Er tötete fast täglich – Der "Oma-Mörder" von Bremerhaven

Collage mit Zeitungsausschnitten "Oma-Mörder", Podcast-Hosts und Schriftzug Mord Nordwest

Er tötete fast täglich – Der "Oma-Mörder" von Bremerhaven

Bild: Radio Bremen | Josefine Gotzes, Grafik: Christina Loock, Sabina Weinrich

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Ein Fall, der nicht nur die Bevölkerung in Bremerhaven erschütterte. Im Juni 2001 ermordete ein Krankenpfleger in wenigen Tagen fünf alte Frauen. Sein Motiv: Habgier. Da die Frauen ihn kannten, öffneten sie ihm arglos ihre Wohnungstür.

Jeder dritte Mord bleibt unentdeckt

Wenn auf dem Grab jedes Mordopfers eine Kerze brennen würde, dann wären die Friedhöfe nachts hell erleuchtet.

These
Ausschnitt eines Totenschein mit einem Kreuz bei Nein zur Frage nach einer unnatürlichen Todesart
Bild: Radio Bremen

Den Satz hört man immer mal wieder von dem einen oder anderen Kriminalkommissar, Staatsanwalt oder Gerichtsmediziner. Kaum einer, der nicht Polizist oder Jurist oder Mediziner ist, glaubt, dass da wirklich was dran sein könnte. Schließlich ist die Aufklärungsquote nirgends höher als bei Mord und Totschlag. Nur setzt allein der Versuch, ein Verbrechen aufzuklären, das Wissen oder wenigstens den Verdacht voraus, dass überhaupt ein Verbrechen passiert ist. Der viel zitierte "perfekte Mord" ist also vorzugsweise einer, von dem keiner etwas weiß außer dem Mörder. Gäbe es davon viele, dann könnte die Behauptung über die Gräber und die Kerzen wahr sein. Und tatsächlich sind rechtsmedizinisch so genannte "Dunkelfelduntersuchungen" zu dem Ergebnis gekommen, dass mindestens jedes dritte Tötungsdelikt in Deutschland nicht entdeckt wird.

Fünf Morde in zehn Tagen

Der Altenpfleger Olaf D. hat mindestens vier, vielleicht sogar fünf eigentlich "perfekte Morde" begangen. Im Gefängnis sitzt er nur, weil sein sechstes Opfer überlebt hat. Er ist am 22. November 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere seiner Schuld fest. Eine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Im Urteil heißt es: "Aus nichtigem Anlass und mit großer Bedenkenlosigkeit hat der Angeklagte innerhalb von nur zehn Tagen fünf seiner ehemaligen Patientinnen getötet, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass nicht auch sein sechstes Opfer verstorben ist."

Fünf Morde und ein Mordversuch innerhalb von zehn Tagen – diese Serie ist beispiellos zumindest in der deutschen Kriminalgeschichte. Olaf D. ist nicht psychisch gestört wie die meisten Serienmörder; sieht sich auch nicht als "Erlöser" seiner durchweg über achtzig Jahre alten Pflegebefohlenen; sein Motiv ist furchtbar banal: Habgier. Seine Beute: insgesamt nicht mal 5.000 Mark.

Wenige Tage vor dem ersten Mord war er fristlos entlassen worden bei dem Pflegedienst, der die sechs alten Damen zu Hause betreute. Er hatte Geld unterschlagen. Am 6. Juni 2001 besucht er dann unter einem Vorwand die 87-jährige Lisbeth N., erstickt sie mit einem Handtuch und raubt 350 Mark.

Bei allen weiteren Taten geht er ähnlich vor. Und bei vier seiner Opfer bescheinigen die nach dem Auffinden der Leichen herbeigerufenen Ärzte einen natürlichen Tod. So wäre es wahrscheinlich auch bei seinem letzten Opfer gekommen. Aber die 82-jährige Martha Ne. überlebt die Attacken des 1,93 Meter großen und 130 Kilo schweren Hünen und liefert den Hinweis auf Olaf D..

Hätte Martha Ne. nicht überlebt, dann wäre einer der schlimmsten Verbrecher der Kriminalgeschichte vielleicht ungestraft davongekommen – weil niemand außer ihm selbst von seinen Verbrechen gewusst hätte.

Autoren

  • Dirk Blumenthal Autor
  • Jochen Grabler Redakteur und Autor