Wie steht es um den Bremer Mädchen-Fußball? 2 Trainer erzählen

Ingo Müller engagiert sich ehrenamtlich als Fußballtrainer.
Ingo Müller engagiert sich ehrenamtlich als Fußballtrainer, weil es davon im Mädchenfußball zu wenige gibt.

Diese Trainer machen es Mädchen möglich, Fußball zu spielen

Bild: Lieselotte Scheewe/ Radio Bremen

Das Interesse ist groß, doch die Anzahl der Trainer klein: Auch der Bremer Mädchen-Fußball ist auf ehrenamtliche Coaches angewiesen. Wir stellen zwei von ihnen vor.

Mit roten Köpfen und verschwitzten Haaren flitzen die E-Jugend-Mädchen des ATS Buntentor über den Platz. Ihre Teamkolleginnen und einige Fans, die am Spielfeldrand mitfiebern, feuern sie an. Doch ihre Gegnerinnen halten dagegen. Tore fallen auf beiden Seiten, die Stimmung ist hüben wir drüben gut. "Die sind immer positiv", sagt Ingo Müller, Trainer der acht- bis zehnjährigen Buntentor-Spielerinnen, im Gespräch mit buten un binnen.

Das ist es, was es für mich einfach macht: Selbst wenn ich kaputt bin, hol ich mir dort wieder positive Energie.

Ingo Müller, Mädchen-Trainer beim ATS Buntentor, zu buten un binnen

Die Buntentor-Mädchen trainieren zweimal pro Woche

Der 45-Jährige ist Vater von vier Kindern und arbeitet als Arzt. Zweimal die Woche trainiert er die Buntentor-Mädchen gemeinsam mit drei Schülerinnen. An den Wochenenden begleitet er seine Schützlinge zu Heim- oder Auswärtsspielen – trotz vollem Terminkalender. "Irgendwie geht das aber immer", sagt Müller.

Am Ende ist es wie bei allen Sachen, die einem Spaß machen: Wenn man wirklich will, dann findet man die Zeit auch.

Ingo Müller, Mädchen-Trainer beim ATS Buntentor, zu buten un binnen

Im Nachwuchs des Frauen-Fußball tut sich einiges. Auch in Bremen steigen in den Vereinen die Mitgliederzahlen im Mädchen-Bereich. Wie im gesamten Amateursport sind es auch bei den jungen Kickerinnen die ehrenamtlichen Coaches, die das Ganze überhaupt erst möglich machen. "In vielen Stadtteilen passiert gerade was", sagt Müller. Allerdings fehlten am Ende oft auch die Trainerinnen und Trainer.

Die Vereine haben meistens Jungs-Mannschaften und dann noch genug Leute für die Mädchen-Mannschaften zu finden – das ist momentan noch die Herausforderung.

Ingo Müller, Mädchen-Trainer beim ATS Buntentor, zu buten un binnen

Gemeinsam verlieren, gewinnen und zusammenhalten

Ingo Müller engagiert sich ehrenamtlich als Fußballtrainer.
Zweimal wöchentlich trainiert Ingo Müller die E-Mädchen des ATS Buntentor. Bild: Lieselotte Scheewe/ Radio Bremen

Beim ATS hat die weibliche E-Jugend zu Beginn der Saison mit meist nur zwischen fünf und acht Mädchen trainiert. Mittlerweile besteht das Team aus etwa 20 Spielerinnen.

Bei Müller lernen die Mädchen zum einen, wie man dribbelt, flankt und Tore schießt, zum anderen aber auch, wie man gemeinsam gewinnt, verliert und zusammenhält. "Dass man eine Mannschaft hat und sich daraus eine Gruppe bildet, das ist das Schöne. Und wenn sie nebenbei noch gut Fußball spielen können, umso besser", sagt Müller.

Jedes Mädel, das dazu kommt, passt in die Gruppe. Ich kann mich nicht erinnern, dass mal jemand gemeckert hat, wenn ein Pass nicht richtig gespielt wurde.

Ingo Müller, Mädchen-Trainer beim ATS Buntentor, zu buten un binnen

Ähnliches weiß auch Hening Schmitz, Mädchen-Coach bei Union 60, zu erzählen. "Die Kinder wachsen heute ohne diese Ressentiments auf, dass Fußball ein Sport für Jungs ist", so Schmitz, dessen Team aktueller Landesmeister in der E-Jugend ist. Dass sich die Mädchen durchsetzen müssen, ist neben allem Sport und Spaß ein weiterer Lerneffekt, von dem der Nachwuchs profitiert.

Man muss sich behaupten können, den Ball erobern und behalten und verteidigen – das ist eine ganz gute Schule.

Hening Schmitz, Coach der weiblichen E-Jugend bei Union 60, zu buten un binnen

DFB-Frauen machen Werbung für Mädchenfußball

Schmitz ist – so wie viele ehrenamtliche Trainer und Trainerinnen – selbst Fußball-Papa: Seine Tochter tritt ebenfalls gegen den Ball. Sie war es auch, die ihn zum Trainer-Job animierte. Denn als sie anfing, gab es zwar genug interessierte Spielerinnen, aber eben keinen Coach. Schmitz übernahm und ist seit mittlerweile vier Jahren als Trainer im Einsatz.

Auf der großen Bühne rückt auch der Frauen-Fußball immer mehr in den Fokus. Während die deutsche Männer-Nationalmannschaft zuletzt nur spielerische Magerkost zeigte, peilen die DFB-Frauen bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) den Titel an. "Der Frauen-Fußball ist mitreißend, athletisch geworden und steht den Männern überhaupt nichts nacht", sagt Schmitz. Für den Mädchen-Fußball ist eine erfolgreiche Frauen-Nationalmannschaft die beste Werbung – auch in Bremen.

Wenn die präsent und erfolgreich sind, dann wollen die Kids das auch machen. So etwas steckt natürlich an.

Hening Schmitz, Coach der weiblichen E-Jugend bei Union 60, zu buten un binnen

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Lieselotte Scheewe
    Lieselotte Scheewe Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, der Samstagvormittag, 24. Juni 2023, 13:40 Uhr