Leichenteile im Ofen – ein romantisches Wochenende endet tödlich

Collage mit Zeitungsausschnitten, Podcast-Hosts und Schriftzug Mord Nordwest

Leichenteile im Ofen – ein romantisches Wochenende endet tödlich

Bild: Radio Bremen | Josefine Gotzes, Grafik: Christina Loock, Sabina Weinrich

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Ein Mann lädt eine Frau zu einem angeblich romantischen Ausflug ein. Am Ende ist die Frau tot. Sie war nicht das einzige Opfer.

Yvonne P. wundert sich, dass Till-Hauke H. am 6. September 2001 mit einem Kleintransporter vorfährt, um sie zu dem geplanten Wochenende auf dem Lande abzuholen. Und sie wundert sich noch mehr, als sie sieht, was im Laderaum des Transporters liegt: zwei eiserne Lagerböcke und ein zwei Meter langes Eisenrohr mit rund sechzig Zentimetern Durchmesser, auf der einen Seite zugeschweißt, auf der anderen Seite mit einem Deckel versehen, an den ein Ölbrenner angeschlossen ist. Das sei ein Ofen, sagt H.. Dass er vorhat, Yvonne P.s Leiche darin zu verbrennen, sagt er nicht.

Selbstgebauter Ofen der Täter
Nach der Tat ließ Till-Hauke H. das "Reisekrematorium" in zwei Teile schneiden. Bild: Radio Bremen

Till-Hauke H. hat zwei Ferienhäuser am Rand des Dörfchens Strietfeld bei Rostock gemietet. Dort bringt er Yvonne P. um. Wie und warum er sie getötet hat, ist bis heute unklar. Wahrscheinlich war sie ihm einfach lästig geworden, vielleicht auch gefährlich, weil sie von Straftaten wusste, die er begangen hatte.

Am Abend des 7. September jedenfalls ruft H. seinen Freund Tim S. an und bittet ihn, nach Strietfeld zu kommen: Er brauche Hilfe. S. kommt und leistet Hilfe. Zusammen mit H. baut er das mobile Krematorium auf. Die beiden schieben Yvonne P.s Leiche ins Rohr und versuchen, sie zu verbrennen. Das klappt nicht, auch nicht, nachdem sie das Opfer mit Hilfe von Flex, Beil, Messer und Fleischwolf zerstückelt haben.

Verbrecher aus "besseren Kreisen"

Beide Männer stammen aus gutbürgerlichen Familien. Beide sind hochintelligent, haben Abitur gemacht und danach in Bremen angefangen zu studieren – H. Mathematik, S. Betriebswirtschaft – das Studium aber abgebrochen. Beide sind verheiratet und haben Kinder. Beide sind wegen Betrug vorbestraft. S. hat zuletzt als Finanzberater gearbeitet. H. hat sich um die Geschäfte seiner wohlhabenden Frau gekümmert. Nebenher betrieb H. ein Bordell, in dessen Sado-Maso-Abteilung Yvonne P. "im devoten Bereich" gearbeitet hat.

Die beiden werden erwischt. Im Laufe der Ermittlungen in Sachen Yvonne P. stellt sich heraus, dass sie zwei weitere Tötungsdelikte auf dem Gewissen haben.

Mit Hilfe von S. und einem weiteren guten Bekannten hat H. im Dezember 1995 einen nepalesischen Asylbewerber entführt und umgebracht. Der Leichnam wird mit Steinen beschwert und in einem Baggersee bei Delmenhorst versenkt. Erst im Oktober 2001 bergen Polizeitaucher die Überreste des Mordopfers – im Beisein von Dirk Blumenthal und seinem Kamerateam. Der Nepalese musste sterben, weil er ein intimes Verhältnis zu der Ex-Freundin von Till-Hauke H. hatte.

Am Morgen des 7. März 1996 wird der zwielichtige Kaufmann Reinhard W. tot in seinem Auto auf einem Parkplatz in der Nähe des Bremer Fallturms gefunden. W. hatte eine Lebensversicherung über anderthalb Millionen Mark zu H. Gunsten abgeschlossen. Wer ihm zwei Kugeln in den Kopf geschossen hat, ist nicht mit letzter Sicherheit zu klären. Aber Till-Hauke H. wird als Anstifter des Mordes verurteilt und Tim S. als Helfer.

Die beiden werden am Ende zu hohen Gesamtstrafen verurteilt. H. bekommt Lebenslänglich, und die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt. S. muss 15 Jahre ins Gefängnis.

Autoren

  • Dirk Blumenthal Autor
  • Jochen Grabler Redakteur und Autor