23 auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Der Traum platzte jedoch am 34. Spieltag. Bild: Imago | Revierfoto

Am Ende der vergangenen Saison verspielten die Dortmunder noch den Titel. Tragisch: Auf einer offiziellen Replik der Meisterschale standen sie schon als Deutscher Meister 2022/23.

Es waren bittere Momente, die die Fans von Borussia Dortmund am 27. Mai des vergangenen Jahres erlebten. Eine ganze Stadt stand in den Startlöchern, um den Gewinn der Deutschen Meisterschaft zu feiern, doch der BVB zeigte Nerven und spielte gegen Mainz 05 nur 2:2. Am Ende durften doch die Bayern feiern, die 2:1 beim 1. FC Köln gewannen und deshalb die Meisterschale verteidigten.

In Köln erhielten die Münchner jedoch nur eine Replik der Trophäe, wie Roland Thoelken von der Silbermanufaktur Koch & Bergfeld erzählt. Der 1829 gegründete Traditionsbetrieb aus der Bremer Überseestadt stellt viele der großen Trophäen im europäischen Fußball her. An der Weser wurde 1967 von Horst Heeren sogar der Entwurf des legendären Henkelpotts für den Gewinner der heutigen Champions League erstellt. In Deutschland versorgt Koch & Bergfeld die Klubs mit Repliken der Meisterschale und des DFB-Pokals, die diese nach Titelgewinnen erhalten.

BVB wird Meister? Réthys Besuch endete in einem historischen Irrtum

Das Original ebenjener Meisterschale befand an sich am 27. Mai 2023 in Dortmund, da der BVB als Tabellenführer der Favorit auf den Gewinn der Meisterschaft war. Wenngleich die Dortmunder den Titel verpassten, gab es dennoch eine Meisterschale, auf der der BVB als Deutscher Meister der Saison 2022/23 eingraviert war. Das verrät Thoelken in der neuen Folge des Sportschau-Podcasts "Das Werder-Märchen 2004. Die Double-Saison reloaded.".

Roland Thoelken im Porträt.
Roland Thoelken ist Prokurist bei Koch & Bergfeld. Bild: Koch & Bergfeld

Zurück geht die historisch falsche Gravur auf einen Besuch von Sportkommentator Béla Réthy, der für das ZDF eine Dokumentation zum 60. Geburtstag der Bundesliga gedreht hat und deshalb im Mai 2023 eine Woche vor dem Saisonfinale bei Koch & Bergfeld vorbeischaute. Weil das Drehteam auch sehen wollte, wie die Meisterschale graviert wird, erhielt eine Replik der Trophäe schon vor dem 34. Spieltag einen neuen Titelträger. "Aber was gravieren wir denn rein?", berichtet Thoelken, hätten sich kurz zuvor alle gefragt. Letztlich irrten sie sich und setzten nicht auf die Bayern, sondern auf den BVB.

Wir haben natürlich Dortmund reingraviert (lacht). Dann war die Meisterschaft und an dem Sonnabend habe ich eine E-Mail gekriegt vom Redakteur, der sagt: 'Mensch Roland, ich glaube, wir müssen noch mal kommen.' Ich sage: 'Jo, den Termin sollten wir mal festlegen. Weil: Ist ja doch nicht Dortmund geworden (lacht).'

Roland Thoelken im Sportschau-Podcast "Das Werder-Märchen 2004. Die Double-Saison reloaded."

Assauers Malheur ramponierte einst den DFB-Pokal

Koch & Bergfeld haben die Meisterschale und den DFB-Pokal nicht entworfen. Das Unternehmen sorgt aber dafür, dass die Titelträger eine Replik der Trophäe erhalten. So wird Bayer Leverkusen nach dem Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft bald mit einer Replik der Meisterschale bedacht. Auch in Werders-Museum, dem "Wuseum", stehen lediglich Repliken.

Das Original der Meisterschale und des DFB-Pokals, berichtet Thoelken, erhalten die Klubs nur für einen kurzen Zeitraum. Dann kommen sie wieder nach Bremen, um nach all den Feierlichkeiten repariert und wieder auf Hochglanz gebracht zu werden, ehe nach der Gravur der neuen Titelträger die Meisterschale in den Tresor der DFL und der DFB-Pokal wieder in den Tresor des DFB wandert.

Schalke Fans halten 2002 den schiefen DFB-Pokal in den Händen.
Mächtig schief: Einen Sturz hat der DFB-Pokal 2002 nicht allzu gut überstanden. Bild: dpa | Achim Scheidemann

Durch einen kaputten Pokal kam es einst auch dazu, dass das Bremer Unternehmen sich um die Repliken der Trophäen kümmert. Nachdem Schalke-Manager Rudi Assauer 2002 das Original des DFB-Pokals fallen ließ, erfolgte die Reparatur bei Thoelken und seinem Team. Im Anschluss kam die Anfrage, ob die Trophäen nicht auch nachgebaut werden können. Ein durchaus lukratives Geschäft, das allerdings auch mit manch kurioser Anfrage einhergeht.

Energydrink aus dem Pokal? RB Leipzig bat vorher um Erlaubnis

Eine solche gab es vor zwei Jahren, als mit RB Leipzig sich der spätere Titelträger vor dem Finale im DFB-Pokal bei Koch & Bergfeld meldete. Nachdem die Leipziger sich im Finale gegen den SC Freiburg durchgesetzt hatten, posteten sie ein Foto davon, wie Kevin Kampl einen Energydrink in den DFB-Pokal kippt.

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Die Traditionalisten unter den Fußballfans brachten die Leipziger damit auf die Barrikaden. Koch & Bergfeld wusste aber vorab Bescheid, wie Thoelken erklärt.

Die haben uns ja vorher gefragt. Sie würden da gerne so ein Getränk reinmachen, was eben zu RB Leipzig passt. Und dann habe ich gesagt: 'Ja, könnt ihr ja gerne machen. Mit welchem Pokal wollt ihr das denn machen? Doch nicht etwa mit eurem?!

Roland Thoelken

Die Sachsen, berichtet Thoelken, hätten deshalb hierfür ein Ausstellungsstück des DFB-Pokals erhalten. Schließlich sei ihm schon vorab klar gewesen, dass die Zuckerrückstände im Pott für einiges an Arbeit sorgen werden. Letztlich hätten aber auch diese alle wieder entfernt werden können.

Der Platz auf der Meisterschale wird knapp

Alsbald wird Thoelken bei der Meisterschale allerdings vor einer kniffligen Aufgabe stehen. Der Grund: Der Platz für die Gravuren wird knapp und reicht voraussichtlich nur noch für drei Titelträger. Falls in dieser Zeit der 1. FC Köln nochmal Deutscher Meister wird, langt es aufgrund des kurzen Namens vielleicht auch noch für vier Klubs. Mit der DFL laufen deshalb bereits Gespräche.

Denkbar erscheint, dass die Meisterschale außen einen weiteren Ring erhält. Beschlossen ist dies allerdings noch nicht. Klar ist: Am Kultfaktor der Trophäe soll nicht gerüttelt werden.

Die Zielsetzung ist auf jeden Fall: Es soll für die nächsten 30 Jahre reichen. Und die Ikone bleibt die Ikone. Aber wie wir das machen, darüber können wir noch gar nichts sagen. Die Aufgabe, die wir bekommen haben, ist: 'Denkt darüber nach, wie ihr diesen Schatz wieder für die nächsten 30 Jahre gravierfähig macht.'

Roland Thoelken

Hoeneß ging einst in Bremen shoppen

Die Arbeit der Bremer Silbermanufaktur wird derweil auch in Bayern geschätzt. Einst flog Uli Hoeneß von München in die Hansestadt, weil er die Erlebniswert in der Arena der Bayern mit den Repliken der gewonnenen Titel ausstatten wollte. "Das war ein Riesenauftrag", blickt Thoelken zurück.

Zu sehen sind viele Trophäen. Darunter die Meisterschale, der DFB-Pokal und der Champions-League-Pokal-
Die große Fußballwelt in Bremen: Koch & Bergfeld ist unter anderem auch für den Pokal in der Champions League verantwortlich. Bild: Koch & Bergfeld

Allzu leicht ist es jedoch nicht, von Koch & Bergfeld beispielsweise einen Nachbau der Meisterschale zu erhalten. Jeder, so Thoelken, könne anfragen. Die DFL genehmige dies allerdings nur in Ausnahmefällen, denn die Trophäe soll etwas Besonderes bleiben. Falls die DFL den Daumen den Daumen hebt, wird es zudem ganz schön teuer. Der Preis liegt laut Thoelken bei der Höhe eines Kleinwagens.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 17. April 2024, 18:06 Uhr