Kommentar

"It's coming home?": Weht der Geist der Fußball-EM bis nach Bremen?

Deutsche Nationalspielerinnen jubeln nach dem Sieg gegen Frankreich im Halbfinale im Milton Keynes Stadion
Das deutsche Team spielt im EM-Finale im englischen Wembley-Stadion gegen England. Bild: DPA | Zumapress.com/Pedro Soares/SheKicks

Die deutschen Fußball-Frauen stehen im EM-Finale. Vom ersten Spiel an, war unsere Kommentatorin Ines Schumann begeistert. Darum hofft sie auf einen Boost für die Werder-Frauen.

Nein, ich bin weit davon entfernt, eine qualitativ ernstzunehmende Einschätzung von Fußball oder, wie in diesem Fall, Frauen-Fußball geben zu können. Alles, was ich weiß, habe ich vom Fernsehen oder auch mal aus dem Stadion – als Zuschauerin. Fußball, das heißt in Bremen ja in der Regel – obwohl wir ein Frauen-Team haben – Werder mit Werner, Ducksch und "Fülle" und international auch mal Mitfiebern mit der deutschen Elf.

Fußball schauen bei der Frauen-EM ist tatsächlich anders. Es ist es vor allem deshalb anders, weil ich die pure Begeisterung, die mich vom ersten Spiel dieser EM an erfasst hat, auch wirklich nachhaltig genießen kann. Vielleicht vergleichbar mit dem Schlemmen eines Lieblingsgerichts, von dem ich weiß: alles ist nachhaltig angebaut, plastikfrei eingekauft und aus der eigenen Region.

Es geht um Fußball, der anders ist

Und die eigene Region ist ja mit einer Werder-Spielerin auch ein bisschen dabei – wenn auch nicht in der deutschen Elf, so doch mit Katharina Schiechtl bei den Österreicherinnen. So fair wie das Spiel war und so kämpferisch, wie sich die Österreicherinnen gegen die deutschen Frauen im Viertelfinale geschlagen haben (2:0 für Deutschland), glaube ich nicht, dass Katharina Schiechtl den Bremerinnen und Bremern ihren Jubel für die Deutsche Elf übel nimmt.

Ja, die EM reißt mich derartig mit, dass ich sogar die langen Vorberichte im TV schaue, weil sie eben mehr enthalten, als "nur" Fußball. Es geht um Frauen-Fußball, das heißt, es geht um Frauen im Fußball und damit auch ganz viel um eine (längst nicht beendete) Geschlechter-Debatte und es geht um einen Fußball, der anders ist. So anders, wie es auch die Biografien der Spielerinnen sind.

Keine drängt sich nach vorne

Ich höre Interviews mit den Spielerinnen, die nicht nur sprachlich versiert sind, sondern schon kurz nach dem Spiel durchdachte Analysen liefern. Eine durch und durch bodenständige Trainerin, die ihren Stolz auf diese Frauen immer wieder zum Ausdruck bringt und betont, dass hier alle 23 Nationalspielerinnen des Kaders sich als ein Team verstehen.

Ein Team, was diesen Namen wirklich verdient. Mag sein, dass auch hier Konkurrenz herrscht – aber zu sehen bekommen wir ein Team, in dem sich keine nach vorne drängt. Im Gegenteil: Eine Auszeichnung als Spielerin des Spiels wird immer auch als Teamleistung empfunden.

Wieder ein Kaffee-Service für den EM-Titel?

Ich habe erfahren, dass insgesamt 15 Nationalspielerinnen ein Studium angefangen oder abgeschlossen haben. Dass Fußball zwar sehr vieles, aber längst nicht alles im Leben der Frauen-Nationalelf ist. Und das tut ihrem Spiel und ihrem Zusammenhalt offensichtlich sehr gut.

Gleichzeitig zeigt es natürlich auch auf, dass die Einkünfte der Profi-Fußballerinnen ganz offensichtlich weit unter denen ihrer männlichen Kollegen liegen. Auch wenn sich die Zeiten schon geändert haben – nicht vergessen ist das legendäre Kaffee-Service, das der DFB 1989 der deutschen Frauen-Nationalmannschaft zum Titel als Europameisterinnen überreichte.

Muttersein als Profi

Auch das Thema "Muttersein als Fußballprofi" wurde kontrovers diskutiert. In der sehr empfehlenswerten Dokumentation der ARD "Born for this" gibt Almuth Schult, Torfrau und Mutter von Zwillingen, dazu einen sehr persönlichen Eindruck.

Kritik am unterschiedlichen Umgang mit dem (Profi)-Fußball beider Geschlechter gibt es allerdings immer noch genug – vielleicht könnte aber durch die Begeisterung für diese EM ein neuer Geist den Fußball beflügeln.

Überfällige Veränderungen

Wenn die Werder-Frauen im November gegen die Freiburgerinnen in der Bundesliga im Weser-Stadion spielen (dürfen), geht nicht nur für sie ein Traum in Erfüllung. Der Wind der Frauen-EM wird hoffentlich auch im hiesigen Fußball für längst überfällige Veränderungen sorgen.

Aber jetzt freue ich mich erst mal auf die Gesänge von 90.000 Fans im Wembley-Stadion und auf ein packendes EM-Finale.

Versetzt das EM-Finale Bremen ins Fußballfieber?

Bild: Radio Bremen

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Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Juli 2022, 19:30 Uhr